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Aktuell Wettbewerb

Tübingerin will Miss Germany werden

Sarah Göhler-Töpfer aus Tübingen ist Lobbyistin, Mutter und nun auch Kandidatin beim Wettbewerb »Miss Germany«. Sie setzt sich für soziale Gerechtigkeit, mentale Gesundheit und Frauenförderung ein – und will zeigen, dass Schönheit, Empathie und politisches Engagement keine Gegensätze sind.

Sarah Göhler-Töpfer möchte Vorbild für junge Frauen sein.
Sarah Göhler-Töpfer möchte Vorbild für junge Frauen sein. Foto: Roswitha Daniel
Sarah Göhler-Töpfer möchte Vorbild für junge Frauen sein.
Foto: Roswitha Daniel

TÜBINGEN. »Ich habe mich einen Tag vor Bewerbungsschluss mit Baby auf dem Arm beworben«, sagt Sarah Göhler-Töpfer, und bezieht sich damit auf den Wettbewerb von »Miss Germany«. Die Mutter von zwei kleinen Mädchen im Alter von eins und drei Jahren wohnt in Tübingen und kann ihre Begeisterung nicht verstecken, wenn sie über ihre Teilnahme spricht. Sie ist eine von 90 Kandidatinnen, die es in die engere Auswahl geschafft haben. Insgesamt gab es rund 2.500 Bewerberinnen.

Ende August ist sie extra nach Düsseldorf gereist, um beim ersten TV-Dreh dabei zu sein. »Dort haben wir uns alle vorgestellt und von unserer Mission erzählt«, berichtet sie. »Es hat echt Spaß gemacht, die anderen Kandidatinnen kennenzulernen. Die Frauenpower war deutlich zu spüren«, so die 35-Jährige. Manche Frauen seien aufgeregt gewesen, sie nicht. »Ich habe dann Atemübungen mit ihnen gemacht, damit sie runterkommen«, sagt sie und erzählt nebenbei, dass sie eine Meditationsausbildung absolviert hat. Beim Dreh seien auch die Jury-Mitglieder Magdalena Rogl, Markus John Henry Brown, Lucy Larbi und Jil Andert dabei gewesen.

Was sich hinter »Miss Germany« verbirgt

»Miss Germany« ist ein Wettbewerb für Frauen in Deutschland. Von 1927 bis 2019 wurde er als Schönheitswettbewerb ausgetragen. Seit 2020 ist er eine »Auszeichnung für Frauen, die Verantwortung übernehmen«. Heutzutage liegt der Fokus auf inneren Werten und Vielfalt. Bewerben kann sich jede Frau über 18 Jahre, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt oder ihren 1. Wohnsitz in Deutschland hat. Alter, Größe, Konfektion und Glaube spielen bei der Teilnahme keine Rolle. (ifi)

Für Göhler-Töpfer ist es besonders wichtig, »ein gutes Vorbild für junge Frauen zu sein und für sozial schwache Menschen einzustehen«, betont sie. Gerade weil sie sie aus einfachen Verhältnissen kommt - »meine Mutter war alleinerziehend. Für mein Studium musste ich einen hohen Kredit aufnehmen« - möchte sie sich für diejenigen einsetzen, »die keine Stimme haben«. Den Wunsch, anderen zu helfen, äußert sie jedoch nicht nur anlässlich des Miss-Germany-Wettbewerbs, auch in ihrem Beruf macht sie sich darüber Gedanken, wie sie sozial Benachteiligten helfen kann.

Sie arbeitet in der Automobilbranche beim Auto Club Europa, kurz ACE, als Lobbyistin und leitet die Rechts- Verbraucherschutzabteilung. Ihre Aufgabe ist es, sich an politischen Prozessen und Netzwerken auf Bundes- und Länderebene zu beteiligen, um die Mobilität der Zukunft verbraucherfreundlicher zu gestalten. Sie suche aber auch nach Lösungen für Menschen mit Mobilitätsproblemen, die sich kein Auto leisten können und abgegrenzt seien. »Ich kann bei den Richtlinien und Regelungen mitmischen, damit es den Bürgern besser geht. Da schaue ich genauer hin und überlege mir, wie man für Leute, die sich nicht leisten können, in der Innenstadt zu wohnen, Mobilitätslösungen schaffen kann, um sie besser in die Gesellschaft einzubeziehen.« Politik hat in ihrem Leben schon immer eine große Rolle gespielt, erzählt sie. »In meiner Jugend war Willy Brandt mein Vorbild.« Woran sie sich gerne erinnert, ist ein Praktikum beim Auswärtigen Amt in der US-Hauptstadt Washington, DC.

Was Göhler-Töpfer noch sehr am Herzen liegt, ist mentale Gesundheit. Vielleicht schenkt sie dem Thema Selbstentwicklung auch mehr Aufmerksamkeit, weil sie bereits mit 18 einen Burnout hatte. In ihrer Branche seien solche Probleme tabu und für manche ein Zeichen von Schwäche, bedauert sie. Empathie werde nicht großgeschrieben. Dabei weiß sie: »Wenn es einem Arbeitsteam mental gut geht, sind die Ergebnisse besser.« Als junge Frau in hohen Positionen innerhalb männerdominierter Branchen hat sie die Erfahrung gemacht, nicht immer sofort ernst genommen zu werden. Sie betont jedoch, dass das für sie nie ein Hindernis war – im Gegenteil: Sie habe gelernt, mit Fachwissen, Klarheit und Empathie zu überzeugen.

So stempelten viele ihren Ansatz für empathische Führung und Vereinbarkeit von Job und Familie als »naiv« und »abseits der Realität« ab. Doch davon lasse sie sich nicht unterkriegen. Ihr Motto lautet: »Seid mutig, glaubt an euch, macht euer Ding.« Noch weiß die Tübingerin nicht, ob sie in die nächste Runde gekommen ist. Sicher ist aber: »Es war eine tolle Erfahrung, ich habe viele nette Menschen kennengelernt.« (GEA)