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Tübingens neue Drehleiter ziert sich vor der Öffentlichkeit

Fast eine Million Euro investiert die Stadt Tübingen in eine neue Drehleiter für die Feuerwehr. Seit vier Wochen üben die Retter nun mit dem neuen Fahrzeug - das just bei der öffentlichen Präsentation versagt.

Feuerwehrkommandant Steffen Kratzel, Thomas Löhr, Leiter des Sachgebiets Zentrale Dienste bei der Feuerwehr und Bürgermeisterin
Feuerwehrkommandant Steffen Kratzel, Thomas Löhr, Leiter des Sachgebiets Zentrale Dienste bei der Feuerwehr und Bürgermeisterin Dr. Gundula Schäfer-Vogel bemühten sich, die Fassung zu wahren, während hinter ihnen die Drehleiter im Notbetrieb eingefahren wurde. Foto: Alexander Thomys
Feuerwehrkommandant Steffen Kratzel, Thomas Löhr, Leiter des Sachgebiets Zentrale Dienste bei der Feuerwehr und Bürgermeisterin Dr. Gundula Schäfer-Vogel bemühten sich, die Fassung zu wahren, während hinter ihnen die Drehleiter im Notbetrieb eingefahren wurde.
Foto: Alexander Thomys

TÜBINGEN. Die Feuerwehr Tübingen kann sich über eine neue Drehleiter freuen: Am Dienstagnachmittag übergab Bürgermeisterin Dr. Gundula Schäfer-Vogel vor dem Tübinger Rathaus den symbolischen Schlüssel an Feuerwehrkommandant Steffen Kratzel. 980.000 Euro habe die Stadt für das »Hochglanzfahrzeug« ausgegeben, so die Bürgermeisterin. Schäfer-Vogel zeigte sich erleichtert, dass die Anschaffung der neuen Drehleiter gestemmt werden konnte. »Angesichts unserer aktuellen Haushaltslage könnten wir das Fahrzeug heute wohl nicht mehr beschaffen.«

Feuerwehrkommandant Kratzel erinnerte daran, dass die Ersatzbeschaffung, die nach rund 30 Monaten Lieferzeit vor vier Wochen in Tübingen ankam, dringend notwendig gewesen sei. »Die neue Drehleiter ersetzt ein immerhin 28 Jahre altes Fahrzeug, dass wir nun in den wohlverdienten Ruhestand schicken können.« Um Menschen aus höheren Stockwerken retten zu können, sei die Drehleiter unabdingbar. »Meiner Meinung nach ist das eine sehr gute Investition in die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt«, betonte Kommandant Kratzel.

Zur offiziellen Übergabe war die Drehleiter repräsentativ vor dem Rathaus aufgebaut. Auch Angehörige der Jugendfeuerwehr schaute
Zur offiziellen Übergabe war die Drehleiter repräsentativ vor dem Rathaus aufgebaut. Auch Angehörige der Jugendfeuerwehr schauten sich das neue Fahrzeug an. Foto: Alexander Thomys
Zur offiziellen Übergabe war die Drehleiter repräsentativ vor dem Rathaus aufgebaut. Auch Angehörige der Jugendfeuerwehr schauten sich das neue Fahrzeug an.
Foto: Alexander Thomys

Die neue Drehleiter ist 16 Tonnen schwer und mit einer niedrigen Bauweise speziell für die Anforderungen der engen Tübinger Altstadtgassen ausgelegt. Durch eine zuschaltbare Hinterachsen-Zusatzlenkung erreicht die Drehleiter einen minimalen Wendekreis von nur elf Metern. Der fünfteilige Leiterpark und ein abknickbares Gelenk am letzten Stück vor dem Korb ermöglicht auch bei Lösch- und Rettungsarbeiten maximale Flexibilität, während der Korb bis zu vier Personen aufnehmen kann. Über einen Wasserwerfer kann mit bis zu 2.500 Litern in der Minute über die Drehleiter gelöscht werden, über eine anbaubare Tragenhalterung können auch Patienten aus oberen Stockwerken schonend gerettet werden.

