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Aktuell Abschied

So prägte Landrat Joachim Walter den Kreis Tübingen

Mehr als zwei Jahrzehnte lang war Joachim Walter Landrat im Kreis Tübingen. Jetzt tritt er ab. Was bleibt besonders in Erinnerung? Und was hat er jetzt vor?

»Irgendwann macht das Landratsamt noch Darmspiegelungen auf der Neckarbrücke«: Joachim Walter ist bekannt für markante Sprüche u
»Irgendwann macht das Landratsamt noch Darmspiegelungen auf der Neckarbrücke«: Joachim Walter ist bekannt für markante Sprüche und hat die ständig wachsende Zahl der Vorschriften und Aufgaben oft kritisiert. Foto: Frank Pieth
»Irgendwann macht das Landratsamt noch Darmspiegelungen auf der Neckarbrücke«: Joachim Walter ist bekannt für markante Sprüche und hat die ständig wachsende Zahl der Vorschriften und Aufgaben oft kritisiert.
Foto: Frank Pieth

TÜBINGEN. Mehr als sechs Wochen vor der Amtsübergabe ist das Büro von Joachim Walter im fünften Stock schon fast völlig ausgeräumt. Der Wandschrank an der Längsseite war voll mit Handakten, die sich im Laufe von mehr als zwei Jahrzehnten angesammelt hatten und bietet nun viel Raum für alles, was der Nachfolger unterbringen möchte. Nur ein zusammengefalteter Karton neben der Tür erinnert daran, dass noch ein paar Kleinigkeiten mitzunehmen sind. Nachfolger Henrik Bednarz kann sein neues Dienstzimmer ab sofort zur Einarbeitung nutzen – mit Blick auf Schloss und Schlossberg und das Neckartal. Walter weicht aus und sucht für sich selbst täglich ein freies Zimmer in dem großen Trakt.

Strafzettel zur Begrüßung

Am 18. Juni 2003 ist Walter vom Kreistag im zweiten Wahlgang mit 33 von 59 Stimmen zum Landrat gewählt worden. Gegenkandidat Hans-Erich Messner hatte das Nachsehen und blieb bis 2020 loyale Nummer Zwei im Landratsamt. Bei der Heimfahrt am späten Abend in den Zollernalbkreis wurde der Sieger der Wahl gleich von einer der fest installierten Tempo-Kontrollen erfasst: Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit um wenige Kilometer. »Ich war die vielen Blitzer im Landkreis Tübingen nicht gewohnt«, sagt Walter und setzt einen betont harmlosen Gesichtsausdruck auf.

Immer wieder erwischt

Anders als im Zollernalbkreis, wo Walter bis dahin Erster Landesbeamter war, wurde in Tübingen häufig geblitzt – und den Landrat hat's mehrmals erwischt. »Ich hab' nie Einspruch erhoben. Ich stehe dazu«, sagt er. Als er sich den Mitarbeitern in der Verkehrsbehörde, damals noch in der Bismarckstraße, persönlich vorstellen wollte, hieß es keck: »Wir kennen Sie schon von den Bildern.« Allerdings waren es nie gravierende Verstöße. »Immer nur leicht drüber.« Das hat sich gebessert. »In zunehmendem Alter wird man sowieso zurückhaltender.«

Der Eindringling

Die Belegschaft im Balinger Landratsamt hatte Walter ein Gemälde als Abschiedsgeschenk mitgegeben. Dargestellt ist ein Mann, der starre Fronten verschieben will - der »Eindringling« von Künstler Bernd Zimmermann. Die ganze Amtszeit über hing es links an der Wand. Nun kehrt der 65-Jährige mitsamt dem Kunstwerk in den Zollernalbkreis zurück. Das Bild hat er schon aufgehängt: So, dass man es beim Betreten des Hauses gleich sieht. Künftig wird der Ruheständler viel Zeit daheim verbringen. Ob Ehefrau Doris den angetrauten Eindringling gleich voll und ganz akzeptiert?

