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Noch werden die Grenzwerte von PFAS-Rückständen in der Region eingehalten

Im Trinkwasser, im Grundwasser, in Lebensmitteln: PFAS-Rückstände finden sich überall.

Auch im Wasser aus dem Tübinger Mühlbach finden sich PFAS-Spuren.
Auch im Wasser aus dem Tübinger Mühlbach finden sich PFAS-Spuren. Foto: Philipp Förder
Auch im Wasser aus dem Tübinger Mühlbach finden sich PFAS-Spuren.
Foto: Philipp Förder

TÜBINGEN/REUTLINGEN. Dreizehn Stunden dauerte der Einsatz der Feuerwehren, als Anfang April neben dem Tübinger Hornbach-Baumarkt eine Lagerhalle brannte. Als ihr Job erledigt war, machten sich Mitarbeiter der Stadtwerke Tübingen an die Arbeit. Sie nahmen in unmittelbarer Nähe Proben vom Grundwasser und ließen sie auf PFAS untersuchen. Das Ergebnis war – noch – beruhigend. »Es konnten nur wenige Einzelstoffe und wenn im geringen Umfang nachgewiesen werden«, erklärt Dr. Ulrich Schermaul von den Stadtwerken.

Darüber hinaus seien aus dem Raum Tübingen keine Einzelereignisse bekannt, bei denen PFAS-Chemikalien ins Grundwasser gelangt sein könnten.

Das gilt auch für das Versorgungsgebiet der Reutlinger Fair-Energie. »In unserem Netzgebiet wurde bislang keine Kontamination festgestellt«, bestätigt Pressesprecher Klaus Leibfritz. Auch beim Trinkwasser »lagen alle bisherigen Messergebnisse unter den Grenzwerten«.

2023 wurde die Untersuchung des Trinkwassers auf PFAS verpflichtend. Dabei gibt es für die riesige Stoffgruppe zwei Summenparameter mit unterschiedlichen Grenzwerten, von denen der eine ab 2026, der andere ab 2028 eingehalten werden muss. Die Stadtwerke Tübingen untersuchen laut Ulrich Schermaul sowohl das aus den Brunnen im Neckartal entnommene Wasser als auch Trinkwasser an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet. Das Ergebnis: »Sämtliche Summenwerte liegen deutlich unter den Grenzwerten, und auch die Einzelwerte bewegen sich in der Regel unterhalb der Bestimmungsgrenze.« Im gesamten Kreis Tübingen, ergänzt das Landratsamt, würden die künftig geltenden Grenzwerte bereits heute eingehalten.

In Reutlingen und an der Ermsquelle gab es erhöhte Werte im Grundwasser

Während die Werte beim Trinkwasser weit unterhalb der Grenzen liegen, gab es beim Grundwasser nach Auskunft vom Landratsamt Reutlingen in den vergangenen Jahren zwei Punkte, in denen Werte höher als 100 Nanogramm - das sind 100 milliardstel Gramm - festgestellt wurden. 

Der erste wurde mit knapp über 100 Nanogramm im Jahr 2015 an der Ermsquelle gemessen. Bei weiteren Beprobungen in den Jahren 2016 und 2019 lag der Wert dann aber unter 10 Nanogramm.

Im zweiten Fall wurden 2019 im Rahmen einer landesweiten Untersuchung 411 Nanogramm an der Grundwassermessstelle Planie Weg-Bismarckstraße in Reutlingen festgestellt. Das war laut Landratsamt kein Einzelfall. Bei insgesamt fünf Probenahmen an dieser Stelle seien immer Werte in dieser Größenordnung gemessen worden. Die gute Nachricht: »Das Grundwasser im Stadtgebiet von Reutlingen eignet sich weder qualitativ noch mengenmäßig für die Trinkwasserversorgung.«

Ein effektiver vorbeugender Grundwasserschutz ist im urbanen Raum auch nur schwer zu erreichen. Defekte Kanäle, illegale Einleitungen, Altlasten, Havarien, Brände und ähnliche Belastungen würden ihre Spuren hinterlassen, betont das Landratsamt, das bei der Bewertung potenzieller Gefahren zu einer eindeutigen Einschätzung kommt: »Ein akuter flächenhafter Handlungsbedarf hinsichtlich der PFAS-Problematik ist wie auch im übrigen Landkreis nicht zu erkennen.«

Auch beim Trinkwasser gibt das Landratsamt Entwarnung. Fast alle Versorgungsunternehmen würden das Trinkwasser mindestens einmal im Jahr auf PFAS untersuchen. Die Ergebnisse lagen »weit unterhalb des zukünftig geltenden Grenzwerts von 0,0001 Milligramm pro Liter«.

 Im Rahmen der systematischen Altlastenbearbeitung wurden auch mögliche PFAS-Belastungen im Boden erfasst. Nach Aktenlage wurden dabei die im Bodenschutz- und Altlastenkataster erfasste Flächen sowie Löschschaumeinsätze untersucht und ausgewertet. Das Fazit: »Bisher durchgeführte altlasten- oder abfallrechtliche chemische Untersuchungen auf PFAS ergaben in den jeweiligen Einzelfällen keinen weiteren Handlungsbedarf.«

Insgesamt 70 Grundwassermessstellen beobachtet die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in den Kreisen Reutlingen und Tübingen. Hier waren in der Vergangenheit an einzelnen Punkten erhöhte PFAS-Konzentrationen nachweisbar, unter anderem auch im Stadtgebiet Reutlingen. Die bislang letzte Untersuchung war im Frühjahr dieses Jahres, aber die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Sie werden von der LUBW im Internet veröffentlicht.

Werte eher unbedenklich

Bei einer Untersuchung der Spurenstoffsituation in Kläranlagen wurden laut Regierungspräsidium Tübingen 2017 bei 35 Prozent der Zuläufe positive Befunde festgestellt. Die Eliminationsrate liegt bei knapp unter 40 Prozent, bei manchen PFAS-Verbindungen und konventioneller Klärtechnik bei nur 15 bis 30 Prozent.

Zum Schutz der Gesundheit hat die EU Höchstgehalte für vier PFAS-Verbindungen in Lebensmitteln eingeführt. Diese gelten unter anderem für Eier, Fischfleisch, Krebstiere und Muscheln sowie Fleisch und Schlachtnebenerzeugnisse von Rindern, Schweinen, Geflügel, Schafen und Wild.

Seit einigen Jahren wird laut Regierungspräsidium vermehrt über erhöhte Konzentrationen an Trifluoressigsäure (TFA) im Wasser berichtet. Für Lebensmittel gebe es hierfür aber bisher noch keinen spezifischen Grenzwert. Im vergangenen Jahr habe das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt 2.075 Obst- und Gemüseproben daraufhin untersucht. In 19 Prozent der Proben wurden TFA-Rückstände nachgewiesen, unabhängig von der Art des Anbaus und vom Herkunftsland. Diese Werte seien nach aktuellem Wissensstand aber als unbedenklich einzustufen.

Obwohl bei den einzelnen Werten jeder für sich nicht oder noch nicht problematisch ist, seien PFAS als Ewigkeitschemikalien bedenklich. »Deshalb«, betont Ulrich Schermaul, »befürworten die Stadtwerke auch eine Initiative der europäischen Wasserwirtschaft, die ein Verbot dieser Chemikalien fordert.« (GEA)