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Stadtteilzentrum Bästenhardt: Für Kinder ein zweites Wohnzimmer

Im Vorgriff auf das geplante Stadtteilzentrum Bästenhardt leistet das Haus Regenbogen wertvolle Arbeit.

Seit frisch gestrichen ist, ist vom Regenbogen nichts mehr zu sehen. Das ändert aber nichts daran, dass im Haus Regenbogen wertv
Seit frisch gestrichen ist, ist vom Regenbogen nichts mehr zu sehen. Das ändert aber nichts daran, dass im Haus Regenbogen wertvolle Jugendarbeit für den Stadtteil Bästenhardt geleistet wird. FOTO: FÖRDER
Seit frisch gestrichen ist, ist vom Regenbogen nichts mehr zu sehen. Das ändert aber nichts daran, dass im Haus Regenbogen wertvolle Jugendarbeit für den Stadtteil Bästenhardt geleistet wird. FOTO: FÖRDER

MÖSSINGEN-BELSEN. Überschwänglich zu sein ist nicht ihr hervorstechendes Merkmal. Heidrun Bernhard, im Mössinger Rathaus Chefin der Finanzen und verantwortlich für das Soziale, gibt sich in der Regel eher nüchtern und sachlich. Am Montagabend aber war es anders. »Ich bin begeistert von dem, was die zwei Frauen aufgebaut haben. Das ist jetzt schon ein Treffpunkt für Jung und Alt«, verteilte sie Lorbeeren schon bei der Einleitung zum Tagesordnungspunkt »Gemeinwesenorientierte Jugendhilfe in Bästenhardt«. Voreilig oder einseitig war das nicht: Aus dem Gemeinderat kam kein Widerspruch.

Gemünzt war das Lob auf Dagmar Radler und Nadine Santo, die seit Anfang 2024 im Haus Regenbogen in der Buchenstraße jeweils mit einer halben Stelle arbeiten mit dem Ziel, belastete Kinder und ihre Familien zu stärken, ihnen ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen und auch das Potenzial von älteren Menschen im Stadtteil zu wecken und zu nutzen. »Für viele Kinder sind wir ein zweites Wohnzimmer, weil sie zu Hause oft kein eigenes Zimmer haben«, erklärte Dagmar Radler.

Kooperationen mit Partnern

Dabei reicht der Blick bereits in die Zukunft. »Das Haus Regenbogen ist ein Vorläufer für das geplante Stadtteilzentrum«, schlug Heidrun Bernhard einen weiten Bogen. »Es ist gut, jetzt schon mit der Arbeit zu beginnen und praktische Erfahrungen zu sammeln, bevor das Haus gebaut wird.«

Derzeit ist Nadine Santo am Dienstag morgens sowie donnerstags und freitags im Haus. Dagmar Radler arbeitet mittwochs und freitags im Haus Regenbogen. Beide machen zudem gemeinsam an zwei Samstagen im Monat Angebote im Haus. Die Angebote sind grundsätzlich offen für alle Kinder, was die Arbeit laut Dagmar Radler nicht einfacher macht: »Mal kommen drei Kinder, mal kommen dreißig.«

Zu den offenen Angeboten gehören etwa der Kindertreff freitags zwischen 14 und 16 Uhr mit Kreativangeboten und Spielen, wobei es oft zu Gesprächen komme über Schule oder Probleme in der Familie, berichtete Radler. Im Schnitt hielten sich Jungen und Mädchen die Waage. Weil die Jungs mehr sportliche Angebote wünschten, wäre eine zusätzliche männliche Ansprechperson wünschenswert.

Eine Kerngruppe von 7 bis 15 Kindern besucht regelmäßig das Café Kidz jeden zweiten Samstag von 13 bis 16 Uhr. Hier wird viel Wert auf Ernährung gelegt, wird gemeinsam gekocht und gebacken, um »familienähnliche Strukturen« aufzubauen. Darüber hinaus gibt es den Mädchentreff und den Strick-Salon.

Neben den eigenen Angeboten gibt es Kooperationen mit verschiedenen Partnern – »unser zweites Standbein«, wie Nadine Santo sagt. Dazu gehören etwa das gemeinsam mit dem städtischen Kindergarten Stettiner Straße organisierte Projekt »Minigärtner*innen«, das mit der Stabsstelle Integration zweimal im Monat angebotene interkulturelle Frauenfrühstück oder die Beteiligung an der Organisation des Bürgerfests am 5. Juli.

Eine wichtige Arbeit im Haus Regenbogen ist die Sozialberatung. »Wir sind hier nicht die Experten, wir haben eher Lotsenfunktion«, beschreibt Dagmar Radler diese Aufgabe. »Wir schauen Behördenbriefe an, vermitteln Kontakte.« Die Themen sind vielfältig und reichen von Wohngeld und Sozialhilfe über Müllgebühren bis zu Bewerbungen und Rundfunkgebühren.

Kindern ein Zuhause geben

Auf die Frage von Claudia Jochen (LiSt), wie es mit der Zusammenarbeit mit Vereinen aussieht, musste Nadine Santo etwas bremsen: »Wir haben hier im Haus viele bildungsferne Kinder, die nicht automatsch ins Vereinsleben einsteigen.« Und mit politischer Arbeit und Erziehung zur Demokratie? »Wir haben hier eher mit den Kleinen zu tun«, erklärte Dagmar Radler.

Aber auch die könnten Demokratie üben, weil sie bei den Angeboten mitentscheiden und selbst Schwerpunkte setzen könnten. Im Zusammenhang mit den Ausführungen zum Mädchentreff wollte Steffen Eissler (FWV) wissen, wo sich Mädchen in Mössingen denn ungern aufhalten würden. Die klare Antwort: in den Unterführung beim Bahnhof.

Das Fazit von OB Michael Bulander: »Das ist ein ganz wichtiges Angebot, und hier wird gute Arbeit geleistet.« Was das Ziel der Arbeit ist, brachte Nadine Santo noch einmal auf den Punkt: »Wir geben Kindern, die sonst so rummäandern, ein Zuhause.« (GEA)