MÖSSINGEN. Dass die Kommunen tief in einer finanziellen Krise stecken, wird in diesen Tagen, in denen die Bürgermeister ihre Haushaltsentwürfe für 2026 vorlegen, allerorten und ständig wiederholt. Da macht Mössingen keine Ausnahme, was die Gemeinderatssitzung am Samstagmorgen eindrücklich vor Augen führte. In gut drei Stunden wurde das Zahlenwerk von vorne bis hinten durchgekaut, wurden Fragen beantwortet und Posten erläutert. Und am Ende konnte die für die Finanzen zuständige Fachbereichsleiterin Heidrun Bernhard doch einen Silberstreif an den düsteren Horizont malen: »Trotz der miserablen Lage können wir einige Dinge anstoßen, die die Stadt voranbringen.«
Das größte, aber eben auch unsicherste Projekt ist der Bau einer neuen Sporthalle. Bereits bei der Einbringung des Haushalts hatte OB Michael Bulander darauf hingewiesen, dass das 16-Millionen-Projekt nur zu stemmen ist, wenn aus verschiedenen Töpfen die maximale Förderung von acht Millionen Euro zusammenkommt. Ein Einstieg wird jetzt gemacht mit 800.000 Euro für die Planungskosten.
Planen und hoffen
»Warum 800.000 Euro?«, wollte Arno Valin (SPD) wissen. Man habe sich doch bei den Beratungen zum Haushalt 2025 auf 600.000 Euro geeinigt. Doch die hohe Summe hat ihren Grund. »Je weiter wir planen, desto größer ist die Chance, dass wir zum Zug kommen. Der Bund ist daran interessiert, dass derjenige, der in das Programm kommt, auch schnell bauen kann«, erklärte Michael Bulander. Deshalb, ergänzte Baubürgermeister Martin Gönner, soll bis zur Leistungsphase 4 geplant werden: »Dann haben wir eine Baugenehmigung, und die ist sechs Jahre gültig.«
Angesichts des Sanierungsstaus bei Sportstätten sei das neue Förderprogramm nicht mehr als ein »Nasenwasser«, bemängelte der OB. Dass die Stadt, die bereits zweimal mit Anträgen gescheitert ist, einen neuen Versuch machen muss, steht für ihn außer Frage: »Die Jahnhalle 1 ist abgängig, die werden wir nicht mehr lange halten können, und die Steinlachhalle ist auch schon mehr als 40 Jahre alt. Es reicht schon jetzt nicht mehr für den Schulsport. So hart die Situation ist: Wir brauchen eine neue Halle.«
Politisch abgehängt
Das größte Problem aus Bulanders Sicht: »Wir haben für den Kreis Tübingen keine Abgeordneten mehr in Berlin.« Ein spontanes Hilfsangebot kam dann aber aus Reutlingen. Claudia Jochen (LiSt) funkte in der Pause die Linken-Abgeordnete Anne Zerr an, die versprach, sich für die Mössinger Belange einzusetzen. Wobei natürlich allein schon die Stadt Reutlingen auch etliche Wünsche an Berlin hat.
Was aus dem Haushalt ganz herausgefallen ist, sind neue Räume für die Jugendmusikschule Steinlach (JMS), obwohl klar ist, dass die im Moment genutzten Räume im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Pause wegen der weiteren Sanierung am Ende des Jahres geräumt werden müssen. Im Jahr 2026 liegen die Personalkosten deutlich höher, weil nach einem Gerichtsurteil in Herrenberg keine Honorarkräfte mehr eingesetzt werden dürfen, weil ein stellvertretender Leiter eingesetzt werden musste und weil zusätzliches Personal benötigt wurde.
Weil auch die an der Musikschule beteiligten Nachbargemeinden sparen müssen, wird die Situation nicht einfacher. Dennoch legte Bulander ein deutliches Bekenntnis zur JMS ab: »Wir setzen die Musikschule nicht leichtfertig aufs Spiel. Sie ist keine elitäre Bildungseinrichtung, sondern fr die gesamte Gesellschaft da und enorm wichtig für die musische Bildung.«

