KIRCHENTELLINSFURT. Es klingt ein wenig, wie der »weiße Hai« am Baggersee: In Bayern greift ein zwei Meter langer und 90 Kilogramm schwerer Wels mehrere Badegäste an und wird erst durch die alarmierte Polizei erschossen. Eine Ausnahme? Oder muss man jetzt auch an am Baggersee in Kirchentellinsfurt mit bissigen Fischen rechnen? Dort breiten sich die Welse schließlich aus. Die wichtigsten Fragen für alle, die diesen Sommer sicher ins Wasser springen wollen.
Gibt es im K'furter See überhaupt Welse, die so groß sind?
»Im Baggersee gibt es durchaus Exemplare mit ähnlichem Ausmaß«, sagt Gerd Schwarz, Vorstandsmitglied vom Fischereiverein Reutlingen, dem GEA. Erst im vergangenen Jahr haben Mitglieder des Vereins einen mehr als 2,20 Meter langen und über 80 Kilogramm schweren Wels geangelt. Es war ein "herausragender Zufallsfund", wie Schwarz damals dem GEA berichtet. Der Riesen-Wels ist aber nicht der einzige: "Mit einem Echolot hatten wir bereits Exemplare mit circa 2,30 Meter bis 2,40 Meter auf dem Schirm.
Haben Welse am K'furter See schon Badegäste angegriffen?
»Uns sind keine Vorfälle in der Art bekannt«, sagt Schwarz vom Reutlinger Fischereiverein. »Es gab nur mal einen recht angriffslustigen Schwan, der hin und wieder auch mal geschnappt hat, wenn man sich ihm zu sehr angenähert hat.« Schlagzeilen machten Welse andernort. Vor über 20 Jahren wurde »Kuno, der Killerwels« nachgesagt, er haben im nordrhein-westfälischen Mönchengladbach einen jungen Rauhaardackel verschluckt.
Muss ich beim Baden im See jetzt Angst vor großen Welsen haben?
Eine direkte Gefahr für den Menschen geht laut Schwarz von Riesen-Welsen nicht aus. Es ist »sehr unwahrscheinlich«, während des Badetriebs einem Raubfisch zu begegnen, sagt das Vorstandsmitglied des Reutlinger Fischereivereins. Es sind nacht- und dämmerungsaktive Tiere, die sich tagsüber auch im sandigen Untergrund eingraben. »Der Lärm und Tumult schreckt die Fische eher ab. Diese kommen erst, wenn sich das Ufer langsam wieder leert und etwas Ruhe einkehrt in diesen Bereich zurück.« Aggressiv können die Welse dagegen während der Laichzeit im Mai und Juni werden, wenn sie ihre Brut verteidigen. »Dann sollten Menschen den Fischen möglichst nicht zu nahe kommen.« Aber auch dann ist die Gefahr eher gering. Mit ihren sogenannten Bürstenzähnen können die Tiere laut Schwarz Kratzer in der menschlichen Haut verursachen.
Was mache ich, wenn mir im Wasser plötzlich ein großer Fisch zu nahe kommt?
Zunächst Ruhe bewahren und langsam entfernen, wenn ein großer Fisch wie ein Wels in der Nähe zu sehen ist. Ein lautes Planschen oder hektische Bewegungen können Tiere verschrecken – oder erst recht neugierig machen. Im Zweifelsfall ist es immer besser, das Badepersonal oder die Wasserwacht zu informieren, sollte sie am Strand sein. Auch Alexander Brinker von der Fischereiforschungsstelle Langenargen sagt, es könne durchaus passieren, dass man beim Baden auf einen Wels stoße. Allerdings müssten Badegäste keine Angst haben, betonte er im Gespräch mit dem SWR: »Er würde keine Menschen attackieren.«
Warum werden diese Fische immer größer?
Grund dürfte aus Sicht der Experten die Erderwärmung sein. Sie führt zu steigenden Wassertemperaturen, das wirkt sich wiederum positiv auf das Wachstum wärmeliebender Fischarten wie zum Beispiel der Welse aus. Denn wärmeres Wasser beschleunigt den Stoffwechsel und die Nahrungsaufnahme. Außerdem sind Welse überaus gefräßig, deshalb steigt ihre Zahl auch im K'furter Baggersee - und ohne Fressfeinde ihre Dominanz im Wasser. Um die Ausbreitung zu bremsen, machen die Mitglieder des Reutlinger Fischervereins in Absprache mit dem Regierungspräsidium Tübingen einmal im Jahr gezielt Jagd auf die Welse. Vor kurzem zogen sie vier kleine Exemplare aus dem Wasser, die »nur« bis zu 1,30 Meter lang waren. (GEA)

