MÖSSINGEN/DUSSLINGEN. Unterricht der ganz anderen Art erleben die Schüler des Firstwald-Gymnasiums Mössingen und Kusterdingen seit diesem Schuljahr zusammen mit dem Maschinenbauer Zeltwanger. Freitagmittags dürfen zehn Schüler zwei Snackautomaten für ihre Schule bauen. Im September war die Auftaktveranstaltung bei Zeltwanger. Dort konnten die Schüler das Unternehmen und einen Snackautomaten, nach dessen Vorbild ihr eigener gebaut wird, bestaunen.
»Die Schüler können zwischen einer Präsentationsprüfung im Abi oder dem Seminarkurs entscheiden«, erklärt Lehrerin Frauke Dürr, die unter anderem Naturwissenschaften und Technik unterrichtet. Im Seminarkurs würden sie nicht das lernen, was sie klassischerweise im Unterricht lernen, sagt sie. Das Besondere daran sei, dass sie die reale Arbeitswelt im Betrieb kennenlernen und entscheiden können, ob das ein Beruf für sie wäre.
»Ich habe die Präsentation der älteren Schüler über die Schüleringenieurs-Akademie (SIA) gesehen und fand das gut. Das Bauen ist gut. Es funktioniert wie die Legotechnik«, erzählt der 17-jährige Samuel. Mitschülerin Katrin hat sich für SIA und nicht für Bioethik oder Popkultur entschieden, weil sie beim Girlsday schon mal bei der Firma Walter einen Tag reinschnuppern durfte. »Außerdem ist es spannend, mal einen Einblick in das Berufsleben zu bekommen.«
Erst fräsen, dann drehen
Am Anfang der Schülerakademie geht es erst einmal um das Projektmanagement. Ein Businessplan wird erstellt und Kaufteile bestellt. Dann erfolgt die Einführung in Programmieren. »Wir haben zwei Gruppen. Eine Gruppe programmiert, die andere ist in der Lehrwerkstatt«, erläutert Anja Gottschalk, Personalreferentin für Aus- und Weiterbildung bei Zeltwanger. Dann wird gewechselt. Jede Gruppe baut einen Snackautomaten.
In der Lehrwerkstatt sammeln sich Matti (18), Frieder (17) und Paul (16) um Azubi Yakub Terzi. Der 20-Jährige ist im zweiten Lehrjahr zum Industriemechaniker. Heute zeigte er den Jungs das manuelle Drehen an der Maschine. Vergangene Woche wurde gefräst. »Für uns ist es wichtig, dass das die Azubis machen«, sagt Ausbilder Peter Kärcher, der seinem Lehrling und den Schülern mit Rat und Tat zur Seite steht. »Wenn die Jungen untereinander sind, machen sie das gleich ganz anders.« Der 18-jährige Matti findet die Genauigkeit der Arbeit spannend. Der gleichaltrige Frieder zeigt sich auch von »der feinen Arbeit der Maschine« fasziniert. Schulkamerad Paul (18) findet es gut, dass man »etwas macht, wo man den Fortschritt sieht«. Obwohl sie erst nächste Woche mit dem Programmieren an der Reihe sind, glauben die Jungs schon jetzt, dass die Lehrwerkstatt interessanter ist.
Bei der Programmiergruppe wird währenddessen fleißig über den Laptops beraten. Sie lernen die Software kennen. Die Aufgabe: Einen Schaltplan zeichnen. Der soll dem Snackautomaten schließlich das Signal zur Ausgabe geben. »Programmieren ist schon hart und denklastig«, findet Philipp. »Wahrscheinlich macht das Herstellen mehr Spaß.« Seine Mitschüler stimmen ihm lachend zu. Mechatronik-Azubi Ulrich Buchwald, der im dritten Lehrjahr ist, und Ausbilder Ulrich Sensbach erklären den Schülern, wie sie das Programm schreiben müssen, damit der Automat beim Geldeinwurf einen der acht Schächte öffnet. Das Programm dafür sieht kompliziert aus. Lehrerin Frauke Dürr sagt, dass auch sie noch was dazu lerne. »Die Schüler sind engagiert, versuchen alles umzusetzen und bringen einiges fertig«, lobt Sensbach. Das sei auch wichtig. Denn, wenn der Automat mal nicht laufe, sei es auch Sache der Schüler, den Fehler zu finden und zu beheben.
Begeisterung wecken
Die Firma Zeltwanger ist seit diesem Jahr offizieller Bildungspartner beim Projekt SIA des Firstwald-Gymnasiums. »Schüler sollen Einblicke in ein Unternehmen und insbesondere in technische Berufe bekommen«, erklärt Gottschalk. Außerdem wolle man Begeisterung für die Branche Maschinenbau beziehungsweise für technische Berufe bei den Schülern wecken. »Zudem wollen wir erste Kontakte herstellen, dass die Schüler sich eventuell bei Praktika während des Studiums, oder auch bei Interesse an einer Ausbildung bei Zeltwanger melden.«
Zusätzlich können Auszubildende des Unternehmens den Schülern zeigen, was sie bereits gelernt haben. Ob die Bildungspartnerschaft nach dem Schuljahr weitergeht, »steht und fällt mit den Anmeldezahlen der Schüler«, betont Gottschalk. Vonseiten der Firma aus, gehe das Projekt weiter.
Von Januar bis März haben die zehn Schüler Zeit, ihr Programm zu schreiben und die Bausteine in der Lehrwerkstatt zu fertigen. »Im April werden die Einzelteile montiert«, damit zum Ende des Schuljahres die Snackautomaten in den Schulen stehen, sagt Gottschalk. (GEA)

