OFTERDINGEN. »Ich hätte gerne, dass der Kindergarten gar nichts kostet.« Für diesen Satz erntete Gemeinderat Hans-Otto Möck (FWV) anhaltenden Applaus. Das »aber« hing jedoch schon in der Luft, beziehungsweise war von anderen Mitgliedern des Gemeinderates bereits ausgesprochen worden: Der Gemeinde Ofterdingen bleibt nichts anderes übrig, nicht nur Gebühren für Kitas und Kindergärten von den Eltern zu verlangen, sondern diese nun auch zu erhöhen.
Das liegt hauptsächlich an der Haushaltslage: Ofterdingen erwartet ein Defizit von 2,3 Millionen Euro für nächstes Jahr. Zum einen werden die Einnahmen aus der Gewerbesteuer nicht mehr üppig sprudeln. Zum anderen erhöhen sich die Ausgaben der Gemeinde für das kommende Jahr signifikant, hauptsächlich durch den zuletzt stark gestiegenen Gehaltstarif für Gemeinde-Angestellte. In den Kitas und Kindergärten beschäftigt Ofterdingen 80 Erzieherinnen. Für kommendes Jahr wird mit 326 Kindern gerechnet, die in einer Ofterdinger Einrichtung betreut werden.
Das Haushaltsdefizit überschattet alles
Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung hatte die Ofterdinger Verwaltung den Tübinger Kommunalberater Peter Heyder damit beauftragt, eine Kalkulation für eine Nutzung der Ofterdinger Kitas und Kindergärten von 2025 bis 2027 herauszuarbeiten. Er ging von fünf kommunalen Kinderkrippen aus, in denen Kinder bis zum Alter von drei Jahren betreut werden. Die Kosten umfassen nicht nur die Gehälter der Betreuer, auch Material, Reinigung und Verwaltung. Diese Kalkulation stellte er nun im Gemeinderat vor.
Eine Alternative zur Erhöhung der Nutzungsgebühren für die Kinderbetreuungseinrichtungen der Gemeinde ist demnach nicht vorhanden. Bisher machten die Abgaben der Eltern 13,63 Prozent der Gesamtkosten aus. Den Rest, rund 2,25 Millionen Euro, schulterte die Gemeinde. Hauptamtsleiter Alexander Schwarz betonte: »Ohne angemessenen Beitrag der Eltern geht es nicht. Unser Ziel ist ein Kostendeckungsgrad von 20 Prozent.« Zunächst wolle man die Nutzungsgebühren schrittweise auf 16 Prozent anheben.
Die Gebühren sollen in Schritten angehoben werden
Das betrifft zunächst die Betreuung der Kleinkinder. Dafür sei zum 9. Januar 2026 ein Zwischenschritt geplant, um den Kostendeckungsgrad durch die Eltern auf 15 Prozent zu erhöhen. »Die anderen Gebühren bleiben unverändert«, so Schwarz. Und: »Der Gesamtelternbeirat wünschte sich eine Verschiebung der Gebührenanpassung. Das haben wir im neuen Satzungsentwurf berücksichtigt.«
Es entspann sich eine Diskussion darüber, an welchen Punkten gefeilt werden müsse, um vor allem Eltern von mehreren Kindern zu entlasten. Gemeinderat Martin Schüler (Grüne) sprach sich dafür aus, eine Abstimmung über die Satzungsänderungen zu vertagen: »Ich möchte zuerst die Einwohner hören.« Martin Lutz (CDU) wurde deutlich: Ohne eine Gebührenerhöhung drohe der Gemeinde »ein Fass ohne Boden. Ich finde, der Vorschlag der Gemeinde ist ein gangbarer Weg.«
Weitere Diskussionen nötig
Hans-Otto Möck (FWV) wies darauf hin, dass die Vorgaben für Kitaplatze und Gebühren vom Bund käme, die Bundesländer jedoch stellten eigene Regelungen über die Umsetzung auf. Es sei ein unfassbarer Aufwand für die Gemeinden, Kalkulationen aufzustellen. Möck fragte rhetorisch in die Runde: »Warum kann es keine einheitlichen Kindergartengebühren in Baden-Württemberg geben?«
Desirée Sallwey warnte angesichts einer überhöhten Gebührenanhebung davor, dass sich dies auf die Berufstätigkeit vieler Mütter auswirken könnte: Diese müssten eventuell ihre Arbeitszeit reduzieren und damit Gehaltsreduzierungen in Kauf nehmen. Die Fraktionsvorsitzende der SPD sagte: »Wir sehen die Notwendigkeit der Beitragserhöhungen und gehen schweren Herzens mit.«
Bürgermeister Simon Wagner wandte sich ans Publikum. Er verstehe das große Interesse. Angesichts der Themenlage seien weitere Diskussionen über die Satzungsänderungen nötig. »Aufgrund eines Rückstaus an Themen werden wir erst im Januar oder Februar darüber abstimmen können«, sagte der Schultes. (GEA)

