TÜBINGEN. Man nehme: sportlichen Nachwuchs aus der Region, Klasse-Artisten und Künstler aus nah und fern und herausragende internationale Größen. Man bringe das Ganze in eine stimmige Reihenfolge und schicke die Truppe auf Tour durch ein Dutzend Städte - fertig ist der Mix für die Turngala des Schwäbischen Turnerbunds. Klingt ganz einfach und funktioniert prächtig - wenn man davon etwas versteht und ein gutes Händchen hat wie die Veranstalter. In der Tübinger Paul-Horn-Arena durften sich die Besucher am Montagabend erneut davon überzeugen.
Wichtig ist den Organisatoren stets die Verknüpfung von sportlichen Höchstleistungen und dem Nachwuchs in den Vereinen. Diesmal starteten die Kinder des SV Neustetten und die Jugendlichen der TSG Tübingen. Da wird deutlich, wie die Basis geschaffen wird und über verschiedene Schwierigkeitsgrade ansprechende Präsentationen gelingen - spielerisch, tänzerisch und in der Rhythmischen Sportgymnastik mit beachtlichem Können.
Inspiration für jeden?
Anette Rösch als Vorsitzende des Turngaus Achalm empfiehlt dies durchaus zur Nachahmung. Nicht eins zu eins, das wäre eindeutig zu viel verlangt. Aber bei den Vorsätzen zum neuen Jahr denkt mancher an mehr Bewegung und Förderung der Gesundheit. Rösch ist überzeugt: Bei den Angeboten der Vereine ist für jede Generation das Passende dabei, und unterschiedliche Fitnessgrade werden auch berücksichtigt.
Toni Bauhofer ist dann der Erste, der in der Horn-Arena zeigen darf, wie man auf Top-Niveau brilliert. Beim Jonglieren mit bunten Leuchtkugeln erzielt er ungewohnte Effekte. Mit dem Diabolo tritt er nach der Pause eine zweites Mal vors Publikum und erntet freudigen Applaus. Bei den Akrobaten der Gruppe Hot Mess aus dem Ostalbkreis liegt die Betonung dann stärker auf der Show - mit anspruchsvollen Hebe- und Schleuderfiguren, Menschen-Pyramiden und spektakulärem Handstand. Viktoria Steinfeld vom TSV Schmiden, führt im Anschluss bei ihrer Kür mit Band vor, wieso sie in der Rhythmischen Sportgymnastik zu den Medaillen-Anwärterinnen zählt. Und das Cyr Trio in seinen Tierkostümen bringt eine humorvolle Note ins Spiel und lässt große, leuchtende Reifen tanzen.
Über die Grenzen hinaus
Im vorigen Jahr sang Nadine Stockmann ihre »Colours of Light«-Hymne. Diesmal sorgt Dustin Waree für eine musikalische Überraschung, allerdings mit Disco- und Techno-Feeling und vielen Sound-Effekten. Waree gibt den Pausenclown, Moderator und Entertainer. Bei seiner Beatbox-Nummer ersetzt seine Stimme alle Instrumente. Bei »The Lion Sleeps Tonight« verwandelt er die Halle mithilfe des Publikums in ein wogendes Lichtermeer. Und nach der Pause lernt man den Vielseitigen als Artisten kennen. Seilspringen mit Einrad? Und gleichzeitig noch die Treppe hinaufhüpfen? Wer nicht geglaubt hätte, dass das geht, weiß seit Montag: Waree kann's.
»Beyond Limits« haben die Veranstalter in diesem Jahr als Titel des Programms gewählt. Durchaus treffend, wenn man die Nummern von Alina Hryshkova oder Ruslan Kalachevskyi anschaut. Die eine schwebt an ihrem Haarschopf durch die Halle und zeigt dabei sogar einen spektakulären Spagat, der andere zeigt Handstandfiguren und scheint dabei zwischendurch sogar in der Luft zu stehen. Künstler wie diese beiden oder das »Duo I & M« mit seiner Strapaten-Show gehen tatsächlich an die Grenzen dessen, was man für möglich hält - und teilweise darüber hinaus.
Gleich zweimal gibt's Trampolin-Acts. Eher klassisch beim Trampolin-Trio, das am Olympia-Stützpunkt Stuttgart trainiert und erstaunliche Sprünge, Saltos und Schrauben draufhat. Sehr ungewöhnlich bei den Catwall Acrobats, die an diesem Abend zu den Publikums-Lieblingen zählen. Die drei bewegen sich mit viel Schwung zwischen dem Sportgerät und einer gut fünf Meter hohen Wand mit drei »Fenstern«. Das führt zu allerlei komischen Momenten und wird mit besonders viel Applaus bedacht.
Besonders schöne Choreographie
Mit besonders schöner Choreographie beeindrucken das Team der Rhythmischen Sportgymnastik und die Aerobic-Nationalmannschaft. Die einen präsentieren mit Keulen, Ball, Band und Reifen so ziemlich das komplette Repertoire ihrer Sportart, die andern überraschen, indem sie Elemente aus Sportakrobatik und Breakdance einbauen.
Einige Langzeit-Beobachter meinen zwar, sie hätten schon Turngala-Programme gesehen, die sie noch mehr beeindruckt hätten. Aber an der Qualität und dem Abwechslungsreichtum gibt's definitiv nichts auszusetzen. Die Veranstaltung des Schwäbischen Turnerbunds hat viele treue Fans. Anette Rösch hatte zu Beginn ins Rund gefragt, wer schon zehnmal oder öfter Gast bei der Turngala war. Und da reckten sich jede Menge Hände in die Höhe. Alte und neue Fans dürfen sich schon jetzt auf den Jahreswechsel 2026/2027 freuen. (GEA)



