GOMARINGEN. Der Widerstand der Elternschaft hatte sich schon bei der Gomaringer Gemeinderatssitzung vergangene Woche deutlich gezeigt. Dort waren Dutzende gekommen, um ihrem Unmut gegen die geplanten Kürzungen in der Kinderbetreuung Luft zu machen. Aufgrund der schlechten finanziellen Lage in der Wiesaz-Gemeinde prüft die Verwaltung derzeit, wo zum einen Geld gespart, zum anderen mehr Geld eingenommen werden kann. Auch die Elternbeiträge für die Kindergärten werden dabei unter die Lupe genommen. Eine Erhöhung des Kostendeckungsgrads auf 30 Prozent könnte laut der aktuellen Konsolidierungsliste knapp 214.000 Euro einbringen. Gegenwärtig liege der Deckungsgrad bei rund 20 Prozent, wie die Verwaltung in der jüngsten Sitzung mitteilte.
Pi mal Daumen könnte das die Beiträge - natürlich abhängig von der individuellen Situation und dem gebuchten Betreuungspaket - um rund 50 Prozent nach oben katapultieren. Viel zu viel, sind sich die mittlerweile rund 600 Unterzeichner einer Petition einig, die von Elternbeiräten der Gomaringer Einrichtungen am vergangenen Freitag gestartet wurde. »Wir empfinden die aktuelle Ausgestaltung der geplanten Maßnahmen als unverhältnismäßig und für zahlreiche Familien als kaum tragbar«, heißt es darin. Nathania Meyer, zweite Vorsitzende des Elternbeirats des Kindergartens in der Haydnstraße, präzisiert: »Wir sind uns durchaus bewusst, dass es Änderungen geben muss. Die müssen aber sozial gerecht und für die Familien tragbar sein.«
Einsparung bei Randzeiten denkbar
Die Erhöhung der Beiträge ist aber nicht der einzige Punkt, den die Gemeinde ins Spiel bringt, um dringend benötigtes Geld in die Kassen zu spülen. Zusätzlich finden sich auf der Liste auch Posten, um den Geschwisterrabatt anzupassen oder sogar abzuschaffen. Auch hier wünschen sich die Eltern eine transparente und kompromissorientierte Diskussion.
Einige ihrer Ideen möchten die Eltern in einem Treffen mit der Verwaltung am Donnerstag, 4. Dezember, besprechen. »Bei der Einsparung der Betreuungs-Randzeiten frühmorgens oder spätabends könnten wir uns vorstellen, notgedrungen mitzugehen«, sagt Meyer gegenüber dem GEA. In einem Kindergarten beträfen diese Kürzungen beispielsweise fünf Kinder. »Das ist für die Familien natürlich schwierig.« Dass aber Abstriche gemacht werden müssten, darüber seien sich die Eltern soweit einig.
Ideen noch nicht durchgerechnet
Ein anderes Zugeständnis könnten sich die Betroffenen beim Geschwisterrabatt vorstellen. Der müsse ja nicht bei der gegenwärtigen Regelung verbleiben, Vergünstigungen gestaffelt pro Kind im Haushalt anzubieten, das unter 18 Jahre alt ist. »Häufig sind die Älteren ja auch in Schulen außerhalb der Gemeinde«, gibt Meyer zu bedenken - da sei es nur fair, nicht auf Kosten der Gemeinde ermäßigte Beiträge für die jüngeren Kinder zu zahlen.
Oder die Staffelung für jedes weitere Kind könnte grundlegend angepasst werden. »Man könnte auch einen einheitlichen Rabatt einführen und dann die Zeit verkürzen«, so ein weiterer Vorschlag. Durchgerechnet sei aber noch nichts, sagt Meyer. Die Diskussion habe sich in den vergangenen Tagen erst hochgeschaukelt, im Moment sammle man noch Ideen.
Gomaringens Bürgermeister Steffen Heß hätte sich ein wenig mehr Ruhe in der Debatte gewünscht. Ein Termin, wie er jetzt am Donnerstag stattfinden wird, hatte die Verwaltung ohnehin geplant. »Wir wollten es natürlich so gestalten, dass die Betroffenen am Prozess beteiligt werden«, erklärt Schultes Heß gegenüber dem GEA. Man habe aber zuerst einen Rahmen gebraucht, ehe man mit den Partnern ins Gespräch gehe.
Nun sei es aber recht schnell eskaliert, bemängelt Heß. Die SPD-Fraktion, die nach Aussage des Vorsitzenden Maximilian Fölls jegliche Einschnitte im sozialen Bereich ablehnt, habe bereits »angedroht, die Kommunalaufsicht einzuschalten.« Doch noch sei ja gar nichts entschieden. »Wir müssen ja erst wissen, mit welchen Zahlen wir konkret rechnen können - ohne, dass irgendwelche Belastungen im öffentlichen Raum mitschwirren.«
Hauptaufgabe bleibt der genehmigungsfähige Haushalt
Auch sei der Vorgang rechtlich viel komplizierter, als die hitzige Diskussion den Anschein mache. »Wenn wir Rückmeldung aus dem Elternbeirat haben, transportieren wir das zuerst in den Rat«, erklärt Heß. Dann müsse die Gebührensatzung sowie die Haushaltssatzung entsprechend angepasst werden. Da passiere nichts im »stillen Kämmerchen«, ganz entgegen einiger Vorwürfe, die ihn bereits erreicht hätten. »Wir werden noch die ein oder andere öffentliche Beratung vor der Brust haben«, verspricht der Schultes.
Heß' Aufgabe bleibe es weiterhin, einen genehmigungsfähigen Haushalt auf die Beine zu stellen. Und das heißt in erster Linie: sparen. »Das ist eine nüchterne Betrachtungsweise, damit möchte ich niemanden ärgern.« Das hält Elternbeirätin Meyer für »grundsätzlich verständlich. Wenn Herr Heß aber sagt, man hätte nicht viel Spielraum, dann hört sich das bereits sehr beschlossen an.« Umso positiver sei es zu werten, dass jetzt hoffentlich klärende Gespräche anstehen. »Ich bin gespannt, wie man das alles unter einen Hut bringen möchte«, sagt Meyer. Die Ergebnisse des Gesprächs werden in einer kommenden Gemeinderatssitzung öffentlich besprochen. (GEA)

