Logo
Aktuell Wohnen

Wie der Generationen-Campus Gomaringen wächst und gedeiht

Läuft alles nach Plan, beginnen im März die Bauarbeiten in der Alteburgstraße 1. Dort soll der Generationen Campus Gomaringen entstehen. Wie das Gebäude auf Dauer allerdings mit Leben gefüllt wird, darum kümmern sich zahlreiche Grüppchen - so wie die Arbeitsgruppe »Gesellschaft«. Der GEA war bei einer Sitzung zu Gast.

Das Kernstück des Generationen Campus' Gomaringen im Maßstab 1 zu 20 lässt genaue Planungen für den Innenbereich zu.
Das Kernstück des Generationen Campus' Gomaringen im Maßstab 1 zu 20 lässt genaue Planungen für den Innenbereich zu. Foto: Paul Runge
Das Kernstück des Generationen Campus' Gomaringen im Maßstab 1 zu 20 lässt genaue Planungen für den Innenbereich zu.
Foto: Paul Runge

GOMARINGEN. Im geräumigen Atelier von Gastgeberin Edith Kosellek kommt das Holzmodell voll zur Geltung. Sanft beschienen von den letzten Strahlen der winterlichen Nachmittagssonne ruht der Kernbau des zukünftigen Generationen Campus' Gomaringen im Maßstab 1 zu 20 auf einem großen Tisch. Heute geht es in der Arbeitsgruppe »Gemeinschaft« - einer von acht, in der alle Aspekte rund ums gemeinschaftliche Wohnprojekt geplant werden - um die Akustik und die Innengestaltung des Atriums, der Eingangshalle, in der sich ein Großteil des Lebens in der Alteburgstraße 1 abspielen wird.

»Der Architekt hat bei unserem jüngsten Treffen gesagt, dass es noch 'arg puristisch' ist«, sagt Stephanie Lotz, die Geschäftsführerin des großen Projekts, und bringt das Team auf den neusten Stand. Auch könnten nun die Möbel-Modelle gebaut werden, die maßstabsgetreu irgendwann im Gemeinschaftsraum stehen werden - im »zweiten Wohnzimmer«, wie Lotz es nennt. »Es ist gut, einen Schreiner mit im Boot zu haben«, ergänzt sie und schmunzelt. Dann könne man ganz genau nachvollziehen, wie man sich den Platz im Gemeinschaftsraum aufteilen wolle. Es sei wichtig, schon jetzt mitzudenken, wie sich das Leben dort abspielen wird - besonders mit Blick auf die daran angrenzende Küche und den gemeinsamen Mahlzeiten.

Inklusive Planung

Doch heute soll das Atrium im Fokus der Planer stehen. Ralf Schroeter, einer der zukünftigen Bewohner des Campus', wirft ein: »Ich war kürzlich in einem inklusiven Hotel in Regensburg, die hatten eine tolle Akustik.« Da habe er gemerkt, wie clevere Innenarchitektur sowohl ein- als auch ausgrenzen könne. Die Idee greift das siebenköpfige Team sofort auf: Natürlich wolle man so inklusiv wie möglich gestalten. Das sei schließlich einer der Grundgedanken des Bau- und Wohnprojekts, das in der Alteburgstraße entstehen soll.

So viele Generationen wie möglich sollen in 31 Wohnungen Platz finden. Zwei Drittel davon sind bereits vergeben, insbesondere an ältere Menschen über 65 Jahre, die mit insgesamt 16 Wohnungen die Hälfte der zukünftigen Bewohner ausmachen werden. Einige davon können in einem Pflegebereich unterkommen, der genauso in die Wohnstruktur des Hauses integriert ist wie die zahlreichen Einzelwohnungen auch. Mindestens acht Wohnungen sind für Familien mit Kindern reserviert. »Wir müssen die Bedürfnisse aller Bewohner berücksichtigen«, erklärt Lotz.