Segensreicher Umzug

Der Umzug 2005 ins Behördenviertel in der Nähe zum Regierungspräsidium war ein Segen, findet Walter. Die Räume im Neubau: hell, mit viel Glas. Durchgesetzt hat das Bauvorhaben Vorgänger Albrecht Kroymann. Ein Neuling hätte sich einen solchen Kraftakt angesichts schwieriger Haushaltslage nicht zutrauen dürfen. Im alten Bau in der Doblerstraße (an der Auffahrt zum Österberg) arbeiteten 480 Mitarbeiter, dazu 280 auf 25 andere Gebäude verteilt. Am neuen Standort sind es inzwischen 1.000.

Achterbahnfahrt

Der Start war alles andere als einfach. »Der Haushalt war ein harter Kampf«, sagt Walter. Kaum drei Monate im Amt verkündete er den Kreisräten einen Anstieg der Kreisumlage um fünf Prozentpunkte. Tübingen befand sich damit im Land in einer unrühmlichen Spitzenposition. Walter versprach den Kreisräten aber, dass die Umlage in den Folgejahren gesenkt werde. Er hielt Wort und stellt heute fest: »Wir sind dann kräftig Achterbahn gefahren.« Rauf und runter und wieder rauf. »Ich hätte nicht gedacht, dass ich einen Haushalt hinterlasse, der ähnlich aussieht wie der, mit dem ich angetreten bin.«

Zu viele Vorschriften

»Wir bekommen ständig neue Aufgaben«, sagt Walter kopfschüttelnd. Dabei seien die grundlegenden Fragen - »Wer macht's? Was kostet's? Wer zahlt's?« - häufig nicht gelöst. Vieles sei in Deutschland überreguliert, findet der Landrat. Die dringend nötige Deregulierung (Walter vermeidet den Begriff Entbürokratisierung) komme nicht recht voran. Noch immer würden Gesetze auf nationaler und Ebene der Bundesländer mit zusätzlichen Vorschriften »vergoldet« und damit immer komplizierter. Dazu kämen Vorhaben wie das geplante Gleichbehandlungsgesetz, »das kein Mensch braucht«, wie er glaubt - weil Artikel 3 des Grundgesetzes eben immer gilt. Und auch im "Gesetz zur erprobungsweisen Befreiung von landesrechtlichen Regelungen für Gemeinden und Landkreise" sieht er die fatale Tendenz, den erweiterten Spielraum sofort wieder einzuengen. "Wenn eine Vorschrift wegfällt, heißt es, der Zweck der ausgesetzten Vorschrift müsse aber erreicht werden."

Beeindruckt von Erwin Teufel

Die große Verwaltungsreform gehört zu den frühen Bewährungsproben, denen sich CDU-Mann Walter als Landrat stellen musste. Behörden und Ämter wurden abgebaut, zusammengelegt oder eingegliedert. Personal und Aufgaben gingen von den Sonderbehörden auf die Mittelinstanz und die Landratsämter über. Walter hat größten Respekt vor Erwin Teufel. »Diese Reform hätte keiner sonst hingekriegt. Er war der größte Ministerpräsident, den dieses Bundesland hatte.«

Krise, Krise, Krise

»Die Hälfte meiner Amtszeit waren Krisenjahre« sagt Walter. Spätestens seit 2014 agiere man im Krisenmodus. Auslöser waren damals die steigenden Flüchtlingszahlen. Die Menschen unterzubringen habe so viel Arbeit gekostet, dass man zum weiteren - eigentlich unverzichtbaren - Schritt gar nicht gekommen sei. Der Landrat hat immer wieder öffentlich darauf hingewiesen: Die Unterbringung ist das eine, die Integration das andere. Letzteres sei viel zu kurz gekommen. Die deutsche Sprache lernen, einen Job finden – für viele habe sich diese Hoffnung leider nicht erfüllt.

