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Aktuell Peilscheibe

Vandalismus schon vor der Einweihung der neuen Peilscheibe in Gomaringen

Die neue Peilscheibe steht am Gomaringer Horn – und wurde noch vor der offiziellen Einweihung mit Graffiti verschmiert. Für den Albverein bedeutete dies unnötige Mehrarbeit vor dem Fest mit rund 100 Besuchern.

SAV-Vorstand Stephan Rilling (links) zeigt das Gomaringer Horn in der Mitte und freut sich mit Bürgermeister Steffen Heß über di
SAV-Vorstand Stephan Rilling (links) zeigt das Gomaringer Horn in der Mitte und freut sich mit Bürgermeister Steffen Heß über die neue Peilscheibe Foto: Andreas Straub
SAV-Vorstand Stephan Rilling (links) zeigt das Gomaringer Horn in der Mitte und freut sich mit Bürgermeister Steffen Heß über die neue Peilscheibe
Foto: Andreas Straub

GOMARINGEN. Die neue Peilscheibe steht am Gomaringer Horn, nun besser gegen Diebstahl geschützt. Von dort oben bietet sich nicht nur ein Blick übers Dorf, sondern bei klarer Sicht wie am Samstagabend auch weit in die Ferne. Gravuren zeigen, in welchen Richtungen Städte, Berge und markante Landschaftspunkte liegen und wie weit sie entfernt sind. Das hilft Wanderern, sich geografisch zu orientieren und das Panorama einzuordnen. Die Peilscheibe am Gomaringer Horn stellt auch das Umland als detailliertes Relief dar, das die Landschaft plastisch erkennen lässt.

Nachdem die Peilscheibe vor einem Jahr verschwand, kamen innerhalb von kurzer Zeit 10.000 Euro an Spenden zusammen, um eine neue zu finanzieren. Von den 100 Gästen, die zum Fest des Schwäbischen Albvereins (SAV) kamen, hatten sich viele daran beteiligt. Den Gomaringern liegt viel an der Peilscheibe und an diesem Platz mit zwei Sitzbänken und Feuerstelle.

Doch das gilt offenbar nicht für alle. Erst am Freitag aufgestellt, war die Peilscheibe bereits am Samstagmorgen mit Graffiti verschmiert. Eine Gruppe feiernder Abiturienten hatte den Edding gezückt und auch auf den Bänken Schriftzüge angebracht. Die leeren Alkoholflaschen blieben aufgereiht stehen. »Das war ein Schock für uns am Samstagmorgen und sehr ärgerlich«, sagte Stephan Rilling, Vorstand des SAV, der zusammen mit anderen Freiwilligen Bierbänke aufbauen wollte. Immerhin: Die Schmiererei auf der Metallplatte ließ sich gut entfernen. Etwas mühsamer sei es bei den Holzbänken gewesen. Und so war für die Spender und Gäste am Samstag vom Vandalismus nichts mehr zu sehen.

Hergestellt wurde das neue Relief von der Gomaringer Firma Pflug, den Stahlaufbau nahm die ebenfalls im Dorf ansässige Schlosserei Veit vor. »Die Schwierigkeit war, sie bei der Montage richtig auszurichten und zu befestigen«, sagte Rilling. Denn dabei nehme man es genau. »Das Interesse und die Wertschätzung für diesen Ort zeigt alleine die Zahl der vielen Landschaftsgenießer heute«, sagte Gomaringens Bürgermeister Steffen Heß. Für die Vandalen habe er kein Verständnis. »Und wer Getränkeflaschen hochträgt, kann sie auch wieder runtertragen.« Zusammen mit Rilling erinnerte er noch einmal an den Schock vor einem Jahr, als die alte Peilscheibe verschwand. »Das hat mich wie ein Schlag getroffen«, sagte Rilling.

Bis heute ist unklar, ob sich diese als eine Art »Trophäe« bei jemandem befand oder ob sie einfach abgerissen und weggeworfen wurde. Als Rilling sich zum Pressegespräch mit dem GEA am Horn treffen wollte, fiel der Verlust auf. Seither hat der Albverein alles daran gesetzt, das 25 Kilogramm schwere Bronzerelief mit dem detaillierten Landschaftsrelief aufzuspüren. Doch weder systematische Suchaktionen noch die vom Rathaus ausgelobte Belohnung in Höhe von 1.500 Euro führten damals zum Erfolg. Erst im Frühjahr wurde das vermisste Objekt unerwartet gefunden.

»Nur wenige Tage vor der Entdeckung ist die neue Peilscheibe fertiggestellt worden«

Schreinermeister Fred Ruggaber aus Gomaringen stieß beim Aufräumen eines Grundstücks im Februar auf einen grünlichen Schimmer im dichten Gestrüpp. Zunächst hielt er den Fund für eine weggeworfene Regentonne. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich um die Peilscheibe handelte. Aufgrund der kahlen Vegetation war der Fund im Winter möglich, während sie im Sommer inmitten von Brombeergestrüpp wohl unentdeckt geblieben wäre. Nach Einschätzung des Finders könnte die schwere Scheibe den Hang hinuntergerollt und dabei von ihrer ursprünglichen Bahn abgekommen sein. Am Fundort fand Ruggaber außerdem zahlreiche Haselnussschalen, was darauf hindeutet, dass Tiere den Hohlraum unter der Scheibe als Winterquartier genutzt haben.

»Nur wenige Tage vor der Entdeckung ist die neue Peilscheibe fertiggestellt worden«, sagte Rilling. Denn dass die alte wieder auftaucht, daran habe keiner mehr geglaubt. Am Samstag war die Sicht in die Ferne außergewöhnlich gut. Rund 20 Windräder ließen sich erkennen. »Ein paar können wir bald schon aus der Nähe sehen«, murrte eine Gomaringerin. Immerhin: Rote Würste und Getränke gab es am Samstag zum Fest für die Gäste kostenlos. »Bis unser Kühlwagen leer ist«, sagte Rilling.

Künftig wird Gomaringen also über zwei Peilscheiben verfügen. Die wiedergefundene soll bei der Linde in Gomaringen-Stockach aufgestellt werden. »Zwei sind dann genug, Hinterweiler braucht nicht auch noch eine«, scherzte Heß. Die alte Scheibe wurde zuletzt im Filstal restauriert, da die Edelstahlplatte stark zerkratzt war. Und eigentlich müsse sie längst zurück sein. »Es gibt gerade Schwierigkeiten mit der Post und die Peilscheibe wird in ganz Deutschland umher transportiert«, sagte Rilling. Ob das verschollene Stück erneut verschwindet? Die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass sie bis zum Streuobst-Genusstag am 31. August ankommt. Dann sollen auch die Stockacher in alle Richtungen gucken und sich orientieren können. (GEA)