DETTENHAUSEN. Mehr als drei Jahrzehnte hatte Dettenhausen, was sonst kein Ort zu bieten hat: eine Polizeidienststelle mit angeschlossenem Museum – in dieser Kombination einzigartig in Deutschland. Nach Umzug des Polizeipostens und Renovierung der Räume im Alten Rathaus wird die historische Sammlung nun neu präsentiert. Zu sehen sind unzählige Objekte – und das Spektrum reicht über mehr als anderthalb Jahrhunderte zurück bis ins Jahr 1857.
Wer das Gebäude betritt, ist gleich mittendrin in der Historie. Eine Fotogalerie macht anschaulich, was sich in der Zwischenzeit so alles verändert hat im Erscheinungsbild. Und aus dem Nachbarraum grüßen ein Dutzend lebensgroße Modelle, korrekt ausstaffiert von der Mütze bis zur Sohle.
In Vitrinen findet sich Rätselhaftes wie die Tasche mit allem, was man 1970 so für die Spurensicherung brauchte, aber auch alte Uniformen und Modelle von Fahrzeugen. Die komplette Zweiradserie von Hersteller NSU ist ebenfalls vertreten. »Die sind in Tübingen auf den Straßen unterwegs gewesen«, sagt Bernhard Strobel.
Der Polizeioberkommissar hat 1988 angefangen, erste Objekte auszustellen. und seine Sammlung ist stetig gewachsen. Seit 2022 ist er pensioniert. Und wer sich umschaut, merkt: Hier hat einer seine Sammelwut gut eingesetzt.
Von Abzeichen bis Handschellen
Der 65-Jährige und seine Frau Karin kennen viele Geschichten. Besucher, die einzelne Stücke bestaunen, werden von den Strobels und Thomas Schnepf mit allen notwendigen Details versorgt. Ob es um den Beamten geht, der König Wilhelm II. von Württemberg und seine Frau Charlotte nach der Abdankung in Bebenhausen »bewacht« hat oder um das Stempelset zur Unfallskizze, das den Beamten Arbeit abnahm, weil sie Fahrzeuge nicht mehr einzeichnen mussten.
Wer tief in die Materie einsteigen mag, kann sich verlieren: unzählige Abzeichen vergleichen und verschiedene Handschellen, oder ein monströses Funkgerät in Augenschein nehmen, das in den 1980ern noch in Gebrauch war und neben dem heutige Smartphones putzig wirken.
Strobel hat vieles zusammengetragen, was die Polizei in Baden-Württemberg und Deutschland so gebraucht hat. Aber er hat sich in seiner Leidenschaft nicht darauf beschränkt. Im Raum mit den Fahrzeugen stehen auch ein Highway-Cop aus den USA und ein Mounty aus Kanada. Am Beispiel des Mannes von der Royal Canadian Mounted Police lässt sich auch gut illustrieren, wie zielstrebig Strobel vorgeht. Die rote Paradeuniform hat er nicht einfach von einem Kollegen erhalten. Erst durch mehrere Kontakte und seine Hartnäckigkeit bekam er Stück für Stück, was alles dazugehört.
Wie viele Objekte insgesamt zu sehen sind, kann der ehemalige Polizist nicht sagen. »Wir sind erst dabei, eine Inventarliste zu erstellen«, sagt Ehefrau Karin. Einiges lagere ja auch noch in Kartons und könne für Wechselausstellungen hervorgeholt werden. (GEA)
POLIZEIMUSEUM
Das Polizeimuseum befindet sich im Alten Rathaus in Dettenhausen (Störrenstraße 8). Direkt gegenüber finden Besucher das Schönbuchmuseum. Bis 16. November ist jeweils am ersten und dritten Sonntag des Monats von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Besichtigungen mit größeren Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten nach Vereinbarung möglich (Kontakt per Mail). (-jk) polizeimuseum@dettenhausen.de

