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Vom Zirkuskind zur Chefin beim Tübinger Showpalast

Die Gomaringerin Melanie Sperlich kennt alles, was mit Zirkus und der Gestaltung von Events zu tun hat. Mit vier Jahren ist sie erstmals aufgetreten.

Melanie Sperlich vom Zirkus Relaxx, Programmchefin beim Showpalast. Die Gomaringerin weiß, worauf es bei Zirkus und Varieté anko
Melanie Sperlich vom Zirkus Relaxx, Programmchefin beim Showpalast. Die Gomaringerin weiß, worauf es bei Zirkus und Varieté ankommt. Foto: PR
Melanie Sperlich vom Zirkus Relaxx, Programmchefin beim Showpalast. Die Gomaringerin weiß, worauf es bei Zirkus und Varieté ankommt.
Foto: PR

TÜBINGEN/GOMARINGEN. Ein hohes Zelt, Sägespäne in der Manege, begeisterte Zuschauer. Artisten zeigen spektakuläre Nummern, Clowns bringen die Leute zum Lachen. Melanie Sperlich kennt das, seit sie laufen und sprechen kann. Die 23-Jährige ist ein echtes Zirkuskind. »Ich find es schön, dass ich da hinein geboren wurde«, sagt die Gomaringerin - auch wenn der Circus Relaxx nicht mehr wie früher von Stadt zu Stadt zieht und praktisch jede Woche an einem anderen Ort sein Zelt aufschlägt wie in den vier Generationen zuvor.

Als Geburtsort steht in Melanies Pass Künzelsau. Mutter Andrea machte damals vier Tage Pause im dortigen Krankenhaus und stand danach sofort wieder in der Manege - mehr Zeit zur Erholung wollte sie sich nicht gönnen. Schließlich war sie Moderatorin und auch als Akrobatin fester Bestandteil des Programms. Das bedeutete in ihrem Fall »Hohe Schule« mit Pferd - das ist Dressurreiten im höchsten Schwierigkeitsgrad - außerdem Nummern im Kopfstand, auf dem Hochseil und als Assistentin ihres Mannes Michael beim Feuerspucken. Ein kleiner Familienzirkus ist darauf angewiesen, dass möglichst alle immer mit anpacken.

Anders als zum Beispiel ihre älteren Brüder Dennis und Peter und Schwester Laura musste Melanie nicht mehr ständig die Schule wechseln. Sie hatte drei feste Konstanten: die Schlossschule in Gomaringen, die Schule im Sand in Bietigheim-Bissingen und ab der fünften Klasse die Friedrich-Hoffmann-Schule in Betzingen. »Ich bin gerne zur Schule gegangen«, sagt die Gomaringerin und hat viele lebhafte Erinnerungen. Als Lieblingsfächer nennt sie Kunst und vor allem Sport - kein Wunder bei einem Mädchen, das Körperbeherrschung jeden Tag trainiert.

»Ich bin gerne zur Schule gegangen. Mein Lieblingsfach war Sport.«

Auch Englisch hat ihr viel Spaß gemacht, und auch da hat der Zirkus eine Rolle gespielt. »Wenn ich zum Beispiel mit den Kindern der Artisten beim Reutlinger Weihnachtszirkus zusammen war, haben wir uns auf Englisch verständigt.« Echte Freundschaften zu knüpfen hingegen ist schwierig, wenn man einen Teil des Schuljahres woanders verbringt. Überhaupt ist der Wechsel der Schule nicht einfach gewesen, weil man in den Klassen mit dem Lernstoff unterschiedlich weit war.

Die Zirkuswelt hat Melanie spielerisch entdeckt. »Die Requisiten waren ja alle da.« Also konnte sie einfach ausprobieren, was ihr lag. Drei oder vier Jahre alt muss sie gewesen sein, als sie zum ersten Mal vor Publikum Kunststücke zeigte. Mit acht Jahren durfte man sie auch als Moderatorin erleben, als Clownin im Zirkus ihres Opas, dem Zirkus Bonanza.

Einfach bärig:  Melanie Sperlich vom Zirkus Relaxx war von klein auf vertraut mit der Bühne.
Einfach bärig: Melanie Sperlich vom Zirkus Relaxx war von klein auf vertraut mit der Bühne. Foto: Privat
Einfach bärig: Melanie Sperlich vom Zirkus Relaxx war von klein auf vertraut mit der Bühne.
Foto: Privat

Mit den Hula-Hoop-Reifen hat sich Melanie früh angefreundet. »Da muss man sehr gelenkig sein«, sagt die Artistin. Gute Koordination ist ebenfalls wichtig - und Kraft, wenn man wie sie bis zu 40 Reifen gleichzeitig wirbeln lässt. Durch Tante Romina Casselly kam sie außerdem aufs Drahtseil, wobei man sich beim Üben nicht in schwindelerregende Höhen begibt, sondern seine Kunststücke nur 50 Zentimeter über dem Boden ausführt. Mit Bruder Dennis zusammen hat sie als »Tomate und Peppina« die Menschen zum Lachen gebracht.

»Show-Erfahrung hilft beim Zusammenstellen des Programms.«

Wer jahrelang selber aufgetreten ist, kennt sich aus mit den Anforderungen, aber auch damit, was beim Publikum ankommt. "Show-Erfahrung hilft beim Zusammenstellen des Programms", sagt Melanie Sperlich. Intuitiv checkt sie jede Nummer: Worauf kommt es an? Was wirkt besonders aufs Publikum? Es müssen nicht immer die Höchstschwierigkeiten sein", weiß sie. Und sie gesteht, dass sie bei aller kritischen Beobachtung manchmal auch einfach begeistert verfolgt, was die Kolleginnen und Kollegen so machen.

Bei der Auswahl für den Showpalast in Tübingen spielt Vielseitigkeit eine große Rolle. Das Programm soll von Nervenkitzel bis zur spielerischen Anmut alles beinhalten. »Und es muss nicht unbedingt das Typische sein«, sagt die Programm-Chefin. Die Besucher müssen sich darauf verlassen können, dass beides hochklassig ist, die Show und das Menü.

»Es muss nicht unbedingt das Typische sein.«

Melanie Sperlich hat wieder eine Kombination ganz unterschiedlicher Darsteller gefunden. Wenn die Künstler erst in Monte Carlo auftreten und kurz danach in Tübingen, ist sowieso klar, dass es sich um Top-Leute handelt. Die Attraktionen sind im Einzelnen auf der Webseite aufgeführt. Und da fällt gleich auf, dass eine Gruppe genau in Melanies Spezial-Disziplin passt: Mongoljingoo ist eine Künstlergruppe aus der Mongolei, die traditionelle mongolische Kultur mit modernen Einflüssen verbindet. Und beim Hula-Hoop sind sie absolute Meister. (GEA)