Dinge, die im Prinzip auch die alte Drehleiter schon konnte. Neu ist hingegen jede Menge Elektronik. »Magirus war bemüht, dem Maschinisten die maximale Unterstützung zukommen zu lassen«, erklärte Thomas Löhr, Leiter des Sachgebiets Zentrale Dienste bei der Feuerwehr. Zwar fälle der Maschinist der Drehleiter weiterhin alle Entscheidungen, könnte sich dann aber per Knopfdruck von der Künstlichen Intelligenz der 320 PS starken Drehleiter helfen lassen. So hält die Drehleiter etwa automatisch einen gewählten Abstand zur Hausfassade ein, Kameras prüfen den Untergrund für die ausfahrbaren Stützen des Hubrettungsfahrzeugs.

Genutzt wird die Drehleiter durch die hauptamtlichen Kräfte sowie die Abteilung Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr.
Genutzt wird die Drehleiter durch die hauptamtlichen Kräfte sowie die Abteilung Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr. Foto: Alexander Thomys
Genutzt wird die Drehleiter durch die hauptamtlichen Kräfte sowie die Abteilung Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr.
Foto: Alexander Thomys

Ausgerechnet die Elektronik machte der Feuerwehr dann aber einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Geplant war nach der Schlüsselübergabe eine Schauübung mit der Rettung einer Person aus dem Rathaus. Doch schnell wurde klar: Es gibt Probleme mit der Elektronik. »Der allerbeste Computer kann nur arbeiten, wenn die Spannung hoch genug ist«, erklärte Löhr, während im Hintergrund einige der in weißen Hemden angetretenen Feuerwehrkameraden ein Notstromaggregat zur Drehleiter schleppten. Nach weiteren Minuten, die der Sachgebietsleiter nach Kräften mit Informationen zur Drehleiter füllte, war dann klar: Das Problem ist umfangreicher und kann nicht vor Ort behoben werden. »Vier Wochen lang lief im Übungsbetrieb alles rund. Heute stand die Leiter dann lange ausgefahren vor dem Rathaus - und zeigt nun eine Fehlermeldung nach der anderen«, gestand Löhr ein, ehe die Feuerwehrleute die Drehleiter im Notbetrieb und mit schiefem Korb zur Abfahrt bereitmachten.

Nichts geht mehr: Im analogen Notbetrieb wurde die Drehleiter am Ende eingefahren. Deutlich sichtbar ist die Schräglage des Rett
Nichts geht mehr: Im analogen Notbetrieb wurde die Drehleiter am Ende eingefahren. Deutlich sichtbar ist die Schräglage des Rettungskorbs. Foto: Alexander Thomys
Nichts geht mehr: Im analogen Notbetrieb wurde die Drehleiter am Ende eingefahren. Deutlich sichtbar ist die Schräglage des Rettungskorbs.
Foto: Alexander Thomys

Jede Drehleiter sei eigentlich ein »Zusammenspiel aus Handwerks- und Ingenieurskunst«, sagte Löhr und ergänzte schmunzelnd: »Auch wenn der heutige Abend andere Rückschlüsse zulässt.« Aktuell habe die neue Drehleiter ein »großes Problem«, sagte auch Feuerwehrkommandant Kratzel, der versprach, die ausgefallene Schauübung auf dem Gelände der Feuerwehr erneut anzubieten. Zunächst aber muss das 980.000 Euro teure Fahrzeug wohl in die Werkstatt. Bürgermeisterin Schäfer-Vogel nahm das gelassen: »Es ist gut, dass wir heute - und nicht im Ernstfall - feststellen konnten, dass wir uns mit der empfindlichen Technik noch ausführlicher werden beschäftigen müssen.« (GEA)