NEHREN. Kämmerer Frank Schmeckenbecher konnte den Nehrener Gemeinderäten jüngst den Jahresabschluss 2023 präsentieren und erinnerte das Gremium somit an ein Jahr, in dem quasi »Milch und Honig« zwischen den Fachwerkhäusern im Ortskern flossen. Denn die Gemeinde verbuchte satte 2,5 Millionen Euro mehr an Gewerbesteuereinnahmen als geplant, insgesamt fast vier Millionen Euro – das höchste Gewerbesteuer-Ergebnis der Gemeinde aller Zeiten. 438.000 Euro mehr Zuweisungen durch das Land gab es zudem. »Das war ein einmaliger Ausschlag nach oben«, wehrte sich Nehrens Bürgermeister Egon Betz gegen allzu große Euphorie angesichts dieser Zahlen. »Das fiel uns jetzt, zwei Jahre später, auf die Füße - durch geringere Zuweisungen«, erklärte Betz. Auch müsse Nehren nun höhere Umlagen an den Landkreis bezahlen, da sich diese an der Steuerkraft der Gemeinde orientieren - jeweils rückwirkend für zwei Jahre.
»Das hat mit kontinuierlichen Einnahmen der Gemeinde leider nichts zu tun«, betonte der Schultes nochmals hinsichtlich der Gewerbesteuereinnahmen und sprach von einem »einmaligen Peak«. Die Gemeinde und der Gemeinderat seien aber bewusst mit diesem Peak umgegangen. Beim Gasverbrauch konnten auch noch 166.000 Euro eingespart werden durch gesunkene Preise, nachdem diese zuvor zu Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine explodiert seien. Die Mehreinnahmen legte die Gemeinde auf die hohe Kante - und kann deshalb nun besser mit den stetig steigenden Ausgaben umgehen.
Kreisumlage bereitet Sorgen
So zahlte Nehren 2023 noch rund 1,7 Millionen Euro Kreisumlage, 2025 sind es schon 2,7 Millionen Euro. »Im kommenden Jahr 2026 müsste die Kreisumlage wieder zurückgehen, aufgrund der gesunkenen Gewerbesteuereinnahmen«, erklärte Kämmerer Schmeckenbecher. Aber zugleich droht ein allgemeiner Anstieg der Kreisumlage um voraussichtlich vier Prozent. Die Transferaufwendungen an den Kreis würden daher der größte Haushaltsposten in der Gemeinde bleiben. Für das Jahr 2023 war ursprünglich im Haushaltsplan ein Plus von 220.000 Euro geplant, es gab eines von 3 Millionen Euro, nach rund 840.000 Euro Gewinn in 2022. Als »Sonderergebnis« kam noch eine große Erbschaft hinzu im Wert von rund 200.000 Euro. Die Rücklage stieg damit auf 5,75 Millionen Euro an, ist inzwischen aber schon wieder auf 3,24 Millionen Euro gesunken.
Die schmilzt aktuell weiter ab. »Es ist dem Peak zu verdanken, dass wir noch einen Puffer haben – Glück gehabt«, kommentierte Betz. Insgesamt hat die Gemeinde eine Liquidität von 3,36 Millionen Euro auf ihren Konten. Schulden hat die Gemeinde Ende 2023 in Höhe von 2,7 Millionen Euro gehabt, hinzu kommen die gesondert berechneten Schulden der Eigenbetriebe. Betz ordnete das Ergebnis ein: »Wir sind genauso gefährdet wie alle anderen Kommunen auch. Wir kriegen noch Luft, aber wir schwimmen auch schon. Kommunen tragen 25 Prozent der staatlichen Aufgaben und bekommen nur 14 Prozent der Steuermittel – da muss sich was tun. Da kommt es wirklich drauf an, Einmalzahlungen und Investitionszuschüsse wurden ja schon angekündigt. Aber das sind Dinge, die wissen wir nicht. Aber wenn die Kreisumlage so weitersteigt, haut es allen Kommunen irgendwann den Boden unter den Füßen weg.«
Dass der Jahresabschluss 2023 dem Gemeinderat indes erst Ende 2025 vorgelegt wurde, ist nicht ungewöhnlich. Das Gremium bestätigte das Zahlenwerk einstimmig. Langsamer ist übrigens auch die Gemeindeprüfungsanstalt, die Kämmerer Schmeckenbecher erklärte. Diese prüft derzeit die Nehrener Haushaltsjahre 2019 bis 2023. (GEA)

