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Orchester des Harmonika Clubs Mössingen beim Jahreskonzert völlig losgelöst

Über 400 Besucher kamen am Samstag in die Aula des Quenstedt-Gymnasiums. Das Orchester wartete mit vielen akustischen Schmankerln aus zahlreichen Genres auf.

Viktor Oswald dirigierte und das Orchester des Harmonika Clubs Mössingen folgte - und lieferte ein großartiges Jahreskonzert.
Viktor Oswald dirigierte und das Orchester des Harmonika Clubs Mössingen folgte - und lieferte ein großartiges Jahreskonzert. Foto: Michael Sturm
Viktor Oswald dirigierte und das Orchester des Harmonika Clubs Mössingen folgte - und lieferte ein großartiges Jahreskonzert.
Foto: Michael Sturm

MÖSSINGEN. Das jährliche Konzert des Harmonika Clubs Mössingen in der Aula des Quenstedt-Gymnasiums ist ein Höhepunkt im Kultur-Kalender der Stadt Mössingen. Das von Viktor Oswald geleitete Orchester bot am Samstag zum wiederholten Mal einen Konzert-Genuss voller Melodien vor allem aus dem Bereich der unterhaltenden Musik. Wie in den vergangenen Jahren führte Matthias Tauch durch das Programm.

Präzision, Dynamik, Qualität: Dirigent Viktor Oswald formt sein Ensemble mit Hingabe. Das wird honoriert: Am Samstag kamen über 400 Besucher. Und das nicht nur, wie Zuhörerin Christine Henes in der Pause explizit betonte, weil man hingeht, wenn in Mössingen etwas los ist.

Spielkunst und Musikauswahl waren erneut herausragend

Neben der reinen Spielkunst des Ensembles liegt es auch an Viktor Oswalds Händchen für die Auswahl populärer Melodien, die zu seinem Orchester passen. Dabei spielt der Name Jacob de Haan stets eine Rolle: Der Orchester-Komponist aus der friesischen Stadt Heerenveen in den Niederlanden schuf in den letzten Jahrzehnten unzählige Werke, in welchen er Unterhaltungsmusik und ernste Musik zu einem einzigartigen Stil zusammen mischt.

Kompositionen von de Haan eignen sich besonders gut für den Auftakt von Konzerten, weil in ihnen gleich alle Register eines Orchesters gefordert sind. Das gilt auch und besonders für »Concerto d’Amore«, mit dem das Ensemble am Freitag sein Konzert eröffnete. Das Werk wird gerne bei Hochzeiten gespielt. Die einleitende Maestoso klingt wie eine Ouvertüre aus der Barockmusik. Dieser folgt eine Passage aus energiereichem Pop, hin zu einem Adagio, zuerst im Swing-Stil, dann, zum Ende des Stücks, in einem anderen Gewand.

Gelungener Gastauftritt des Frauenchors Bel'Achord

Nach zwei Gassenhauern, der Pop- und Jazz-Standard »Just a Gigolo«, sowie »Macavity« aus dem Musical Cats, ehrte Vorstand Thomas Schneemann verdiente Mitglieder des Harmonika Clubs Mössingen: Hubert Binder und Thomas Mohl sind seit 40 Jahren als passive Mitglieder dabei. Eine Ehrung des Deutschen Harmonika-Verbands gab es für Karin Tonn, die im Orchester das Elektronium spielt und darüber hinaus seit 2005 als Notenwartin und Mitglied des Vereinsausschusses fungiert: Sie wurde für 20 Jahre im Ehrenamt ausgezeichnet.

Anschließend gab der jüngst in Belsen gegründete Frauenchor Bel’Achord einen Gastauftritt. Leiter Johannes Söllner, der als Pianist und Ansager auftrat, stellte ein Programm zusammen, in dem »seine« Frauen all ihre Leidenschaft auf die Bühne brachten. Auch hier stimmte die Mischung aus Pop (»California Dreaming«), Schlager (»Que Sera«), Ballade (»Die Rose«) und Soul (»I will follow him«). Mit dem in einander verwobenen Zugaben-Doppel »Der Mond ist aufgegangen« und »Sweet Dreams« von den Eurythmics gelang ein besonders guter Dreh, das Publikum zu begeistern.

Nach der Pause zog dann wieder das Harmonika-Orchester seine Zuhörerschaft in den Bann. Schlagzeuger Philipp Schneemann, der auch den Frauenchor unterstützt hatte, und Keyboarder Andre Sartorius legten die rhythmische Grundlage für die melodischen Feinheiten der anderen Ensemble-Mitglieder, die nun allesamt zu Höchstform aufliefen. Das begann mit den fünf musikalischen Stilarten, die im Queen-Meisterwerk »Bohemian Rhapsody« zusammengefasst sind.

Nach der Pause drehte das Ensemble erneut auf

Dieses Stück und die später folgende Titelmelodie des Musicals »Cabaret« wurden von Hans-Günther Kölz aus Esslingen bearbeitet, den Viktor Oswald als seinen Lieblings-Arrangeur bezeichnet. Dazwischen spielte das Orchester die »Sinfonia per un addio« von der in den 1980er-Jahren populären Gruppe Rondo Veneziano, die damals Barockmusik und Pop sehr erfolgreich miteinander verschmolzen hat.

Es folgten noch populärere Titel: »Zorba’s Dance« von Mikis Theodorakis ist nicht nur ein Dauerbrenner, es transportierte den Sirtaki als klassisch griechischen Sound aus seiner Heimat in die ganze Welt. Und an »Major Tom«, dem Meisterwerk des Stuttgarter Sängers Peter Schilling, kommt ohnehin niemand vorbei, der Spielen der deutschen Fußball-Nationalelf zuschaut: Da wird es immer nach Toren eingespielt und mitgesungen. Das begeisterte Publikum in Mössingen forderte anschließend vom Orchester lautstark Zugaben und bekam sie auch. (GEA)