OFTERDINGEN. Einbiegen auf die B27 vom Weiherrain aus? Für viele Autofahrer eine Geduldsprobe. Wer nach links Richtung Tübingen und Dußlingen will, muss erst die Spur überqueren, die in den Ort hinein und Richtung Hechingen führt - und zusätzlich eventuelle Abbieger in den Weiherrain im Auge haben, die den Weg kreuzen würden. Das kann dauern, bis sich da eine Lücke auftut. Mancher hat ein mulmiges Gefühl, wenn er meint, dass der Abstand zwischen den Autos endlich groß genug ist, und er es wagt, von der Bremse aufs Gaspedal zu wechseln. Denn diejenigen, die aus dem Ort kommen, beschleunigen spätestens ab dem Ortsschild von 50 auf 70 Stundenkilometer - und nähern sich mit dieser Geschwindigkeit der Stelle, an der der Weiherrain auf die B27 trifft.
Im Rathaus ist das Problem bekannt. Hauptamtsleiter Alexander Schwarz weiß, dass sich immer wieder Leute erkundigen, ob man das Problem nicht mit einer Ampel aus dem Weg schaffen könnte. Der Verkehr auf der B27 müsste anhalten, die Autofahrer, die zum Beispiel vom Penny-Markt kommen, bekämen Grün und könnten sicher einbiegen. »Es gibt immer wieder solche Klagen«, bestätigt Schwarz.
Aufwendiges Gutachten nötig
Verwaltung und Gemeinderat haben in der Vergangenheit auch Vorstöße unternommen, um die Sache mit einer Ampel zu regeln. Vergeblich. Die Verkehrsbehörden stellen nicht einfach eine Lichtzeichenanlage hin, wie das im Amtsdeutsch heißt. Sie wollen davor genau geprüft wissen, wie die Auswirkungen sein werden.
Verlangt wird ganz konkret ein aufwendiges Gutachten, das alle Aspekte berücksichtigt. Das ist teuer. Bisher hat man in Ofterdingen davor zurückgeschreckt. Schon allein deswegen, weil man nicht weiß, ob das Gutachten so günstig ausfällt, das die Behörden ihren Widerstand wirklich aufgeben.
Staus in beide Richtungen
Ein Blick auf die Verkehrsbelastung zeigt, dass die Sache viele Autofahrer betrifft. Täglich sind an dieser Stelle insgesamt etwas mehr als 25.000 Auto unterwegs. Zu Stoßzeiten bilden sich lange Schlangen. Aus Richtung Dußlingen geht's dann im Stop-and-Go nach Ofterdingen und durch den Ort hindurch. Und zwar ab Ende des Ausbaus, wo sich die Fahrbahn von zwei auf eine Spur verengt. Klar, dass diese Verkehrsteilnehmer wenig Verständnis hätten, wenn es wegen eines zusätzlichen Stops an einer Ampel noch etwas langsamer vorwärts ginge.
In der Gegenrichtung bilden sich zu bestimmten Tageszeiten ebenfalls lange Staus. Wer aus Mössingen oder Hechingen kommt, fährt ebenfalls Stoßstange an Stoßstange auf Ofterdingen zu und durch den Ort hindurch. Nur nachts und außerhalb des Berufsverkehrs fließt der Verkehr. Das sind auch die Zeiten, wo es den Autos aus dem Weiherrain vergleichsweise einfach gelingt, nach links auf die B27 zu wechseln, weil sich entsprechende Lücken im Verkehrsfluss auftun.
Zwei weitere neuralgische Punkte
Nach Auskunft des Rathauses ist zumindest vorerst kein neuer Antrag geplant. Die Einführung von Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt vor einem Jahr wegen Lärmschutz scheint die Situation nicht groß verändert zu haben.
Schwarz macht darauf aufmerksam, dass es weitere neuralgische Stellen gibt, die immer wieder Anlass für Klagen aus der Bevölkerung sind. Wo die Endelbergstraße an ihrem Ende auf den Mössinger Nordring trifft, verkehren zwar viel weniger Autos, aber das Abbiegen ist ebenfalls nicht ohne, weil die Autos auf dem Nordring flott unterwegs sind. Dort sieht man hin und wieder, dass ein Autofahrer, der keine Lücke findet, sich anderweitig behilft: Indem er aussteigt, auf die Fußgängerampel drückt und dann losfährt, wenn der Verkehr auf dem Nordring kurz zum Stillstand kommt.
Nummer drei in der Ofterdinger Wunschliste nach einer Verbesserung beim Abbiegen ist die Ecke Mössinger Straße/L 385 von und nach Mössingen. Auf Höhe des McDonald's ist das Verkehrsgeschehen nicht ganz unproblematisch. »Das ist ebenfalls ein großes Thema«, heißt es im Ofterdinger Rathaus. Die Verkehrsbelastung dort ist beträchtlich. Zwischen dieser Stelle und dem Knoten der B27 sind täglich rund 13.350 Autos unterwegs.
Vorbild Bad Sebastiansweiler?
Bisher hat noch keine Fraktion im Gemeinderat angekündigt, die Sache wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Zumal die geplante Verlegung der B 27 - vierspuriger Ausbau auf der Endelbergtrasse - die Situation im Ort dauerhaft komplett verändern würde. Und mit drei neuen Ampeln für Ofterdingen rechnet im Ernst niemand. Aber in Bad Sebastiansweiler ist die Lage durchaus vergleichbar. Dort ist das Einbiegen auf die B 27 mit einer Ampel geregelt - wo, wie sich das mancher Ofterdinger für den Weiherrain wünschen würde. (GEA)