Corona

Kontrollen, Lockdown, Teststationen, der besondere Weg der Stadt Tübingen, später der Aufbau eines Impfzentrums für die ganze Region: Das könnte viele Kapitel füllen in einem Buch über die Corona-Pandemie und die Bewältigung im Landkreis Tübingen. Wobei sich Walter und seine Mitstreiter freiwillig eine enorme zusätzliche Aufgabe aufgehalst haben: Ein Impfzentrum für sechs Landkreise (Tübingen, Reutlingen, Zollernalbkreis, Sigmaringen, Freudenstadt und Friedrichshafen). »Warum ein kleines Zentrum in Gomaringen einrichten, wenn man auch ein leistungsfähiges großes in der Paul-Horn-Arena betreiben könnte?«, hat der Chef des Uniklinikums, Michael Bamberg, seinen Duzfreund Joachim Walter Ende 2020 gefragt – und ist nicht auf taube Ohren gestoßen. 550.000 Injektionen wurden hier verabreicht. Nach einem Unwetter und Wassereinbruch musste man mehrere Wochen nach Sindelfingen ausweichen (»die hatten ein Impfzentrum, aber keinen Impfstoff«). 22.000 Impftermine mussten verlegt werden. Und der Landrat hat brav gewartet, bis seine Altersgruppe dran war.

Die Sieben-Tage-Woche

Wie sehr alle Mitarbeiter in dieser Ausnahmesituation durch die Pandemie strapaziert werden würden, hatte man sich vorher nicht vorstellen können. Doch Walter ist der Stolz auf seine Mitstreiter und das gemeinsam Überstandene anzumerken. Für manche war die Sieben-Tage-Woche plötzlich Standard und Improvisation eine tägliche Übung. Eine große Zahl von Beschäftigten meldete sich freiwillig für Überstunden. »Wir haben tolle Mitarbeiter«, sagt der Chef voller Anerkennung und zählt eine lange Reihe von Leuten auf, die maßgeblichen Anteil daran haben, wie die Krise bewältigt wurde (angefangen mit Dezernatsleiter Werner Walz, Personalchefin Renate Fischer, Sibylle Kiefer, die eigentlich für Abfall zuständig war, oder der Leiterin des Gesundheitsamts, Birgit Walter-Frank). Der Krisenstab hieß übrigens intern »Selbsthilfegruppe«.

Ammertalbahn

Mit großer Hoffnung hat der Kreis die Ammertalbahn als Bestandteil des Moduls eins der Regional-Stadtbahn zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Doch dann kam's knüppeldick. Verspätungen als Dauerzustand. Anschlusszüge wurden regelmäßig verpasst. Allein 2023 kamen mehr als 850 Zugausfälle auf der Ammertalbahn zusammen. »Ich hab jeden Tag geflucht«, gesteht der Landrat. »Die Leute standen auf den Bahnsteigen und bekamen keinerlei Info.« Erst die Umstellung auf den Inselbetrieb Ende 2024 brachte den Umschwung. »Seither läuft's fast wie geschmiert«, sagt Walter erleichtert. Die Züge der Ammertalbahn verkehren nur noch auf ihrer angestammten Strecke zwischen Herrenberg und Tübingen, die Verbindung ist stabil. Als Rekordwert wurden jüngst 10.600 Fahrgäste pro Tag ermittelt. Als Geschäftsführerin Sarah Wüstenhöfer vom Zweckverband vor Kurzem Ausgaben für Werbung vorschlug, blieb der Landrat allerdings sehr reserviert: »Die einzige Werbung ist ein funktionierender Betrieb«, findet er.

Tübingen schert aus

Große Enttäuschung auch im September 2021: Beim Bürgerentscheid zur Stadtbahn stimmen 57 Prozent der Wähler in der Unistadt dagegen. Das Projekt muss ohne die Teilstrecke durch die Innenstadt und hoch zu den Kliniken realisiert werden. Joachim Walter, OB Boris Palmer und die Phalanx der Bürgermeister aus drei Landkreisen haben vergeblich bis zuletzt für die komplette Umsetzung geworben. Nun gilt: »Schade. Es fehlt ein Kernstück. Aber wichtige Strecken sind da.« Walter gehörte wie sein langjähriger Reutlinger Kollege Thomas Reumann stets zu den aktiven Verfechtern. »Es gab Zeiten, da waren wir alle sechs Wochen in Berlin im Verkehrsministerium, um Fragen zu klären und weitere Schritte voranzukommen.« Unverzichtbar sei dabei die Hilfe der CDU-Abgeordneten und Staatsministerin Annette Widmann-Mauz gewesen. Er ist sicher: »Ohne sie gäbe es die Stadtbahn nicht.«

