TÜBINGEN. Was als Routineeinsatz begann, endete vor 20 Jahren in einer Tragödie. Bei Löscharbeiten in Tübingen verunfallte damals ein eingesetzter Trupp im Innenangriff, die Feuerwehrleute Andreas Mang, erst 24 Jahre alt, sowie der 35-jährige Kurt Schwägerle können schließlich nur noch tot geborgen werden. Das Unglück erschütterte die Feuerwehr und die Stadtgesellschaft, es kam zu einer anonymen Anzeige, erst sieben Monate später konnte die »Unfallkommission Tübingen« des baden-württembergischen Innenministeriums mit ihrem Unfallbericht eine gewisse Klarheit bringen: Eine Verkettung unglücklicher Umstände hatte zum Tod der beiden Feuerwehrleute geführt.
Am 17. Dezember 2005 um 2.55 Uhr rissen die Funkmeldeempfänger die Angehörigen der Tübinger Feuerwehr aus dem Schlaf. In der Reutlinger Straße 34/1 war von einer Polizeistreife ein Brand bemerkt worden. Das Gebäude barg einige Risiken in sich: Das rund 100 Jahre alte Fachwerkhaus, einstmals ein Lager, war mehrfach umgebaut und umgenutzt worden. In die ehemalige Spedition seien »dutzende Künstlerateliers« eingezogen, berichtete der GEA damals. Es waren bauliche Veränderungen, die stabil wirkten, in Wahrheit aber reine Provisorien waren. Und kaum feuerbeständig. Zugleich konnte niemand ausschließen, dass in tiefster Nacht nicht doch noch Menschen im Gebäude waren.
Rückzugsweg abgeschnitten
Über eine Drehleiter und im Außenangriff vom Boden aus wird das Feuer gelöscht. Als der Brand unter Kontrolle scheint, werden Schwägerle und Mang, ausgerüstet mit Atemschutzgeräten, im Innenangriff eingesetzt. Ihre Aufgabe: die Lage im Gebäudeinneren erkunden und nach Personen suchen. Der Trupp kämpft sich durch den Rauch bis ins Dachgeschoss vor und bemerkt dabei nicht, dass der Brand im ersten Stock noch lodert. Dann frisst sich das Feuer durch die Wand ins Treppenhaus, beschädigt auch den mit Druckluftschaum gefüllten Schlauch, den der Trupp zur Eigensicherung mitgeführt hat.
Schwägerle und Mang sind nun von den Flammen eingeschlossen - und können nicht löschen. Sie setzen einen Notruf ab. Bis weitere Trupps sich den Weg zu ihnen freikämpfen, kommt für die beiden Feuerwehrmänner aber jede Hilfe zu spät. Ihre Pressluftflaschen sind leer, ohne die Luft können sie im toxischen Brandrauch nicht überleben.
Die Anteilnahme ist riesig. Ministerpräsident Günther Oettinger besucht die Unglücksstelle, an einer Trauerfeier in der Stiftskirche mit Innenminister Heribert Rech und Oberbürgermeisterin Brigitte Russ-Scherer nehmen mehr als 2.000 Menschen teil. Zehn Jahre später werden zwei Tübinger Straßen nach Kurt Schwägerle und Andreas Mang benannt. (GEA)

