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Aktuell Eröffnung

Neue Cafés und einen Gemischtwarenladen in Nehren

Trotz Corona gibt es in der Gemeinde zwei neue Cafés und einen Gemischtwarenladen

Stanka Eisele backt alle Kuchen selbst.  FOTOS: SAPOTNIK
Stanka Eisele backt alle Kuchen selbst. Foto: Nadine Sapotnik
Stanka Eisele backt alle Kuchen selbst.
Foto: Nadine Sapotnik

NEHREN. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Im Café von »Eisvogel Vintage« können die Besucher in die 1920er bis 60er reisen, das Café »Stanka’s« lädt zu Café und Kuchen im modernen Ambiente und Tanja Schmidt möchte mit ihrem Gemischtwarenladen zu einer nachhaltigeren Zukunft inspirieren. Alle drei Läden haben in den vergangenen Wochen und Monaten trotz Corona-Pandemie in Nehren eröffnet – und sind schon Teil des Lebens in der Gemeinde geworden.

- Reise in die 1920er: Eisvogel Vintage

Swing Musik erklingt aus den Boxen des alten Radios. Zwei Oldtimer glänzen um die Wette und auch die Möbel könnten sicherlich die eine oder andere Geschichte aus vergangenen Jahrzehnten erzählen. Wer das Café Eisvogel betritt, braucht nur wenige Schritte, bis er in der Zeit der 1920er bis 1960er Jahre zurückgereist ist. Seit Pfingsten betreibt Sandra Hellmuth gemeinsam mit ihrem Ehemann Olaf »Eisvogel Vintage«. Unten ist ein Café untergebracht, oben das Atelier, in dem Hellmuth Kleidung der Swing-Ära näht. »Wir wollen das positive Lebensgefühl dieser Zeit vermitteln«, sagt Sandra Hellmuth.

Tanja Schmidt bedient bei Oma Lore Sibylle Hofmann-Seitz und Roland Seitz, die bereits zu den Stammkunden gehören. Die beiden fi
Tanja Schmidt bedient bei Oma Lore Sibylle Hofmann-Seitz und Roland Seitz, die bereits zu den Stammkunden gehören. Die beiden finden immer irgendetwas. Foto: Nadine Sapotnik
Tanja Schmidt bedient bei Oma Lore Sibylle Hofmann-Seitz und Roland Seitz, die bereits zu den Stammkunden gehören. Die beiden finden immer irgendetwas.
Foto: Nadine Sapotnik

Deshalb legt die 51-Jährige auch viel wert auf ihre Produkte. »Unser Kuchen ist mit Liebe selbstgebacken, der Wein ist etwas Besonderes und bei uns gibt es ausschließlich Mutter-Kalb-Milch«, erklärt sie. Bei dieser Heumilch wird besonders darauf geachtet, dass die Kälbchen lange bei ihren Müttern bleiben können.

Sandra Hellmuth hatte die Idee zu dem Vintage Center. Schon seit einigen Jahren ist sie gemeinsam mit ihrem Mann in der Oldtimer-Szene unterwegs. Das Café soll nun ein Treffpunkt für die Anhänger dieser Zeit sein, aber auch für die Menschen ringsherum. Viele seien schon da gewesen, um sich für ein paar Stunden in die Vergangenheit entführen zu lassen. »Ich möchte damit versuchen, zwei Leben unter einen Hut zu bringen. Mein Privatleben und mein Arbeitsleben«, sagt die studierte Psychologin. Derzeit erlebe sie eine gewisse Entschleunigung als Café-Betreiberin und Inhaberin ihres Ateliers. Und eben dieses entschleunigende Gefühl möchte sie auch den Besuchern vermitteln.

Sandra Hellmuth möchte das Lebensgefühl der 1920er bis 1960er Jahre vermitteln.
Sandra Hellmuth möchte das Lebensgefühl der 1920er bis 1960er Jahre vermitteln. Foto: Nadine Sapotnik
Sandra Hellmuth möchte das Lebensgefühl der 1920er bis 1960er Jahre vermitteln.
Foto: Nadine Sapotnik

Wem es nicht ausreicht, einen Kaffee in diesem Flair zu trinken, für den bietet Hellmuth auch die passende Kleidung an. In ihrem Atelier fertigt sie Stücke aus hochwertigen Materialien und mit Original-Schnitten. »Mir gefällt besonders die Eleganz der Mode, der damaligen Zeit«, erklärt Hellmuth, die an diesem Tag einen Rock nach einem Schnittmuster aus den 30er Jahren trägt und eine rote Bluse, die an die 50er erinnert.

Geplant ist auch, dass im Eisvogel Veranstaltungen wie Konzerte oder Swing-Tanzkurse stattfinden. Wegen der Pandemie konnte Hellmuth diese Ideen bisher nicht umsetzen. Was aber bereits läuft, ist der Hörspielabend am Donnerstag. Um 19.30 Uhr wird ein Hörspiel aus vergangener Zeit aufgelegt. Die Gäste sind dazu eingeladen, dabei ein Glas Wein zu trinken und ein paar Kleinigkeiten zu essen.

