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Was eine Tübingerin beim Einsatz in Myanmar erlebt hat

Die Tübinger Juristin Theresa Schneck war im Auftrag von Humedica in Myanmar. Was sie bei ihrem Hilfeeinsatz in dem abgeschotteten Land erlebt hat.

Die Tübinger Juristin Theresa Schneck war in Myanmar direkt nach dem Erdbeben vor Ort
Die Tübinger Juristin Theresa Schneck war in Myanmar direkt nach dem Erdbeben vor Ort Foto: privat
Die Tübinger Juristin Theresa Schneck war in Myanmar direkt nach dem Erdbeben vor Ort
Foto: privat

TÜBINGEN/MYANMAR. Das Erdbeben in Myanmar im März diesen Jahres war verheerend. Über 3.000 Menschen starben, tausende wurden verletzt. Besonders schwierig dabei: Im Land tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg. Regiert wird es von einer Militärjunta, von der Außenwelt ist es so gut wie abgeschottet. Die Exilregierung bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Helfer stellte das unzugängliche Land vor besondere Probleme. Theresa Schneck hat es dennoch geschafft. Zusammen mit einem Mediziner, einem Logistiker und einem Sicherheitsexperten reiste die Tübingerin im Auftrag der Hilfsorganisation Humedica mit Sitz in Kaufbeuren in das krisengeschüttelte Land, um den Boden für ein nachfolgendes medizinisches Team zu bereiten.

Es war der zweite ehrenamtliche Einsatz für die Tübinger Juristin. Und es ging alles sehr schnell. Am Freitagmorgen bebte die Erde, am Freitagnachmittag wurde sie alarmiert, am Sonntag bekam sie Bescheid, dass sie sich in das asiatische Land auf den Weg machen soll. Was sie dort erwartete, wusste sie nicht. Nur eines war ihr von vornherein klar: »Die Zustände vor Ort sind nach so einem Katastrophenfall normalerweise chaotisch.« Das hatte sie schon nach dem Erdbeben in der Türkei erlebt. Mit Wasserfiltern und ersten Hilfsgütern im Gepäck reiste das vierköpfige Team über Thailand ein. Die Aufgaben war nun, alles vorzubereiten, damit die eigentlichen Helfer anrücken können. »Die Mediziner sollen sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können«, erklärt Schneck ihre Aufgabe.

»Die Hilfsbereitschaft vor Ort war beeindruckend«

Es ist eine Arbeit im Hintergrund, die nach außen kaum zu sehen, aber unerlässlich ist. Zuerst muss das Terrain sondiert werden. Was wird konkret benötigt, wie und wo kann am effektivsten geholfen werden? Selbst in einer derartigen Katastrophe werden Visas und Arbeitsgenehmigungen benötigt. Schneck knüpfte Verbindungen zu Mitarbeitern der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie und ihr Team sprachen mit dem Gesundheitsministerium, kontaktierten lokale Helfer, suchten nach Dolmetschern. Gerechnet hatten die vier Humenica-Mitarbeiter, dass sie im Zelt übernachten müssen. Das war aber nicht der Fall. Sie kamen in einem Hotel unter. Ins eigentliche Erdbebengebiet kamen sie erst, als einige bürokratische Hürden abgebaut waren. Auf sehr hilfsbereite Menschen seien sie gestoßen, erzählt die 32-Jährige. »Die Hilfsbereitschaft vor Ort war beeindruckend.«

Die Zerstörung nach dem Erdbeben ist groß in Myanmar.
Die Zerstörung nach dem Erdbeben ist groß in Myanmar. Foto: Privat
Die Zerstörung nach dem Erdbeben ist groß in Myanmar.
Foto: Privat

Die Juristin hat zerstörte Häuser und Pagoden gesehen, Menschen, die auf der Straße schlafen und hungern. Auch das Krankenhaus, für dass das Humedica-Team arbeiten sollte, war komplett zerstört. Zu ihren Aufgaben gehört, für die Mediziner eine sichere Unterkunft zu finden, Verpflegung und die Fahrten zum Einsatzort zu organisieren. Sie hatte die Verantwortung für die Sicherheit des Teams. Das beginnt bei der Auswahl des Hotels, das keine Risse aufweisen sollte, bis zur Frage, ob für den Einsatz Sicherheitskräfte benötigt werden.

So schwierig der Einsatzort war, am Ende hat es geklappt. Für die Arbeit des nachfolgenden Teams wurde ein Zelt vor dem Krankenhaus aufgeschlagen. In dieser medizinischen Station wurden innerhalb von zehn Tagen fast 1.500 Menschen behandelt. Die »ganze Bandbreite von Basisversorgung« sei dabei gewesen, erzählt Schneck, »von Diabetes bis Schwangerenvorsorge«. Die gesundheitliche Versorgung im Land war aufgrund des Erdbebens komplett zusammengebrochen. Das Humedica-Notfallteam blieb zehn Tage im Land. Das Krankenzelt und Medikits mit Verbandsmaterial und Medikamente hinterließ es für Hilfsorganisationen, die die Arbeit fortführten. Ein erfolgreicher Einsatz sei es gewesen, erzählt Schneck.

Was treibt sie an? Warum macht sie sich auf, lässt urplötzlich alles hinter sich, um irgendwo auf der Welt zu helfen? Sie wolle dem Gefühl der Ohnmacht in Anbetracht der weltweiten Krisen etwas entgegensetzen, sagt die Tübinger Juristin. Die Einsätze seien zwar nervlich sehr aufreibend, aber man bekomme sehr viel von der betroffenen Bevölkerung wieder zurück. (GEA)