TÜBINGEN. Die Chilenische Einsiedlerspinne stammt, wie es ihr Name schon verrät, aus Südamerika. Obwohl sie in Europa extrem selten vorkommt, hat sie sich ausgerechnet in zwei Kellern der Universität Tübingen eingenistet. Ein Uni-Mitarbeiter entdeckte die bräunliche Giftspinne zum ersten in einem Keller des Hörsaalzentrums Morgenstelle. Anschließend tauchte sie auch im Keller des Geowissenschaftlichen Instituts in der Hölderlinstraße auf. Der Reutlinger Biologe und Spinnen-Forscher Thomas Floten klärt auf.
Welche Eigenschaften hat die Chilenische Einsiedlerspinne?
»Die Spinne ist auch als Chilenische Winkelspinne bekannt, weil sie sich überall dort aufhält, wo es Ecken und Spalten gibt.« Im Gegensatz zu der deutschen Winkelspinne ist sie giftig, jedoch ist die Gefahr eines Bisses gering. Als Hausspinne bevorzugt sie Keller und Dachböden. Sie ist recht unauffällig, menschenscheu und nachtaktiv. »Wenn sie in Bedrängnis gerät, flieht sie. Als Jagdspinne legt sie kein Fangnetz an, sondern sucht nach schlafenden Insekten oder anderen Spinnen, die sie dann überwältigt.« Statt der üblichen acht Augen habe diese Spinnenart nur sechs. »Die Weibchen erreichen eine Körpergroße von 15 Millimetern, die Männchen sind etwas kleiner«, ergänzt er.
Wie lange gibt es die Spinne in Tübingen?
»Die Spinne könnte nach einer Exkursion der Zoologischen Abteilung in Chile hier eingeschleppt worden sein«, mutmaßt Floten. »Auch wenn sie nicht früher entdeckt wurde, gibt es sie in Tübingen wahrscheinlich seit einiger Zeit. Ich gehe von ein bis zwei Jahren aus«, so der Biologe. Es seien nämlich sowohl junge und halberwachsene als auch erwachsene Tiere entdeckt worden. Der Arachnologe vermutet, dass nicht alle Spinnen gefangen werden konnten. Er spricht von Fluchttieren: »Sobald sie merken, dass etwas umgekrempelt wird, verkriechen sie sich in Wandspalten und Ecken, wo man nicht hinkommt. Ich gehe davon aus, dass die Population weiter bestehen bleibt in Tübingen.«
Wie macht sich ein Biss bemerkbar und wie gefährlich ist er?
Bisher wurde nur eine Population in Europa, konkreter in Finnland bestätigt. Das ist schon sechs Jahrzehnte her. »Die Begegnungen zwischen Mensch und Spinne sind bisher gefahrlos verlaufen«, berichtet Floten. In der finnischen Hauptstadt Helsinki sei noch nie jemand von der Spinne gebissen worden. »Wird jedoch jemand von einer chilenischen Einsiedlerspinne gebissen, entsteht eine Rötung und es treten Schmerzen auf«, sagt der Arachnologe. Er empfiehlt, die Wunde sofort auszuspülen und einen Arzt aufzusuchen. »Der Biss gilt nicht als potenziell lebensgefährlich. Bei Kleinkindern, Senioren und Allergikern kann er sich jedoch gefährlicher auswirken.« In seltenen Fällen könne es zu schweren Gewebeschäden kommen.
Wie lange lebt so eine Spinne?
Während frei lebende Spinnen wie die Nosferatu einen einjährigen Zyklus haben, kann die Chilenische Einsiedlerspinne bis zu fünf Jahre alt werden. Das lasse sich dadurch erklären, dass letztere gleichbleibende Bedingungen vorfinden, das heißt hohe Temperaturen und genügend Nahrung, da sie sich in Innenräumen aufhalten und zu den Hausspinnen gehören.
Kann sie invasiv werden?
»Das vermute ich weniger, weil sie sich an einem Ort aufhält und nicht aktiv nach einer neuen Bleibe sucht.« Bei den derzeitigen Temperaturen könnte sie draußen nicht überleben. (GEA)