Regionalstadtbahn: Es wird weitergehen

In schwierigen Zeiten muss auf die öffentliche Verwaltung besonders Verlass sein, findet Joachim Walter. Der Krisenstab im Landr
In schwierigen Zeiten muss auf die öffentliche Verwaltung besonders Verlass sein, findet Joachim Walter. Der Krisenstab im Landratsamt während der Pandemie hieß intern »Selbsthilfegruppe«. Foto: Frank Pieth
In schwierigen Zeiten muss auf die öffentliche Verwaltung besonders Verlass sein, findet Joachim Walter. Der Krisenstab im Landratsamt während der Pandemie hieß intern »Selbsthilfegruppe«.
Foto: Frank Pieth

Das Mega-Projekt in der Größenordnung von 2,1 Milliarden Euro umzusetzen, wird noch viel Mühe kosten. »Grundsätzlich gilt: Bahnprojekte sind nie einfach«, sagt der Landrat. Viele Beteiligte, ständig wechselnde Ansprechpartner - es habe schon seinen Grund, warum die Aufgabe eigentlich Bund und Land zufallen würde. Inzwischen sei es gelungen, die Maßnahmen so anzuordnen, dass Städte, Gemeinden und Landkreise das auch schultern können. Dass Reutlingen die Werkstatt auf dem Güterbahnhof unterbringen kann und man sich den Aufbau eines neuen Standorts spart, wirke sich enorm aus. Ein Schritt in die richtige Richtung sei auch, die Fahrzeuge später zu bestellen. Für Unkenrufe sieht er trotz der angespannten Haushaltslage der Kommunen keinen Anlass. »Es wird weitergehen.« Mit einem Kopfschütteln erinnert er allerdings an die Ratschläge besonders eifriger Stadtbahn-Verfechter, denen die Verhandlungen mit dem Verkehrsministerium seinerzeit zu lange dauerten. Diese hatten ihn aufgefordert: »Nur Mut, Herr Landrat, es geht auch ohne Förderung.«

Die Region braucht B 27-Ausbau

Ein neues Teilstück der B 27 wurde mit dem Tunnel durch Dußlingen realisiert. »Aber noch fehlen die beiden Zwischenstücke«, sagt Walter mit Bedauern. Die Bürger haben den Eindruck, dass sich nicht viel tut in den Amtszimmern. Doch im Regierungspräsidium wird eifrig geplant. Walter ist überzeugt: »Die Region braucht diese funktionierende Verkehrsbeziehung.« Eine Prognose, wann die Autos frühestens vierspurig durch den Schindhau-Tunnel in Tübingen und über die Endelberg-Trasse im Steinlachtal rollen, mag er nicht geben. Wie bei allen Projekten sei der Zusammenhalt in der Region wichtig: »Wir wollen nicht getrennt marschieren und gemeinsam geschlagen werden.« Er selber gesteht, dass er sich eine alternative Trassenführung durchs Steinlachtal gewünscht hätte. Doch die hat Ofterdingen früh zugebaut.

