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Rauchen: Verführung ist nicht mehr so groß

TÜBINGEN. Rauchen ist uncool geworden. Vor zehn Jahren hat noch fast jeder Dritte der Zwölf- bis 17-Jähringen regelmäßig zur Zigarette gegriffen. Im vergangenen Jahr war es nur noch jeder Achte. Auch bei den älteren Rauchern setzt sich der Abwärtstrend durch. Dabei ist der Rückgang bei rauchenden Gymnasiasten besonders hoch. Anil Batra, Leiter der Abteilung für Suchtmedizin und Suchtforschung an der Tübinger Uniklinik, führt das auf ein größeres Gesundheitsbewusstsein zurück.

Aufklärung, die Reduzierung der Zigarettenwerbung und die hohen Tabakkosten haben bei Jugendlichen zu einem Rückgang des Rauchen
Aufklärung, die Reduzierung der Zigarettenwerbung und die hohen Tabakkosten haben bei Jugendlichen zu einem Rückgang des Rauchens geführt. Foto: Gerlinde Trinkhaus
Aufklärung, die Reduzierung der Zigarettenwerbung und die hohen Tabakkosten haben bei Jugendlichen zu einem Rückgang des Rauchens geführt.
Foto: Gerlinde Trinkhaus
Cool zu sein und der Freundeskreis bestimmen in erster Linie das Handeln Jugendlicher. Und Rauchen hatte in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch die Werbung ein positives Image. Dass der Zigarettenkonsum nicht mehr als cool empfunden wird, hat mehrere Gründe, weiß Batra: Aufklärung, die Reduzierung der Zigarettenwerbung und die hohen Tabak-Kosten. Das Zusammenspiel dieser Faktoren habe zu einer Abnahme der Zahl jugendlicher Raucher geführt.

Rauchen ist teuer geworden. Das trifft sozial Schwache und Konsumenten ohne eigenes Einkommen wie Jugendliche am stärksten. Bei jungen Menschen sind in den vergangenen Jahren außerdem andere Dinge interessant geworden, die zum Coolsein beitragen. Darunter vor allem Smartphones, die für Freiheit und Unabhängigkeit stehen.

Ein weiterer Grund für die sinkende Zahl an Rauchern sind die Nichtraucherschutzgesetze, die unter anderem das Rauchen in Gaststätten und Kneipen verbieten. »Rauchen ist längst nicht mehr so cool, wenn man dazu aufstehen und in eine unattraktive Ecke gehen muss«, weiß der Suchtforscher.

Prävention spielt große Rolle

Die Form der Prävention in den Schulen spielt ebenfalls eine große Rolle. Abschreckung ist dabei nicht mehr der Hauptinhalt. Früher wurden Schüler mit Bildern einer Raucherlunge geschockt. Das hielt aber nicht lange an. Programme wie »Be smart, don’t start« seien sehr viel wirkungsvoller, so Batra. Der vor 15 Jahren initiierte Wettbewerb ist für sechste bis achte Schulklassen konzipiert. Viele Jugendliche beginnen in diesem Alter, mit dem Rauchen zu experimentieren.

Die Regeln des Wettbewerbs sind einfach: Mindestens 90 Prozent der Schüler einer Klasse entscheiden sich für die Teilnahme und verpflichten sich, ein halbes Jahr lang nicht zu rauchen. Wenn mehr als zehn Prozent der Schüler in einer Klasse rauchen, scheidet die Klasse aus dem Wettbewerb aus. Die Schulklassen, die ein halbes Jahr lang rauchfrei waren, nehmen an einer Lotterie teil, bei der Geld- und Sachpreise verlost werden. Der Hauptpreis ist eine Klassenreise.

Das Programm »Klasse 2000« wurde 1991 entwickelt und fördert die positive Einstellung von Grundschulkindern zur Gesundheit und vermittelt Wissen über den Körper. Bewegung, gesunde Ernährung und Entspannung sind ebenso wichtige Bausteine von Klasse 2000 wie der Umgang mit Gefühlen und Stress, Strategien zur Problem- und Konfliktlösung. So unterstützt das Programm die Kinder dabei, ihr Leben ohne Suchtmittel, Gewalt und gesundheitsschädigendes Verhalten zu meistern. »Es ist sinnvoll, so früh schon mit der Prävention anzufangen«, sagt Batra. Ein niedriges Einstiegsalter erhöhe die Gefahr einer späteren Abhängigkeit.

Bessere Werbung gegen Rauchen

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Raucher ist, dass die Zigaretten-Werbung nicht mehr überall präsent ist. Die Verführung hat abgenommen. Zeitgleich ist die Werbung gegen das Rauchen sehr viel besser geworden.

In den 90er-Jahren hat es schon einmal einen Rückgang von 30 auf 20 Prozent an jugendlichen Rauchern gegeben. Der Anteil ist dann allerdings wieder angestiegen. »Manche Strömungen sind nicht zu erklären, da eine Kontinuität von Studien nicht möglich ist«, sagt Batra. »Auch jetzt besteht die Gefahr, dass der Rückgang nur vorübergehend ist.« Der seiner Ansicht nach beste Grund nicht zu rauchen: »Es ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko.« (GEA)