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PKS Gomaringen: Weniger Vermögens-, aber mehr Rohheitsdelikte

Gomaringens Polizeichef Hans Usenbenz hat bei der jüngsten Gemeinderatssitzung die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) vorgestellt - bezogen auf die Wiesaz-Gemeinde. Darin steht: Die Straftaten sind im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft angestiegen. Ein Grund zur Sorge sei das allerdings nicht.

Mehr Blaulicht in Gomaringen: Laut Kriminalstatistik sind die Straftaten innerhalb eines Jahres um rund 37 Prozent stark angesti
Mehr Blaulicht in Gomaringen: Laut Kriminalstatistik sind die Straftaten innerhalb eines Jahres um rund 37 Prozent stark angestiegen. Foto: Daniel Karmann/dpa
Mehr Blaulicht in Gomaringen: Laut Kriminalstatistik sind die Straftaten innerhalb eines Jahres um rund 37 Prozent stark angestiegen.
Foto: Daniel Karmann/dpa

GOMARINGEN. Auf den ersten Blick hatte Hans Usenbenz keine guten Zahlen im Gepäck. »Bei Straftaten haben wir einen sprunghaften Anstieg im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen«, eröffnete Gomaringens Polizeichef bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Insgesamt 220 Straftaten seien laut der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) im vergangenen Jahr in der Wiesaz-Gemeinde festgestellt worden - und damit 59 mehr als noch im Jahr 2023, was einem Plus von 36,6 Prozent entspricht. Trotzdem ließ sich Usenbenz nicht nehmen, Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl zu zitieren: »Nirgendwo lebt's sich so sicher, wie im Süden der Republik.«

Innerhalb der Straftatbestände haben sich die Rohheitsdelikte - also Taten, die sich gegen die körperliche Unversehrtheit des Menschen richten - nahezu verdoppelt: von 22 auf 42. »Woran das liegt, ist schwer zu sagen«, so der Polizeichef - und gab gleichzeitig zu bedenken, dass auch Bedrohungen darunter fielen, die immerhin knapp ein Viertel der Delikte ausmachten.

Nur die Vermögensdelikte sinken

Auch wurde in der Wiesaz-Gemeinde im vergangenen Jahr mehr geklaut: 54 Mal wanderten Wertsachen und andere Waren in die Taschen der Diebe - was 19 Delikte mehr als noch im Jahr 2023 waren. Gesunken sind lediglich Straftaten im Bereich der Vermögensdelikte, von 36 auf 29. Allein 19 davon sind dem Betrug zuzuordnen.

Sachbeschädigungen sind ebenfalls angestiegen. 32 Fälle zählte Usenbenz auf, im Jahr davor waren es noch 21 gewesen. »Insbesondere Graffiti kann man hier hervorheben.« Dazu kommen zerkratzte Autos - der Polizeichef erwähnte hier eine Häufung bei SUVs - sowie das Zerstechen von Autoreifen. Apropos Autos: »Man sollte nicht glauben, wie viele Pkw nachts nicht abgeschlossen sind«, sagte Usenbenz. Anlass für diese Aussage war die Feststellung, dass jüngst eine Diebesgruppe mehrfach und speziell unverschlossene Autos nach Wertsachen durchsucht hatte.

Ein Mensch starb bei einem Unfall

Die Verkehrsunfälle hingegen sind nahezu unverändert geblieben - von 60 auf 61 gab es 2024 nur eine minimale Abweichung. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, ein Mensch starb. »Dieser Tod schmerzt und macht traurig«, sagte Bürgermeister Steffen Heß, ohne den Fall klar zu benennen. Bei der knappen Hälfte der Unfälle flüchteten die Verursacher vor Eintreffen der Polizei. »Das könnten ein paar weniger sein«, sagte Usenbenz. Verwarnungen im Straßenverkehr mussten insgesamt 114 von den Beamten ausgesprochen werden.

