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Aktuell Landschaftspflege

Schnittgut: Weit über siebzig Hängerladungen Energie

MÖSSINGEN. Bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen der neuen Landesregierung wird um Energie-Kraftwerke und Windräder gerungen. In Mössingen läuft derweil bereits die dritte Testphase des Netzwerks Streuobst aus, das gänzlich auf erneuerbare Energien aus Baumschnitt setzt.

Schnittgut, soweit das Auge reicht: Auf dem Öschinger Häckselplatz türmt sich jede Menge erneuerbare Energiemasse.  GEA-FOTO: ME
Schnittgut, soweit das Auge reicht: Auf dem Öschinger Häckselplatz türmt sich jede Menge erneuerbare Energiemasse. GEA-FOTO: MEYER
Schnittgut, soweit das Auge reicht: Auf dem Öschinger Häckselplatz türmt sich jede Menge erneuerbare Energiemasse. GEA-FOTO: MEYER
Zur Erinnerung: Die Arbeitsgruppe Energiebündel & Flowerpower hat nach Sammelaktionen in Belsen und Mössingen in diesem Jahr in Öschingen und Talheim Gütlesbesitzer wieder dazu aufgerufen, Schnittgut nicht auf der Wiese zu verbrennen, sondern es einer energetischen Nutzung zuzuführen. Wegen des nasskalten Winterwetters ist die Aktion verlängert worden. »Viele Gütlesbesitzer konnten nur bedingt auf ihre nassen Wiesen fahren; auch herrschte selten angenehmes Schnittwetter«, sagt Projektleiterin Sabine Mall-Eder.

Noch bis Ende dieser Woche können Leute daher ihr Schnittgut aus dem Gütle entweder auf einen der Häckselplätze in Öschingen oder Talheim fahren. Oder sie können die am Wegesrand aufgetürmten Äste-Haufen abholen lassen. In der kommenden Osterwoche wird das Reisig von der Grüngruppe der AiS (Arbeit in Selbsthilfe), einer Tochterorganisation der KBF (Körperbehindertenförderung), mit großem Hänger abgeholt und auf den Häckselplatz geführt. Material, das nach dem 20. März abgelegt wird, kann nicht mehr abgeholt werden.

Am Filsenberghang aufgeräumt

Der Öschinger Marcus Hölz leitet das aus Behinderten, einem Asylbewerber und Praktikanten bestehende Gehölz-Team. »Wir arbeiten Hand in Hand mit dem Nabu.« Die Gruppe, die selbst einige Allmendwiesen betreut, hat Landschaftspflegemaßnahmen auf der Wacholderheide am Osthang des Farrenbergs durchgeführt. »Der CVJM Öschingen hat am Filsenberghang ordentlich aufgeräumt«, lobt Hölz das Engagement der Baumpfleger.

Auch sonst sieht die Zwischenbilanz für das 230 Hektar große Gebiet entlang des Albtraufs zwischen dem Öschinger Freibad und dem südlichen Ortsrand von Talheim sehr vielversprechend aus. »Im letzten Jahr hatte die AiS-Gruppe 50 Hängerladungen eingesammelt, jetzt sind wir schon bei 70. Und wir wissen nicht, was bis Samstagabend noch anfällt«, sagt Mall-Eder.

Kein Müll und Unrat abgeladen

Für diejenigen, die vom Service der Abholung ihres Schnittguts profitieren wollen, gilt, dass sie ihr Reisig (»ausschließlich holziges Material, kein Grüngut oder Laub«) an den Fahrwegen gut zugänglich ablegen, also nicht direkt hinter einem Graben. Wer sein Reisig – keine Gartenabfälle – direkt zum Häckselplatz bringen will, steht ausnahmsweise nicht vor verschlossenen Toren: Beide Anlagen sind von 9 bis 17 Uhr geöffnet. »Wir haben in den letzten Wochen nur gute Erfahrungen gemacht. Entgegen der Befürchtungen wurde weder Müll noch Unrat abgeladen«, berichtet Sabine Mall-Eder.

Mit dem Modellprojekt zur Biomassenutzung der Landschaft um Mössingen und Nehren soll die Pflege der heimischen Streuobst-Wiesen für Besitzer nicht nur attraktiver gemacht, vielmehr sollen die Ressourcen besser ausgenutzt werden. Das Experiment ist nach Ablauf der zweijährigen Bezuschussung aus dem Naturschutzfonds erfolgreich beendet, aber nicht eingestellt worden. Es ist zur festen Einrichtung geworden. Die Stadt Mössingen finanziert die weiteren Vorhaben zum Klimaschutz, zusätzliche Landesfördermittel kommen vom Landschaftserhaltungsverband Vielfalt. Mittelfristig soll es mehrere Verwertungsstränge fürs Schnittgut geben.

Denn allein vergangenes Jahr wurde von den Mössingern ein Ertrag zusammengeschnitten, der der Energie von rund 40 000 Litern Heizöl entspricht. Daher wird es auch 2017 wieder eine Sammelaktion geben. Das Gebiet steht schon fest: Es reicht vom Öschinger Öschbachtalhof entlang des Firstbergs bis hinüber zum Deponiegelände am Südring. (mey)