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PCB-Belastung an der Bästenhardtschule: Keine Panik

Die Gebäude rechts des unteren Schulhofes der Bästenhardtschule sind aufgrund der PCB-Belastung derzeit nicht nutzbar.
Die Gebäude rechts des unteren Schulhofes der Bästenhardtschule sind aufgrund der PCB-Belastung derzeit nicht nutzbar. Foto: Alexander Thomys
Die Gebäude rechts des unteren Schulhofes der Bästenhardtschule sind aufgrund der PCB-Belastung derzeit nicht nutzbar.
Foto: Alexander Thomys

Erst Ende Juni berichteten wir über die Forschung der Uni Tübingen in Sachen PFAS. Eine sogenannte Ewigkeitschemikalie, die droht, das Grundwasser zu kontaminieren. Nun machen Polychloride Biphenyle an einer Mössinger Schule Schlagzeilen. Letztere sind eine weitere Sünde der Vergangenheit, die Verwendung der Weichmacher im Bau ist seit 1978 verboten. Es ist wie so oft: Zunächst gelten neue Chemikalien als Wundermittel, die Konsequenzen tragen spätere Generationen. Unbedenklich ist fast keiner dieser Stoffe, praktisch dagegen sind sie allesamt. Jetzt ist guter Rat sprichwörtlich teuer. In Mössingen dürfte es auf einen Neubau hinauslaufen, denn neben der PCB-Belastung wurde in der Verkleidungen der Toiletten noch Asbest gefunden. Zwar ist dieser – früher beliebte – Baustoff inzwischen verboten, und Asbest, gebunden in den Platten, nicht gefährlich, aber wirklich wohlfühlen werden sich mit diesem Wissen weder Lehrkräfte noch Eltern.

Deshalb ist auch die Bitte der Eltern verständlich, in den weiteren Schulgebäuden Messungen nach Luftschadstoffen durchzuführen. Zumindest in den Gebäuden, die vor dem PCB-Verbot gebaut wurden. Auf Zufallsfunde wollen sich die beunruhigten Eltern nicht verlassen. Der Verweis von Baubürgermeister Martin Gönner, solche »anlasslosen« Untersuchungen seien zu teuer, stieß bei den Eltern auf wenig Verständnis. Und bei aller Transparenz, die die Stadt an den Tag legte: Es ist verständlich, dass die besorgten Eltern nun Sicherheit in Messwerten suchen. Immerhin: Das Hauptgebäude der Bästenhardtschule stammt aus den 1980ern, die Friedrich-List-Gemeinschaftsschule ist frisch saniert und das Quenstedt-Gymnasium eine »Dauerbaustelle«, wie es Gönner formulierte. Die Zahl der nötigen Messungen, um die Eltern zu beruhigen, dürfte sich also in Grenzen halten.

Grund zur Panik gibt es aber keinesfalls. So verwies Dr. Oliver Piehl vom Gesundheitsamt auf das Stillen: So haben gestillte Babys eine doppelt so hohe PCB-Belastung wie Kinder, die mit der Flasche ernährt werden. Dennoch wird das Stillen von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen, da die Vorteile deutlich überwiegen: etwa durch die Stärkung des kindlichen Immunsystems durch die Muttermilch. Jeden Kontakt zu Schadstoffen wie PCB oder PFAS zu vermeiden, ist in unserer Zeit reines Wunschenken. 

alexander.thomys@gea.de