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Warum der Tübinger Bahnhof saniert werden soll

Bevor der Tübinger Hauptbahnhof zu einem der Verkehrsknoten der Regionalstadtbahn werden kann, muss erst eine über hundert Jahre alte Brücke erneuert werden. Der Bahnhof wird umfangreich modernisiert und umgebaut. Ein Blick in die Planungen.

Links vom Anlagensee liegt der alte Tübinger Busbahnhof und der Europaplatz. Im Planungsausschuss wurden nun mögliche Varianten
Links vom Anlagensee liegt der alte Tübinger Busbahnhof und der Europaplatz. Foto: Manfred Grohe
Links vom Anlagensee liegt der alte Tübinger Busbahnhof und der Europaplatz.
Foto: Manfred Grohe

TÜBINGEN. Vom Landtag beschlossen ist es noch nicht, aber die Chancen stehen für die Regionalstadtbahn gut, dass das Land noch stärker in die Finanzierung einsteigt. Dadurch werde der kommunale Anteil für die einzelnen Gemeinden sinken, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Bahnexperte Matthias Gastel. Er hofft auch auf das Infrastrukturpaket des Bundes. Geht es seinen Weg »dann sollten die Finanzierungsprobleme besser gelöst werden.« Die Kommunen werden aufatmen. Schließlich kämpfen einige, darunter Tübingen, mit einem genehmigungsfähigen Haushalt. Regierungspräsident Klaus Tappeser hatte in die diesem Zusammenhang die Finanzierung der Regionalstadtbahn infrage gestellt. Das Geld wird also in den Kommunen dringend gebraucht.

Die unscheinbare Eisenbahnbrücke ist über hundert Jahre alt. Erst wenn sie erneuert wird, kann mit dem Umbau des Tübinger Hauptb
Die unscheinbare Eisenbahnbrücke ist über hundert Jahre alt. Erst wenn sie erneuert wird, kann mit dem Umbau des Tübinger Hauptbahnhofes begonnen werden. Foto: Irmgard Walderich
Die unscheinbare Eisenbahnbrücke ist über hundert Jahre alt. Erst wenn sie erneuert wird, kann mit dem Umbau des Tübinger Hauptbahnhofes begonnen werden.
Foto: Irmgard Walderich

Um die Regionalstadtbahn aufs Gleis zu setzen, wird in Tübingen an einigen Stellen umgebaut werden müssen. Was genau geplant ist, erläutern die beiden Verkehrsingenieure des Zweckverbands Regionalstadtbahn, Steffen Thomma und Marius Strähle.

Die Eisenbahnbrücke: Die Brücke in Tübingen über die Steinlach ist unscheinbar. Gebaut wurde sie 1912 von der königlich württembergischen Staatseisenbahn. »Sie ist der Taktgeber für die großen Baumaßnahmen«, sagt Thomma. Das heißt, sobald die Brücke erneuert wird, kann auch im Tübinger Hauptbahnhof mit den großen Umbaumaßnahmen begonnen werden. 100 bis 150 Meter schätzt der Ingenieur die Länge des Bauwerks. Der gesamte Bahnverkehr aus Richtung Tübinger Hauptbahnhof nach und von Stuttgart geht über die Brücke. Ihre Lebensdauer wird Anfang der 30er Jahre ablaufen. Solange wird mit dem Neubau noch gewartet. Es ist ein anspruchsvolles Baufeld, sagt Thomma. Schließlich grenzt die Eisenbahnbrücke im Süden direkt an die Straße Richtung Reutlingen. Im Norden liegt eine Fahrradbrücke, die wohl für den Neubau kurzfristig abgebaut werden muss. Was diese große Baustelle für die Bahnfahrgäste bedeuten wird, ist noch nicht ganz sicher. Überlegt wird, in der Zeit des Brückenbaus die Züge bis zum neuen Haltepunkt Güterbahnhof fahren zu lassen und dort zu wenden.

Das Gleis 14 direkt neben dem Tübinger Busbahnhof bekommt einen Bahnsteig.
Das Gleis 14 direkt neben dem Tübinger Busbahnhof bekommt einen Bahnsteig. Foto: Irmgard Walderich
Das Gleis 14 direkt neben dem Tübinger Busbahnhof bekommt einen Bahnsteig.
Foto: Irmgard Walderich

Der Tübinger Hauptbahnhof: Neben dem Reutlinger ist der Tübinger Hauptbahnhof einer der Knotenpunkte der Regionalstadtbahn. Um diese Funktion zu erfüllen, muss er allerdings erst einmal modernisiert und ertüchtigt werden. Schließlich werden bis zu sieben Linien der Regionalstadtbahn zusätzlich in den Bahnhof einfahren. Geplant ist, alle Bahnsteige zu erhöhen, damit künftig ein barrierefreier Einstieg in die Züge möglich sein wird. 38 Zentimeter hoch sei derzeit das Gleis 1, erklärt Thomma. Die niedrigste Höhe der modernen Züge ist allerdings 55 Zentimeter. Die neuen Doppeldeckerzüge, die künftig zwischen Tübingen und Stuttgart verkehren werden, sind sogar 76 Zentimeter hoch. Einen ausgeklügelten Plan braucht es, um den Umbau so zu bewerkstelligen, dass der Hauptbahnhof nicht monatelang gesperrt ist. Begonnen wird mit Gleis 7, sagt Thomma. Dann werde man sich nach und nach durcharbeiten. Die ersten Züge des Regionalstadtbahn-Modells sind übrigens aus Valencia, wo sie gebaut werden, in Saarbrücken eingetroffen. Dort werden sie getestet. 2028 wird mit den ersten Fahrzeugen in der Region gerechnet.

