MÖSSINGEN. Zwar folgt rein ästhetisch gesehen die Form klar der Funktion, die zwei Snackautomaten, die zehn Schüler des Mössinger Firstwald-Gymnasiums im Zuge der Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA) geplant und gebaut haben, sind aber rundum gelungen. Nachdem bei der Abschlusspräsentation die verhüllenden Tücher von den weißen Automaten mit acht Wahltasten für das Produktsortiment gezogen wurden, konnte mit Münzen jede Menge Süßzeug abgegriffen werden. Und bis auf kleine Schwierigkeiten mit der richtigen Positionierung der Waren in den Transportspiralen, lief das Geschäft blendend an, hat wohl mit Blick auf die Nachfrage eine Zukunft, die so hell scheint, wie die Farbe der Außenhülle.
Bis diese Automaten so vollendet und funktionsfähig waren, war es ein weiter Weg. »Wir sind interessiert, was gleich auf uns zukommt«, leitete Rektor Helmut Dreher zur Präsentation über. In dieser gehen die Schüler im Wechsel als Referenten auf die einzelnen Schritte ein: Pläne erstellen, Metallbearbeitung, Steuerungstechnik. Mit Arbeit gefüllte Arbeitseinsätze bei der Firma Zeltwanger als Kooperationspartner. Mit im Boot auch die Reutlinger Hochschule. Eine Exkursion führte in die Technische Fakultät, wo es Infos zu Studienmöglichkeiten gab und ein tanzender Roboter zu bestaunen war. Auch die Firma Bosch öffnete in Reutlingen ihre Türen für die SIA-Teilnehmer.
Kern des Projekts »Snackautomaten« war aber deren Realisierung bei Zeltwanger. Hier halfen auch Azubis und Mitarbeiter der Firma mit ihrem Know-how mit, die Schüler profitierten in ihren Arbeitsphasen von der professionellen Vorbereitung. Als Stellvertreterin für die Firma kam Anja Gottschalk zur Abschlusspräsentation. Firmenchef Ulrich Zeltwanger war verhindert. »Wir sind immer auf der Suche nach Schulen und Schülern, die offen sind für solche Themen«, sagte Anja Gottschalk, zeigte sich begeistert vom Projekt. Die Schüler seien trotz der Arbeit an Freitagnachmittagen stets motiviert gewesen (»war echt toll«), hatten Spaß, zeigten viel Einsatz.
Learning by Doing in Reinkultur
Die zehn Teilnehmer, darunter zwei Schülerinnen, konnten bei dem Projekt ein Gespür für den Berufsalltag entwickeln, praktizierten »Learning by Doing« in Reinkultur. Jeder musste erst Wissen und Fertigkeiten erlangen, um einen Schritt umsetzen zu können. Neben den technischen Dingen gehörte auch die kaufmännische Kalkulation dazu, vorab gar ein Businessplan als »Fahrplan in die Selbstständigkeit«. Chancen und Risiken wurden professionell per SWOT-Analyse abgeklopft. Ein computergestützter Entwurf mit CAD am PC erstellt. Teamarbeit war immer eine Selbstverständlichkeit.
Was zählt, ist neben dem Erlernten nun das Ergebnis. Die Mitschüler dürften ihre Freude an den Automaten haben, die für Frischprodukte mit einer Kühlung nachgerüstet werden müssten. Gut gerüstet hat das Projekt die Teilnehmer fürs spätere Berufsleben. Da kann fast nur zu viel Junkfood ein Risiko der Snackautomaten sein. Gedacht wurde selbst an die Abdeckplatte unten überm Entnahmeschacht zur Langfinger-Vorsorge. (mwm)