Zusammenspiel von Holz, Beton und Grün

Umso wichtiger sei es daher, jetzt schon auch im Atrium richtig zu planen. Das entpuppt sich indes als Herausforderung: Die Eingangshalle zieht sich über zwei Stockwerke mit unterschiedlichen Deckenhöhen zwischen 2,90 und 5,90 Metern. Die frontale Glasfassade könne ebenfalls bis in den zweiten Stock gedacht werden, gibt Lotz zu bedenken. Könnte es dann aber Probleme mit der Sonneneinstrahlung geben?

Susanne Ellinger hat viele Design-Ideen mit im Gepäck, die mit Moos- und Begrünungselementen arbeiten - in Verbindung mit der Holz- und Beton-Optik habe das Charme. »Fahrbare Pflanzen könnten zugleich als Raumtrenner dienen«, schlägt Ellinger vor. Und das Moos sei auch gut dafür geeignet, Schall zu schlucken. Solange es nachher nicht wie im Gewächshaus aussehe, wirft Peter Scharf ein. Genug Sitzmöglichkeiten müsse es aber auf jeden Fall geben.

Was ist der Generationen Campus Gomaringen?

Das gemeinschaftliche Wohnprojekt, das in der Gomaringer Alteburgstraße 1 entsteht, bietet Platz für 31 Wohnungen inklusive Pflege-Einheiten und Sozialwohnungen. Der Clou: Es soll eine generationenübergreifende und sozial gemischte Wohnstruktur entstehen, die sich selbstbestimmt verwaltet und von allen Bewohnern gemeinschaftlich geplant und organisiert wird. Zusätzlich zu den Wohneinheiten werden viele Gemeinschaftsräume mit unterschiedlichen Aktivitätsschwerpunkten geschaffen.

Wer als Investor in das Projekt einsteigt, kauft kein konkretes Objekt, sondern finanziert den Campus grundsätzlich mit. Um das Wohnen für alle Parteien so gerecht wie möglich zu machen, zahlen alle Bewohner Miete - also auch die, die sich als Investoren an dem Projekt beteiligen. Mietverhältnisse können daher nicht über Eigenbedarfskündigungen beendet werden. Ob Interessenten in das Projekt passen, entscheiden die Gesellschafter. (pru)

Beim Boden ist sich das Team einig: Holz vor Fliesen. »Das unterscheidet uns nachher auch von der Krankenhausoptik«, bringt es Schroeter auf den Punkt. Das geht das aber nicht überall - vor allem nicht als Deckenverkleidung. »Brandschutz«, sagt Lotz. Bei den Möbeln habe man da allerdings freie Hand. Es wäre schön, wenn man bereits im verglasten Eingangsbereich die Weite des Raumes spüren könne, wünscht sich Schroeter.

Viele weitere Ideen werden gesammelt und auch wieder verworfen, eine finale Entscheidung wolle man heute ohnehin nicht treffen, erklärt die Geschäftsführerin. »Flexible Möbel und das Thema 'Grüne Wand' nehme ich auf jeden Fall mit«. Die Impulse und Ideen bespreche sie mit den Architekten, die sie einmal in der Woche zum »jour fixe« treffe.

Harmonisch und kompromissbereit

Es sei nicht immer leicht, alle Wünsche und Vorstellungen unter einen Hut zu bringen, erklärt Lotz. 31 Gesellschafter zähle das Projekt Generationen Campus mittlerweile, dazu kämen auch Gemeinschafter, die nicht unmittelbar investieren würden, aber gerne einziehen möchten. »Wer einzieht, strukturiert mit«, heißt das Credo.

Doch trotz so vieler Köpfe verlaufe die Arbeit harmonisch und kompromissbereit. »Vielleicht zieht das Projekt auch einen bestimmten Typ Mensch an, der damit grundsätzlich gut klarkommt«, schätzt Ellen Noetzel ein, die den Generationen Campus ebenfalls mitgestaltet. Man dürfe aber auch nicht vergessen: »Wir haben drei Jahre Erfahrung, kennen uns und konnten unseren Weg finden.« Der dauert noch - wenn alles glattläuft - bis in den November 2026. Zumindest, was die Bauphase angeht. Danach geht's ans Zusammenleben, mit all den Herausforderungen und Chancen auf eine bunte und harmonische Gemeinschaft. (GEA)