»Irgendwie geht uns hier etwas verloren«Die Stockacher Timmi Tillmann und Maruja Salas bauen mit an, Annette Möller und Barbara Zeppenfeld holen sich hier Kartoffeln. Gemeinsam wird inzwischen auf dem Feld gewerkelt. »Das ist eine schöne Arbeit, die große Freude macht«, erklärt Maruja Salas. Auch im Stall von Barbara Zeppenfeld, die vom Aussterben bedrohte Schafrassen hält oder im Hühnerstall einer Mitstreiterin aus Wankheim, die alte Rassen züchtet, wird zusammen angepackt. Gemeinsam werden Apfelbäume gepflegt, Wein gemacht und das Erwirtschaftete natürlich in vollen Zügen genossen.
Hinter der Gemeinschaft steht die Lebensanschauung des »Buen Vivir« wie sie indigene Andenvölker pflegen, deren Maßstäbe nicht Gewinnmaximierung und Wachstum sind, sondern ein »gutes Leben« im Einklang mit der Natur und ein solidarisches Wirtschaften. In Peru hat es die Natur sogar in die Verfassung geschafft: Seit 2008 ist ihr Recht hier verankert, Verletzungen werden geahndet.
»Irgendwie geht uns hier etwas verloren«, hält Timmi Tillmann mit Blick auf Monokulturen und sozialer Entfremdung fest. Und auch Jürgen Hirning spricht sich dafür aus, sich auf »den Weg zurück zu den Wurzeln der Vorfahren« zu begeben. Von diesen hat er seine Äcker und Wiesen geerbt und bewirtschaftet sie heute »um das Erbe zu bewahren« – und die Kenntnisse: Wie wird eine Zwiebel gesteckt, wie ein Baum geschnitten?
»Man muss das Recht haben, auch ganz anders leben zu können«»Schon im jüngsten Alter kann man das lernen«, erläutert Tillmann, der die Einseitigkeit der schulischen Ausbildung bedauert. Neben lesen, schreiben, denken, also reiner Kopfarbeit, sollte man ruhig auch mal mit den Händen in der Erde graben, pflichtet ihm seine Frau Maruja Salas, die aus Ecuador stammt, bei: »Sonst wird die sinnliche Seite des Körpers gar nicht entwickelt.« Wie gut es tut, mit Tier- und Umwelt in Kontakt zu sein, weiß die Bronnweilerin Barbara Zeppenfeld, die erst in der Schäferei Erlösung vom Tinnitus gefunden hat.
Nicht nur die Wertschätzung der Natur ist der Initiative ein Anliegen, auch die der Mitmenschen. Es sollte, da sind sich die Freunde einig, nicht die eine Kultur geben, unter die sich alle unterordnen müssen, sondern vielfältige Lebensstile. »Man muss das Recht haben, auch ganz anders leben zu können«, fordert Zeppenfeld. Wie das aussehen kann – die Fünf leben’s vor. Und sie machen einen ganz zufriedenen Eindruck, wie sie da so unter ihrer Linde sitzen. (GEA)

