TÜBINGEN. Vor 20 Jahren gründete sich der Verein »Uhuru« – dies feierten die Gründer, Ehemaligen und aktive Mitglieder im Gemeindehaus Lamm. Von 11 Uhr morgens bis in den späten Abend trafen sich Menschen von Schweden bis Süddeutschland, um dieses Jubiläum zu zelebrieren.
So laut und fröhlich, wie heuer gefeiert wurde, mit Clown und Trommelmusik, Grußworten der Tübinger Bürgermeisterin für Soziales, Gudrun Schäfer-Vogel und einer Live-Schalte nach Kenia, begann der Verein jedoch nicht, wie Mitgründer Jonas Puhm erzählt: »Am Ende unseres Praktikums in Kenia im März 2005 saßen wir vor Davies kleiner Hütte und überlegten: Das kann es jetzt doch nicht gewesen sein. Wir können Davies mit dieser riesigen Aufgabe doch nicht alleine lassen.« Die drei Studenten der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), Jonas Puhm, Adrian Struch und Nicolas Berger, ermuntert durch Professor Walther Specht, hatten ein drei-monatiges Praktikum als Streetworker beim »Uhuru Community Development Project« (UCDP) im kenianischen Kisumu absolviert.
Mit jugendlichem Elan
Bei einem internationalen Symposium zur Mobilen Jugendarbeit (MJA) in Limuru (Kenia) im Jahr 2003 lernten sich UCDP-Gründer Davies Okombo und der »Vater der Mobilen Jugendarbeit« Walther Specht kennen. Der Honorarprofessor an der Uni Tübingen interessierte sich sehr für das Projekt des Sozialarbeiters Davies Okombo, den er bei der Umsetzung des ersten afrikanischen MJA-Modellprojektes begleitete, für das 2014 »Brot für die Welt« als Partner gewonnen werden konnte. Okombo ist mit UCDP seit 2002 auf den Straßen Kisumus unterwegs, um benachteiligten Kindern zu helfen. Die drei Studenten erkannten, was ein Mann allein vor Ort leistete, und dass diese Hilfe für Straßenkinder unmöglich ohne weitere finanzielle Hilfe zu stemmen ist.
Mit jugendlichem Elan gründeten sie am Morgen des 2. November 2005 den Verein »Uhuru für Kinder ohne Hoffnung.«. Acht Personen waren es, die sich eine Satzung gaben und das zarte Pflänzchen Uhuru hegten und pflegten, sodass dieses mittlerweile ein stattlicher Baum mit Wurzeln und zahlreichen starken Ästen geworden ist und seit 2010 »Uhuru – gemeinsam für Kinder in Kenia« heißt. Puhm schrieb seine Diplomarbeit über Kenias Straßenkinder und adaptierte dort das Konzept von Walther Specht über die Mobile Jugendarbeit. Es folgten vier Aufenthalte in Kenia, um die Diplomarbeit mit Erfahrungen zu unterfüttern und die aufsuchende Mobile Jungendarbeit zu einem erfolgreichen Konzept in Kisumu zu etablieren.
Anfangs konnten nur einige Dutzend Kinder mit ihren Familien vom kleinen Studi-Verein profitieren, dann wurden es einige Hundert. Mittlerweile besuchten bereits 1872 Kinder den Uhuru-Kindergarten – die Vorraussetzung um in Kenia eine Grundschule besuchen zu können – und 115 Studenten beendeten mithilfe eines Uhuru-Stipendiums die High School. Beim Jubiläumsfest las man von erfolgreichen Lebensgeschichten ehemaliger Straßenkinder, die jetzt Beamte, Tankstellenbetreiber, Biolehrerinnen oder sogar Ärztinnen geworden sind.
336 Frauen erhielten bis dato eine Schneiderlehre und auf den Straßen von Kisumu kamen Tausende von Straßenkindern mit der aufsuchenden Sozialarbeit in Berührung. Okombo ist mittlerweile in zahlreichen internationalen Gremien, unter anderem auch bei Veranstaltungen der G7 und engagiert sich jährlich bei den G20 Gipfeln für die Rechte von Frauen und Kindern in Afrika. In 20 Jahren hat der Verein über 1,9 Millionen an Spenden gesammelt und beim Jubiläumsfest übernahm die Tübinger Bürgermeisterin für Soziales ebenfalls eine Bildungspatenschaft und rief auf, es ihr gleich zu tun: »Es ist wichtig, Bildungschancen zu ermöglichen!«
Tod des Vaters als Belastung
Manchmal braucht es einige wenige Menschen, die die Geschicke von Tausenden zum Besseren wenden. Davies Okombo ist so einer. Als jüngstes von zehn Kindern hat er allen Schwierigkeiten zum Trotz ein Hochschulstudium absolviert und habilitiert. In seiner Kindheit war es nicht nur der leere Magen, der ihn beim Lernen quälte. »Besonders habe ich unter dem Tod meines Vaters gelitten, der für den Lebensunterhalt gesorgt hatte. Oft ging ich hungrig ins Bett und lebte auch zeitweise auf der Straße«, erinnert sich der kenianische Sozialarbeiter. (GEA)

