Alles ist selbst gemacht
Die Akkordeon-Musik, die aus versteckten Lautsprechern tönt, die Becher mit den schwarz-goldenen Verzierungen, aus denen man trinkt: Alles ist selbst gemacht. »Das hier ist ein einzigartiger Kulturschatz«, sagt Linda Li. Sie selbst passt perfekt in die Welt hinein mit ihrem Kleid und Schmuck von Herbert Rösler. Seit 1971 ist die 62-Jährige bei der Gruppe 91.Mit ihr gehören heute noch Werner Witte, Dina Linicke, Lucki Bazlen und Klaus König zur Gruppe. Von den ehemals acht Mitgliedern sind noch fünf da: Menschen in weißen Kostümen, die die Liebe predigen und aus der Bibel zitieren. Seit 40 Jahren leben sie zusammen und drängen sich um Herbert Rösler und seine Kunst.
Die Gruppe wurde im Jahr 1968 im Kölner Stadtteil Ostheim, der damals die Kennziffer 91 trug, gegründet. Nach Tübingen kam sie, als Rösler wegen eines schweren Autounfalls in den 80er-Jahren in der Uniklinik behandelt wurde. Seit Röslers Tod im Jahr 2006 kümmert sich die Gruppe um seinen Nachlass.
Das gestaltet sich immer schwieriger, aus Gründen, die so gar nicht zur Traumwelt passen: Das Gebäude konnte in diesem Jahr noch nicht für Führungen öffnen, da das Baurechtsamt den Brandschutz in der Halle nicht gewährleistet sieht. Weiterhin müsste der G91-Bau weichen, wenn die Stadt ihre Pläne für den Bau des Schindhautunnels an der B 27 weiter verfolgt.
»Unser Leben, unsere Liebe unsere Energie hat sich in Materie verwandelt. Es würde mir wehtun, wenn das hier alles platt gewalzt würde«, sagt Linda Li. »Noch tragen wir uns selbst, aber wir werden älter.«
Versuche, Röslers Werke zu verkaufen, seien bisher gescheitert, so Werner Witte. »Wir brauchen Sponsoren und einen sicheren Platz« fügt Linda Li hinzu. Auf die Frage, wie realistisch das sei, sagt sie zuversichtlich: »Diese Kunst hat eine Seele. Ich weiß, es gibt Menschen, die das sehen.« (GEA)

