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Wie Pflegeschüler an der Uniklinik lernen

TÜBINGEN. Seit Kurzem können Pflegeschüler an der Uniklinik ihre praktische Ausbildung auf einer Station machen, die eigens für sie eingerichtet wurde und in der sie länger verweilen, als sonst bei ihren Einsätzen auf wechselnden Stationen. Schon jetzt zeigen sich die positiven Seiten dieses Projekts, sowohl für die Auszubildenden wie auch für die Patienten. »Wenn sie zu uns kommen, erklären wir den Patienten, dass hier eine Ausbildungsstation ist«, sagt Elena Mirovic, die im zweiten Lehrjahr ist.

Elena Mirovic, Auszubildende im zweiten Lehrjahr, hilft dem Patienten Peter Lutz beim Aufrichten. Praxisanleiterin Katja Keppler
Elena Mirovic, Auszubildende im zweiten Lehrjahr, hilft dem Patienten Peter Lutz beim Aufrichten. Praxisanleiterin Katja Keppler und Pflegedirektor Klaus Tischler beobachten sie dabei. FOTO: WEBER
Elena Mirovic, Auszubildende im zweiten Lehrjahr, hilft dem Patienten Peter Lutz beim Aufrichten. Praxisanleiterin Katja Keppler und Pflegedirektor Klaus Tischler beobachten sie dabei. FOTO: WEBER
»Nett, freundlich, fleißig, sie arbeiten, ohne zu murren, hilfsbereit«, lauteten die ersten Bewertungen von Patienten auf anonymen Bögen. Die Nachwuchskräfte wirken so kompetent, dass es Peter Lutz, der nach einem Bauchschnitt auf einer Station der Allgemeinchirurgie liegt, nicht einmal auffiel, dass er von Auszubildenden versorgt wird. »Die Betreuung ist hervorragend.«

Dafür verantwortlich ist auch Krankenpflegerin Katja Keppler als Praxisanleiterin. »Wir führen die Auszubildenden Schritt für Schritt an die eigene Verantwortung für Patienten heran. Dies geschieht durch beobachten, beraten, begleiten und anleiten.«

Mit der Einrichtung einer dauerhaften Ausbildungsstation reagiert die Tübinger Uniklinik auf die wachsenden fachlichen Ansprüche an das Pflegepersonal. »Wir haben schon jetzt eine sehr gute Ausbildung«, betont Projektleiter Thomas Münzing von der Schule für Pflegeberufe. »Durch die längere Verweildauer können die Auszubildenden in den knapp zwei Monaten besser die Zusammenhänge erfassen.« Ziel ist es, dass sie mehr Routine bekommen und damit mehr Sicherheit im Krankenhaus-Alltag.

Personal wurde aufgestockt

Vor knapp drei Wochen begann das Projekt mit sechs Auszubildenden, ab Januar sollen es zwölf sein. Die Nachwuchskräfte übernehmen Verantwortung und werden dabei von examinierten Kollegen begleitet. Lisa Modlmeir, ebenfalls im zweiten Lehrjahr, sieht das als besonderen Vorteil. »So entsteht keine Überforderung. Ich kann sofort bei jemand nachfragen, wenn ich mir bei einer Sache nicht sicher bin. Das bringt mir größeren Gewinn beim Lernen, das habe ich schon nach der ersten Woche gemerkt.« Für die Begleitung der Schüler in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie wurde das Personal aufgestockt. »Zusätzlich ist jetzt in jeder Schicht ein pädagogischer Begleiter«, erläutert Münzing. Fest eingeplant ist, dass täglich nach Arbeitsende gemeinsam die Schwierigkeiten angesprochen werden. »Am nächsten Tag wird das Problem angegangen und praktisch umgesetzt.«

Der Transplantationsmediziner und Leiter der Chirurgischen Uniklinik Tübingen, Alfred Königsrainer, begrüßt das Projekt. »Es führt die jungen Mitarbeiter an die chirurgische Abteilung heran. Sie kommen hier mit einer komplexen Situation der Pflege in Berührung, sie erleben Misserfolge, aber auch viele Erfolge.« Weitere dauerhafte Ausbildungsstationen sollen in der Frauen- und Kinderklinik sowie der Inneren Medizin entstehen. »Wir erhoffen uns einen deutlichen Qualitätsgewinn, sowohl für die Azubis als auch für die Patienten«, sagt Pflegedirektor Klaus Tischler. (GEA)