Die Zahlen mögen im ersten Moment erschrecken. Betrachtet man die Entwicklung allerdings über mehrere Jahre - und erst dann lassen sich signifikante Aussagen zu einer Kriminalitätsentwicklung treffen - versinkt Gomaringen nicht im Sumpf des Verbrechens. Zwar steige der Fünf-Jahres-Durchschnitt leicht an, wie Usenbenz hervorhob. »Aber bei der Häufigkeitszahl - also der Kriminalitätsbelastung gerechnet auf 100.000 Einwohner, um die Kommunen und Kreise vergleichbar zu machen - liegt mit rund 2.400 im Mittelfeld zu den Verbandsgemeinden.« Zum Vergleich: Im ganzen Landkreis, der eine der niedrigsten Kriminalitätsbelastungen in ganz Deutschland hat, liege die Häufigkeitszahl von Verbrechen bei rund 3.800, wie Usenbenz betonte.

Die Krux mit der Statistik

Die Polizeiliche Kriminalstatistik PKS ist in ihrer Aussagekraft umstritten. »Die verbreitete Einschätzung, dass die PKS das Kriminalitätsgeschehen widerspiegelt, ist falsch«, schreibt der Tübinger Kriminologe Jörg Kinzig, der ausgiebig zu den Themenfeldern Verbrechen und Strafe forscht. Sie drücke nicht die Wirklichkeit aus, sondern nur das, was tatsächlich bei der Polizei lande.

Dadurch könnte es beispielsweise sein, dass in einem Jahr deutlich mehr betrunkene Fahrer erwischt werden. Aber die Anzahl könnte gar nicht zugenommen haben - sondern die Polizei hat lediglich die Kontrollen verdoppelt und mehr aus dem Verkehr gezogen.

Der Forscher, der das Institut für Kriminologie der juristischen Fakultät an der Uni Tübingen leitet, hat gute Nachrichten: »Wir haben über einen längeren Zeitraum betrachtet - wenn man zehn oder 20 Jahre zurückgeht - keine dramatische Kriminalitätsentwicklung.« Deshalb dürfe man nicht den Teufel an die Wand malen, wenn es jährliche Ausreißer nach oben gebe. (pru)

Der Polizeichef hatte zudem weitere gute Nachrichten. Auch die Aufklärungsquote der Gomaringer Polizei stieg deutlich an. »Rund 66 Prozent - das ist gar nicht so schlecht«, befand er. Das Innenministerium gebe 60 Prozent als realistisches Ziel vor, da liege man also deutlich drüber. Zudem gab es im vergangenen Jahr keine Straftat gegen das Leben - also weder Totschlag noch Mord.

Und auch eine weitere Besonderheit der PKS muss laut Usenbenz beachtet werden: Bei den 113 Tatverdächtigen - wovon 69 Männer waren - können einzelne durchaus mehrere der 220 Straftaten begangen haben. »Das Verbrechen ist männlich«, kommentierte der Polizeichef.

Kritische Einordnung der PKS

Die Gemeinderäte nahmen die Ausführungen von Usenbenz aufmerksam zur Kenntnis. Petra Rupp-Wiese von der Grünen Liste nutzte die Gelegenheit, um die PKS kritisch einzuordnen. »Man muss sich grundsätzlich darüber im Klaren sein, was die PKS ist: ein Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der Polizei.« Nur, weil eine Straftat erfasst werde, heiße das nicht automatisch, dass auch ein juristisches Urteil gefällt werde. »Auch erfasst die Statistik nur das Hellfeld - also die Verbrechen, die angezeigt oder von der Polizei bearbeitet werden.« Dahinter - im Fachjargon gegensätzlich dazu Dunkelfeld genannt - könne »noch ordentlich was liegen«.

Auch der scheinbar sprunghafte Anstieg bei den Ladendiebstählen sei mit Vorsicht zu genießen, so die Gemeinderätin. »Da vergleichen wir die Zahlen mit den Corona-Jahren - klar, dass da die Ladendiebstähle geringer waren.« Und was die 39 nicht-deutschen Täter angehe, die separat in der PKS aufgeführt sind: »Die Kategorie heißt nicht, dass es Ausländer sein müssen, die bei uns leben.« In der Gruppe werden ebenfalls Touristen und marodierende Tätergruppen, die extra anreisen, gezählt - also auch Nicht-Gomaringer. »Ich erwähne das ausdrücklich, weil wir wissen, was alles auf die Migration geschoben wird«, schloss Rupp-Wiese. (GEA)