Palmer und die anderen

Fast alle Bürgermeister sind Mitglied im Kreistag. In den Augen von Walter eine Selbstverständlichkeit: »Es sind immer die Bürgermeister, die über die Kreisumlage die Rechnung zahlen.« Die Städte und Gemeinden, findet er, »müssen Luft zum Atmen haben«. Das sei auch für die Bürger entscheidend. Bei 67 Mandaten im Gremium sind die 15 Rathauschefs weit davon entfernt, mit eigener Mehrheit einfach ihren Standpunkt durchsetzen zu können. Und auch Boris Palmer – seit dem vorigen Jahr neu dabei und Mitglied der FWV-Fraktion - hat nur eine Stimme. Walter bekennt: Man streite sich in der Sache, suche aber stets nach Lösungen. Der Tübinger OB trete schon immer sehr entschlossen auf. »Wenn du einen Schritt zurück machst, geht er zwei vor.«

Weg von der Bildfläche

Walters Amtsperiode läuft eigentlich bis Herbst 2027. Als Begründung für seinen Verzicht hat er gesundheitliche Gründe genannt. Nachfolger Bednarz muss nicht befürchten, dass er ihm rein redet. »Ich werd' hier ein Jahr lang nicht mehr auftauchen«, verkündet Walter. Keiner soll den Eindruck haben, Walter wolle noch mitmischen, obwohl er gar nicht mehr im Amt ist.

Drei Stiftungen

Daheim im Garten werkeln ist nicht sein Ding. Und er verspürt auch keinen Drang, sich im Ruhestand neue Hobbys zuzulegen. Aber drei Stiftungen dürfen auf sein Engagement zählen. Eine unterstützt kranke Kinder und ist mit der »Zahngold«-Aktion in die Öffentlichkeit getreten. Die zweite ist das Stuttgarter Lehrhaus, das sich dem Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen widmet. Auf Nummer drei kam er über die neue Partnerschaft des Landkreises mit HaCarmel in Israel und das Beispiel der Hand-in-Hand-Bewegung, wo jüdische und arabische Kinder gemeinsam zur Schule gehen. »Wenn es jemals Frieden geben kann, dann kann er nur über die Gemeinsamkeit von unten entstehen«, glaubt auch Walter. Ein Förderverein könnte diese Anliegen unterstützen und Positives bewirken.

In doppelter Funktion

Seit 2013 ist Walter Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg und damit auch Vizepräsident des Deutschen Landkreistags. Eine ungewöhnlich lange Amtszeit und eine zeitraubende Aufgabe, von der die Tübinger aber doppelt profitierten. Erstens weil Walter einen guten Überblick bekam und die Probleme auf höchster Ebene ansprechen konnte. Zum anderen aber auch, weil er oft direkt Kontakt aufnehmen konnte mit Zuständigen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand verliert er dieses Amt.

Geschafft: Gratulation nach der Wahl im Jahr 2003 von Vorgänger Albrecht Kroymann (links).
Geschafft: Gratulation nach der Wahl im Jahr 2003 von Vorgänger Albrecht Kroymann (links). Foto: Markus Niethammer
Geschafft: Gratulation nach der Wahl im Jahr 2003 von Vorgänger Albrecht Kroymann (links).
Foto: Markus Niethammer

Einmal Landrat, immer Landrat?

Vor Ende seiner zweiten Amtsperiode bekam Walter das Angebot einer großen Kanzlei und gesteht: »Das hätte mich gereizt.« Als Anwalt eine Sache durchfechten und nicht wie als Landrat meist auf Ausgleich bedacht sein? »Ich habe eine Woche mit mir gerungen«, räumt er ein. Was den Ausschlag gab? »Es wäre mir vorgekommen, als ob ich die Mitarbeiter im Haus im Stich gelassen hätte.«

Bekennender Fasnet-Fan

Rosenmontag und Faschingsdienstag sind absolute Pflicht-Termine in Walters Kalender - aber nicht dienstlicher Natur. »Das ist ja das Schöne am Landkreis Tübingen, dass man mich da nie brauchte.« Bei Walter heißt es »hu-hu-hu« statt »narri narro«, es zieht ihn nach Rottweil, wo Masken Larven sind und das Häs Narrenkleidle genannt wird. Er ist seit 55 Jahren Mitglied der Narrenzunft, musste aber um seinen Verbleib kämpfen, denn Narren haben strenge Regeln. Dass einer in Balingen wohnt, war nicht vorgesehen. Die Lösung: »Ich gelte nun als passives Mitglied. Aber ich bin berechtigt, am Narrensprung teilzunehmen.« (GEA)