TÜBNGEN-DERENDINGEN. Ein außergewöhnlicher Ort, um eine Preisverleihung vorzunehmen: Während die Festgäste auf der einen Seite vor dem Gasthaus Hirsch saßen und standen, spielte auf der anderen Straßenseite (wortwörtlich) die Musik: Der Musikverein Derendingen stellte sein Können unter Beweis und hatte laut Klaus Tappeser »einen wunderbaren Klangteppich ausgebreitet«. Hin und wieder wurde dieser Teppich jedoch von einem Gelenkbus überfahren – und trennte damit die Musik von den Festgästen.
Außergewöhnlich also. Genauso wie die Preisverleihung eines Arbeitskreises, der sich da nennt: »Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen e.V.«. Und dieser AK verleiht schon seit 2014 immer wieder Plaketten und Urkunden an ganz besondere Dorfgasthäuser.
Knapp 60 Bewerbungen
»Landgaststätten muss man ja heute mit der Lupe suchen«, hatte Regierungspräsident Tappeser betont. Dennoch hatten sich insgesamt knapp 60 Dorfgasthäuser um den Preis »Vorbildliches Dorfgasthaus« beworben, wie Tappeser ausführte. Vergeben wird dieser Preis vom Arbeitskreis »Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen« – und das schon seit 2014, wie Karlheinz Geppert als AK-Vorsitzender ausführte.
Mute es nicht seltsam an, dass in der Stadt Tübingen ein Dorfgasthaus ausgezeichnet werde? Mitnichten, meinte Geppert, schließlich seien in den vergangenen Jahren schon der Hirsch in Tübingen-Kilchberg und der Grüne Baum in Tübingen-Hagelloch Preisträger gewesen. Eines müsse dabei klar sein: Ausgezeichnet würden nicht etwa kleine Bierkneipen, Imbissbuden oder französische Bistros. Vielmehr gehe es dem Arbeitskreis darum, dass in den Dorfgasthäusern »das Gefühl von Heimat« gefördert werde.
Ein wichtiger Treffpunkt für das Zusammensein
»Das Gasthaus als Heimatort, in dem gutes Essen und gute Getränke im Alltag angeboten werden, aber auch bei Feiern von der Taufe bis zur Hochzeit und bis zur Beerdigung«, sagte Karlheinz Geppert. Gleichzeitig sei solch eine Dorfgaststätte ein wichtiger Treffpunkt, in dem nicht nur das Zusammensein gepflegt werde, sondern auch der Stammtisch seinen Platz finde.
Mit dem Preis »Vorbildliches Dorfgasthaus 2025« wurde am Donnerstagabend also der Hirsch in Derendingen ausgezeichnet. »Ein Fest lebt von seinen Gästen«, hatte Anja Markert betont, die zusammen mit ihrem Mann Daniel das Derendinger Gasthaus führt. »Böse Zungen haben mir ja zugetragen, dass der Hirsch die zweite Kantine des Regierungspräsidiums ist«, sagte Tappeser als Regierungspräsident und Schirmherr der Aktion des AK.
Es sehe ja nicht gut aus »mit gemeinschaftsfördernden Einrichtungen«, vor allem in kleineren Gemeinden. Neben den Schulen, Tante-Emma-Läden und gar den Pfarrerinnen und Pfarrern seien auch immer weniger Dorfgasthöfe zu finden. »Aber der Mensch ist ein soziales Wesen, er braucht solche Orte der Begegnung«, hatte Klaus Tappeser betont.
Wie gut also, dass es den Hirsch in Derendingen wie auch den Adler in Buttenhausen gebe. Denn beide Landgasthäuser seien genau solche Orte, an denen sich Jung und Alt treffen. Der Adler wird von Daniela und Reinhard Mayer geführt und bringe noch eine Besonderheit mit sich: Er hat nur an drei Wochentagen – Donnerstag, Freitag und Sonntag jeweils ab 18 Uhr – geöffnet.
Bei der Preisverleihungsfeier ließen es sich die Gäste gut gehen. Sie freuten sich über den Musikvereins-Klangteppich, lauschten den Reden, haben Speisen und Getränke genossen und sich bestens mit den Tischnachbarn unterhalten. Und wenn es Zeit wurde zum Heimgehen – der Bus fuhr ja direkt am Gasthaus vorbei. (GEA)

