Einiges funktioniert nach dem Prinzip: Man sieht mehr Platz und hat das Gefühl, das sei tatsächlich so. »Die virtuelle Realität macht das Fliegen angenehmer«, sagt D’Cruz. Heinrich Bülthoff, Direktor des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik (MPI), verweist darauf, dass Test-Teilnehmer den Raum als größer wahrnehmen, wenn ihnen die virtuelle Welt suggeriert, sie selber seien kleiner.
Im Cyberneum des Tübinger MPI war am Donnerstag alles bereit für die Demonstration. Ein Flug-Simulator mit Roboterarm und Kapsel macht’s möglich. Der Testkandidat steigt hinein, schnallt sich an, setzt Kopfhörer auf und eine Art Brille.
Wie Schweben über Palmwipfeln
Als die Maschine startet, erklingt Meeresrauschen. Die Brille registriert jede Kopfbewegung und erlaubt freie Sicht auf ein idyllisches Eiland mit Lagune, Sandstrand und Palmen, über das der Passagier scheinbar hinwegschwebt. Blickt er an sich hinab, sieht er gut gebräunte Beine in Shorts und Turnschuhen. Er sitzt keineswegs beengt in einem Flugzeug, sondern lümmelt ganz allein auf einem fliegenden Teppich.Wer von draußen zuschaut, sieht moderate Bewegungen des Roboterarms und der Kapsel vor und zurück sowie minimal gekippt. Nichts Aufregendes. Der Passagier drinnen glaubt hingegen Kurven zu fliegen, über die Palmwipfel zu gleiten und will gerade ins Schwärmen geraten, als die Regie ihn durch Turbulenzen schickt und ihm ein wenig flau im Magen wird. Alles sehr realistisch.
Strandszenen am beliebtesten
Betty Mohler, Leiterin der Forschungsgruppe »Raum und Körperwahrnehmung«, weiß: Strandszenen stehen bei den meisten Leuten an erster Stelle, wenn sie nach Idylle und Entspannung gefragt werden. Gleich dahinter auf Platz zwei: Berg-Panoramen. Die Tübinger Forscher wollen nicht nur herausfinden, welche Vorstellungen das Fliegen angenehm machen, sondern auch, ob diese einen positiven Effekt gegen Reiseübelkeit bewirken – daher das Rütteln und die Turbulenzen.Das Fraunhofer Institut in Stuttgart ist die Sache etwas anders angegangen. Dort hat man eine Flugzeugkabine entwickelt, bei der die Außenhaut und der Innenraum virtuell transparent geschaltet werden können. Die Kabine besteht nahezu komplett aus Display–Flächen. Projektoren lassen Bilder an den Kabinenwänden erscheinen. Im Boden sind Flachbildfernseher verbaut, und auch die Rückenlehnen der Sitze bestehen aus Displayflächen.
Gläsernes Flugzeug?
»Hier ist nun nahezu jede Szene darstellbar«, sagt Matthias Bues. Vielleicht möchte man das Fliegen voll auskosten durch freie Sicht auf die Landschaft wie in einer gläsernen Kabine? Bei Höhen- oder Flugangst kann die Displayfläche beispielsweise einen Bachlauf im Wald abbilden. »Erste Untersuchungen zeigen bereits, dass Probanden eine unkomfortable Situation mit den beschriebenen Szenarien länger ertragen können und die Zeit scheinbar schneller vergeht.«Wann das alles Standard in Flugzeugkabinen sein wird? Die Wissenschaftler sind vorsichtig mit Prognosen. Markus Leyrer, der in Eningen lebt und am MPI seine Doktorarbeit macht, nennt das Jahr 2050 – aber so genau kann das niemand sagen. MPI-Direktor Bülthoff betont, dass die beteiligten Industrie-Unternehmen wie Airbus und Thales Alenia Space großes Interesse an der Realisierung zeigen.
Bülthoff selbst ist mit Zukunfts-Szenarien bestens vertraut. Im ebenfalls EU-geförderten Projekt Mycopter erforscht er, ob es fliegende Autos geben kann. Der Verkehr der Zukunft: ohne Straße, ohne Stau? (GEA)
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