Grünen-Bundestagsabgeordneter Matthias Gastel (links) lässt sich von Verkehrsingenieur Marius Strähle die Bauarbeiten an der neu
Grünen-Bundestagsabgeordneter Matthias Gastel (links) lässt sich von Verkehrsingenieur Marius Strähle die Bauarbeiten an der neuen Tübinger Haltestelle Güterbahnhof erklären. Foto: Irmgard Walderich
Grünen-Bundestagsabgeordneter Matthias Gastel (links) lässt sich von Verkehrsingenieur Marius Strähle die Bauarbeiten an der neuen Tübinger Haltestelle Güterbahnhof erklären.
Foto: Irmgard Walderich

Gleis 14: Während die große Arbeiten am Bahnhof noch warten müssen, bis die Brücke erneuert wird, nimmt der Zweckverband Regionalstadtbahn eine Baustelle schon wesentlich früher in Angriff: Direkt neben Gleis 13, von dem derzeit die Ammertalbahn Richtung Herrenberg abfährt, bekommt das Gleis 14 einen neuen Bahnsteig. Derzeit ist das noch ein Abstellgleis, künftig sollen dort ebenfalls Züge aus oder nach Horb und Herrenberg fahren können. Diese Baustelle ist im kommenden Jahr geplant. Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands, rechnet mit circa drei Monaten Bauzeit. Nicht nur der Bahnsteig muss gebaut werden. Auch die Leit- und Sicherheitstechnik muss erneuert werden. Derzeit sind dort nur Rangierfahrten möglich.

Haltestelle Güterbahnhof: Während die anderen Vorhaben noch Zukunftsmusik sind, ist die Baustelle für die neue Tübinger Haltestelle Güterbahnhof schon weit gediehen. Die dazu gehörige Unterführung für Fußgänger und Radfahrer soll Ende dieses Jahres eröffnet werden. Vergangenen Sommer, als die Bahnverbindung nach Stuttgart gesperrt war, wurde das Loch gegraben. Der Beton für den Tunnel wurde unter laufenden Betrieb eingebracht. Zusammen mit der ebenfalls neuen Haltestelle Neckaraue soll der Haltepunkt eröffnet werden. Die Ingenieure schätzen, dass das 2027 der Fall sein könnte. Die Unterführung ist nicht nur der Zugang zu den Gleisen. Sie hat auch eine wichtige Funktion innerhalb des Tübinger Radnetzes: Es soll die neue Anbindung der östliche Südstadt in Richtung Innenstadt und Universität werden. Dazu liegt in der Verlängerung des Tunnels die neue Radbrücke am Tübinger Stauwehr. Von dort geht es über die Gartenstraße in die Altstadt.

Die Unterführung an der Haltestelle Güterbahnhof soll Ende des Jahres für Radler und Fußgänger eröffnet werden.
Die Unterführung an der Haltestelle Güterbahnhof soll Ende des Jahres für Radler und Fußgänger eröffnet werden. Foto: Irmgard Walderich
Die Unterführung an der Haltestelle Güterbahnhof soll Ende des Jahres für Radler und Fußgänger eröffnet werden.
Foto: Irmgard Walderich

Verspätungen: Um die Verspätungen auf der Neckar-Alb-Bahn Richtung Stuttgart in den Griff zu bekommen, seien längere Standzeiten im Tübinger Hauptbahnhof erforderlich, sagt Gastel. Die langen Regionallinien zwischen Tübingen und Osterburken haben derzeit nur wenige Minuten Wendezeit in Tübingen, so der Bahnexperte. »Wir sind mit zu viel Verkehr auf zu wenig Infrastruktur unterwegs«, begründet Strähle, weshalb es auf der Strecke immer wieder zu Verspätungen kommt. Ob sich daran etwas ändert, wenn der neue Stuttgarter Hauptbahnhof in Betrieb geht, wird sich zeigen. Geplant ist, die Fahrzeit von Tübingen nach Stuttgart um zwei Minuten zu verkürzen. Um das zu ermöglichen, werden über die neue Steinlach-Eisenbahnbrücke vier Gleise gelegt. Das hat der Zweckverband mit der Bahn, die eigentlich die Brücke verkleinern wollte, erfolgreich ausgehandelt. (GEA)