Intensität der Illusion
Versuchspersonen im panoramischen Labor des MPI beobachteten mehrmals eine Szene, die sich, ähnlich wie in einem Karussell, um sie herum bewegte. Die experimentellen Bedingungen wurden dabei jeweils verändert. Während des 20-minütigen Versuchs maßen die Forscher das Ausmaß der Bewegungskrankheit, die Intensität der Bewegungsillusion und die Kopf- und Augenbewegungen der Probanden.Die Resultate zeigen deutlich, dass die Intensität der Bewegungsillusion unter all diesen Faktoren der wichtigste ist: je intensiver die Bewegungsillusion, desto übler wurde es den Versuchspersonen. Dies ist die erste Studie, die diesen Effekt so klar nachweist, da die Intensität der Bewegungsillusion jedes Mal variiert wurde, um die unterschiedlichen Auswirkungen bei der jeweils gleichen Versuchsperson miteinander vergleichen zu können.
Die Illusion einer Selbstbewegung und nicht eine bewegte Szene an sich, ist daher eine Grundvoraussetzung für die visuell induzierte Bewegungskrankheit. Zudem fanden die Forscher heraus, dass sie sogar durch Bewegungsillusionen mit konstanter Geschwindigkeit und nicht lediglich während Beschleunigungsprozessen ausgelöst werden kann.
Die neuen Erkenntnisse erfordern eine Überarbeitung der sogenannten sensorischen Konflikttheorie (eine der weitverbreitetsten Theorien zur Bewegungskrankheit), da sie ihr in den genannten Punkten widersprechen. Das Virtual Reality Team von Professor Heinrich Bülthoff und Suzanne Nooij testen derzeit die Möglichkeit, dass die Bewegungskrankheit weniger durch einen Konflikt zwischen den Sinnen verursacht wird, sondern vielmehr durch einen Konflikt zwischen dem, was wir als bewegt wahrnehmen (uns selbst) und dem Stationären (die Umgebung). (em)

