TÜBINGEN. Mit neun anderen Hochschulen und dem Verbund in Berlin bildet Tübingen einen illustren Kreis. Seit 2019 bekommt man jährlich zusätzliche Millionen und darf sich bis 2026 als Exzellenz-Uni bezeichnen. Am 1. August lief die Frist für die erneute Bewerbung aus. Und Tübingen ist erneut in der Endrunde dabei. Die Anträge hat man bei den zuständigen Stellen eingereicht, ohne dies an die große Glocke zu hängen.
Wer erfolgreich sein will, muss nachweisen, dass er seine Ziele mit der bisherigen Förderung auch wie vorgesehen umgesetzt hat. Der entsprechende Bericht aus Tübingen liegt vor. Der Wissenschaftsrat wird nun externe Gutachter beauftragen, ihn zu prüfen und sich selbst ein Bild zu machen. Im Oktober kommen die Fachleute zu einer Begehung nach Tübingen und überzeugen sich an Ort und Stelle von den Fortschritten.
2027 ist auch das Jubiläumsjahr
»Research – Relecance – Responsibility: Open to New Challenges and a Global Scope of Action« hatten die Tübinger 2019 als Titel gewählt. Auf Englisch, denn in diesen Sphären der Wissenschaft ist dies die dominierende Sprache. Jetzt blickt man zurück, beschreibt, was für die Förderphase ab 2027 geplant ist und untermauert das Ganze mit entsprechenden Daten. Im zuständigen Dezernat heißt es, der Fokus werde verstärkt »in Richtung innovative Lehre, nachhaltige Entwicklung sowie gesellschaftliches Engagement und Transfer« gerichtet.
»Das bisherige Konzept hat sich im Großen und Ganzen bewährt, was sich an dem Erfolg der sechs Exzellenzcluster ablesen lässt«, betonen die Verantwortlichen. Aber wo nötig, will man Anpassungen und Neuausrichtungen vornehmen. Allen ist bewusst, dass der große Erfolg Ende Mai bei den Clustern keineswegs die Garantie dafür bietet, dass Tübingen den begehrten Titel auch nach 2026 weiter führen darf. Wobei ein Verlust ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2027 – also 550 Jahre nach der Gründung durch Eberhard im Bart – doppelt bitter wäre.
Jährlich 15 Millionen Euro
Rektorin Karla Pollmann vermeidet jede Prognose, betont aber: »Viele Menschen an der Universität Tübingen haben hart an dem Selbstbericht zur Evaluation gearbeitet beziehungsweise sind mit dieser Förderlinie der Exzellenzstrategie befasst. Sie und viele andere wissen um die Bedeutung dieses Titels. Ebenso wissen alle, dass dieses Prädikat hart erarbeitet werden muss und dass wir bestens vorbereitet in den Prozess starten wollen und werden.«
Viele Beteiligte – alles Entscheidende auf 40 Seiten
Die Beschäftigten im Dezernat II Forschung erledigen das Gros der formalen Arbeit in enger Abstimmung mit dem Rektorat und der Verwaltung. Zusätzlich gibt es ein Gremium von internationalen Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, die beratend tätig sind. In den Selbstbericht flossen Impulse aus der gesamten Universitäts-Community ein. Über 70 Personen (sowohl interne Fachleute als auch externe Beraterinnen und Berater) wurden direkt um Rückmeldung zum Entwurf gebeten. Weitere waren in Form von Beratungsgesprächen über interne und externe Gremien involviert.
»Das Rektorat hat, unterstützt vom Dezernat Forschung, alle diese Impulse und Blickwinkel in den englischsprachigen Bericht einfließen lassen«, heißt es. Entstanden ist kein dicker Stapel Papier mit vielen tausend Seiten. »Der Umfang des Berichts ist mit etwa 40 Seiten sehr begrenzt, so dass nur eine geringe Detailtiefe möglich ist und stattdessen auf einem hohen strategischen Niveau berichtet wird«, teilt die Uni-Verwaltung mit. (-jk)
Immerhin geht es neben dem Prestige auch um viel Geld. Der Gesamtetat der Uni Tübingen (mit Medizinischer Fakultät) im Jahr 2024 betrug 789,8 Millionen Euro, in dieser Summe stammten knapp 12,4 Millionen aus der Förderlinie Exzellenzuniversität (nicht zu verwechseln mit den Exzellenzclustern). Für die kommende Förderphase beantragt Tübingen jährlich knapp 15 Millionen Euro. (GEA)

