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Tübinger Saxophon-Orchester spielte in Kirchentellinsfurt im Saal

Das Open-Air-Konzert auf dem Rathausplatz fiel den Wetterbedingungen zum Opfer. Die Veranstalter von »Kultur im Schloss« hatten im Vorfeld bereits auf die Richard-Wolf-Halle als Ausweichort gesetzt.

Das Tübinger Saxophon-Ensemble, dirigiert von Taras Demchyshyn, spielte in Kirchentellinsfurt, in der Richard-Wolf-Halle statt a
Das Tübinger Saxophon-Ensemble, dirigiert von Taras Demchyshyn, spielte in Kirchentellinsfurt, in der Richard-Wolf-Halle statt auf dem Rathausplatz. Foto: Foto: Michael Sturm
Das Tübinger Saxophon-Ensemble, dirigiert von Taras Demchyshyn, spielte in Kirchentellinsfurt, in der Richard-Wolf-Halle statt auf dem Rathausplatz.
Foto: Foto: Michael Sturm

KIRCHENTELLINSFURT. Anfangs, in den 1990ern, waren sie als »Saxtett« zu viert, hießen oder heirateten später einen mit Nachnamen Pfister: Die Gründer des Tübinger Saxophon-Orchesters, das 1997 aus der Taufe gehoben wurde. Sie hatten gemeinsam, von der international renommierten Tübinger Saxofonistin Carina Raschèr unterrichtet worden zu sein, deren Raschèr-Quartett von Freiburg aus nach wie vor, aber mittlerweile ohne sie, viele Konzerte spielt.

Die Gründer des Tübinger Saxophon-Orchesters spielen weiterhin mit, haben sich aber mittlerweile aus dem organisatorischen Part zurückgezogen, den sie der nächsten Generation unter Führung von Vorstand Tobias Fischer überlassen haben. Eine Generation, die nicht mehr direkt von Carina Raschèr lernte, jedoch die Art und Weise der Stimmführung weiter pflegt.

Auf tänzelnde Füße geschaut

In Kirchentellinsfurt hätte das Tübinger Saxophon-Orchester gerne draußen auf dem Rathausplatz gespielt. Doch auch drinnen, in der Richard-Wolf-Halle entfaltete das Ensemble Leichtigkeit, mit einem Programm, das dem Tanz frönte: In Rhythmus und Melodie umgesetzt schauten die Musiker Tänzern auf die Füße. Dies begann mit dem Largo – Molto Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts »Gran Partita«, deren anfangs zarte Melodie sich in einen fast schon derb-volkstümlich zu nennenden Tanz ausweitete. Diesem schloss das Tübinger Saxophon-Ensemble eigene Arrangements von drei Sätzen aus »Slawische Tänze« von Antonín Dvorak an.

Seine Variabilität und Wandlungsfähigkeit wies das Tübinger Saxophon-Orchester mit den nächsten sieben Stücken nach, die allesamt zum selben Werk gehören: Komponist Béla Bartók reiste vor Beginn des Ersten Weltkriegs nach Siebenbürgen und sammelte in den Dörfern Melodien, aus denen er »Rumänische Volkstänze« komponierte: Hier hörte das Publikum Schäferflöten und Violinen, Klangfarben, die dem Saxophon üblicherweise nicht zugeordnet werden.

Dirigent Taras Demchyshyn wählte ein Stück aus seiner ukrainischen Heimat

Nach der Pause spielten die Tübinger Musiker Auszüge aus der Oper »Carmen« von Georges Bizet. Selbst wer diese Oper noch nie gesehen hatte, bekam ein akustisches Bild davon, wie Carmen lasziv die Treppe heruntersteigt, von Don José in seiner militärischen Zackigkeit, oder vom Stierkämpfer Escandillo, der vom Wirtshaustisch herabsingt. Das Tänzelnde in Johann Sebastian Bachs »Toccata und Fuge in d-Moll« sind die im Original für die Orgel bestimmten Bassläufe mit den Füßen. Ein Parade-Stück für Stefan Pfister am Bass-Saxophon. Der zusammen mit Daniel Metzger am Schlagwerk das Fundament legte, über dem sich alle Stimmlagen, wie in einem Sinfonie-Orchester, ausbreiteten.

Das Schlussstück, Mykola Lyssenkos Walzer »La Separation«, spielte das Orchester auf besonderen Wunsch seines neuen Dirigenten Taras Demchyshyn. Der international gefeierte Solo-Klarinettist, der viele Jahre in Japan engagiert war, wollte etwas aus seiner Heimat, der Ukraine, spielen. Mit diesem Werk, dem Abschied und Hoffnung innewohnt, betonte Komponist Lyssenko bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dass die Ukraine sehr wohl eine eigenständige, von Russland unabhängige Kultur hatte. Das begeisterte Publikum bekam eine Zugabe: Johann Sebastian Bachs Choral »Bist Du bei mir«, der ebenfalls Trauer mit Hoffnung verbindet. In Tobias Fischers Worten: »Ein Stück, das für Frieden und Sicherheit betet.« (GEA)