MÖSSINGEN. Sein 90. Geburtstagsjahr wurde im Mössinger Stadtgebiet in den verschiedenen Facetten seines vielschichtigen Schaffens gefeiert – als Maler, Grafiker und Bildhauer. Die Karriere des weit bekannten Belsener Künstler Andreas Felger begann im Alter von 15 Jahren als Musterzeichner-Lehrling der Stoffdruckerei Pausa, zu deren eifrigstem Kunstschaffenden er wurde. Nun, am absehbaren Ende seiner langen Schaffensphase, war es ihm ein Anlegen, ein besonderes Kunstwerk im öffentlichen Raum aufstellen zu dürfen.
Um das »Wirken des renommierten und sehr heimatverbundenen Künstlers angemessen zu würdigen«, hatte der Gemeinderat bei ihm eine Skulptur in Auftrag zu geben. Das sei »Ausdruck unserer Wertschätzung für sein Lebenswerk«, sagte Oberbürgermeister Michael Bulander bei einem kurzen Festakt vor zahlreichen Bürgern am Samstagnachmittag im Hof der Friedrich-List-Gemeinschaftsschule. »Sein Jubiläumsjahr war nicht nur eines der Begegnungen, sondern der Bereicherungen und eines, das uns daran erinnert hat, wie wertvoll Künstler sind, die uns mit kraftvollen und warmen Werken beglücken können.«
Den Platz im Schulzentrum hatte Felger bewusst ausgewählt: »Ein Ort, wo seine Kunst weiter inspirieren soll. Dort, wo junge Menschen lernen und kreativ sein dürfen.« Entsprechend anregend sind die sieben Stelen mit ihren bunten Aluminium-Köpfen ausgefallen: »Freudig, freundlich, farbenfroh – der Zukunft zugewandt.« Felger setze mit dem auf den treffenden Namen »Lebenslinien« getauften Stahlgebilde »viele prägende Lichtblicke der Hoffnung für die Menschen in der Stadt«.
Der OB würdigte Felger dafür, dass er »eine künstlerische Sprache entwickelt hat, die unverwechselbar ist, kraftvoll. Erleuchtend, voller geistiger Tiefe, und zugleich von einer großen menschlichen Wärme durchdrungen.«
Das Werk wurde nach Felgers Entwürfen vom Belsener Familienbetrieb Achim Steinhilber gefertigt. Bereits vor zwei Wochen war unweit seines Ateliers im Kurpark von Bad Sebastiansweiler ein platzprägendes Kunstwerk vom Landesbischof eingeweiht worden. Dort wie nun auch hier hat Felger christliche Symbolik einfließen lassen. Zur Interpretation gab er sich zurückhaltend: »Ich will Sie nicht damit beeinflussen, was meine Idee war. Jeder möge sich seine eigenen Gedanken dazu machen.« Dann ließ er sich aber doch entlocken, dass er in der Zahl sieben mit ihren vielen Bedeutungen die Ganzheit sieht: »Die Kombination der göttlichen Dreifaltigkeit mit den vier irdischen Elementen verbindet sich zur Vollkommenheit.«
So manche Kunstklasse der List-Schule von Rektor Udo Kranich wird also in Zukunft gefordert sein. Die Skulptur sei auf jeden Fall Schulhof-tauglich befand Ex-Sportlehrer Wolfgang Sigloch: »Hoch droben, stabil – und sehr schön.« Immerhin seien die Schüler am Freitag hochinteressiert beim Aufstellen dabei gewesen, sagte Rektor Timo Vo-Van von der benachbarten Steinlachschule. »Sie hatten auch schon weitere Ideen: einen Springbrunnen und Hängematten zwischen den Stelen«. (GEA)