- Im Jetzt bei Stanka’s

Stanka Eisele ist immer noch überwältigt. Sie kann kaum fassen, wie viele Stammkunden sie in den vergangenen Wochen bereits gewonnen hat. Anfang September hat die gebürtige Slowakin ihr Café an der Luppachstraße eröffnet. »Ich wollte eigentlich im Mai starten. Aber das hat wegen Corona nicht geklappt«, erzählt sie. Auf ihre Kaffeemaschine, die sie extra in Italien bestellt hatte, musste sie lange warten. »Vieles hat durch Corona ewig gedauert«, sagt sie. Aber nun gehe es voran.

Sandra Hellmuth möchte die Eleganz wieder auf die Straße bringen.
Sandra Hellmuth möchte die Eleganz wieder auf die Straße bringen. Foto: Nadine Sapotnik
Sandra Hellmuth möchte die Eleganz wieder auf die Straße bringen.
Foto: Nadine Sapotnik

Jeden Tag unter der Woche hat sie geöffnet. An sechs Tischen können die Gäste frischen Kaffee, selbstgebackenen Kuchen und Backwaren probieren, die Eisele bei einer Manufaktur in Stuttgart bestellt. »Mein Motto ist klein, aber fein«, sagt sie. Alle ihre Produkte seien regional oder selbstgemacht. »Die Tees sind auch alle selbstgetrocknet und aus der Slowakei«, sagt die 36-Jährige ein bisschen stolz.

Schon oft sei sie gefragt worden, wieso sie nicht auch am Wochenende öffne. »Das mit dem Backen ist eine Herausforderung. Ich mache schließlich alle selbst«, sagt Eisele. Deswegen möchte sie lieber erst einmal abwarten. »Was ich aber auch schon angeboten habe, sind Geburtstage bei mir im Café zu feiern. Dafür öffne ich dann auch extra.«

Buntes Angebot bei Oma Lore: Wohnaccessoires, Waschmittel oder Postkarten.
Buntes Angebot bei Oma Lore: Wohnaccessoires, Waschmittel oder Postkarten. Foto: Nadine Sapotnik
Buntes Angebot bei Oma Lore: Wohnaccessoires, Waschmittel oder Postkarten.
Foto: Nadine Sapotnik

In Nehren kommt das Konzept an. »Die Nehrener liegen mir wirklich am Herzen«, sagt Eisele, die seit fünf Jahren in der Gemeinde lebt. Viele kommen morgens jeden Tag auf einen Espresso vorbei. »Ein bisschen mediterranes Flair haben wir jetzt hier«, sagt Eisele und lacht. Wichtig ist ihr, dass sie keine Konkurrenz zum Schwanen ist oder auch zum Café »Eisvogel Vintage«. »Wenn ich hier nachmittags schließe, schicke ich die Gäste zu Eisvogel. Das klappt super«, sagt Eisele.

- Ein Schritt in die Zukunft: Oma Lore

Unverpackte Nudeln, nachhaltige Drogerieprodukte wie festes Duschgel oder Shampoo und auch Wohnaccessoires – das alles gibt es seit Anfang September im Gemischtwarenladen »Oma Lore« zu kaufen. Tanja Schmidt hat sich mit dem kleinen Laden an der Bahnhofstraße einen Traum verwirklicht.

Bei dem Konzept steht eines an erster Stelle: Die angebotenen Sachen müssen nachhaltig sein. Und dafür macht sich Schmidt oft lange auf die Suche nach den passenden Produkten. So ist sie auch auf eine Design-Manufaktur aus Amsterdam gestoßen, die zu 80 Prozent recyceltes Glas für Vasen, Krüge und anderes Geschirr verwendet. »Ich hatte die Idee zu dem Laden schon lange im Kopf. Aber ich hatte nie wirklich Zeit sie umsetzen – doch dann kam Corona«, erzählt die 45-Jährige, die Fraktionsvorsitzende der Nehrener SPD ist.

Ihr Brot bestellt Stanka Eisele bei einer Stuttgarter Manufaktur.
Ihr Brot bestellt Stanka Eisele bei einer Stuttgarter Manufaktur. Foto: Nadine Sapotnik
Ihr Brot bestellt Stanka Eisele bei einer Stuttgarter Manufaktur.
Foto: Nadine Sapotnik

In der Zeit des Lockdown ist Schmidt dem Verein »Unverpackt e.v.« beigetreten. »Dort haben ich richtig viel darüber erfahren und konnte mich auch inhaltlich mit den nachhaltigen Ideen auseinandersetzen.« So musste schließlich ihr Ehemann, der nebenan eine Schreinerei betreibt, sein Büro freimachen. »Im Leichtsinn hat er zu mir gesagt, wenn du das wirklich ernst meinst, dann räume ich das Büro«, erzählt Schmidt und lacht. Das neue Büro der Schreinerei ist nun in einem See-Container gleich nebenan untergebracht.

Dreimal unter der Woche öffnet Schmidt ihren Laden. »Ich kann mir auch vorstellen, in der Adventszeit mal an einem Samstag zu öffnen«, sagt sie. Und wenn jemand zu den Öffnungszeiten nicht kann, verspricht sie eine Lösung zu finden. Doch den Konsum in Nehren antreiben, das möchte sie auf keinen Fall. »Der Laden ist bewusst reduziert. Es geht nicht um Masse«, erklärt sie. »Ich sehe schwarz, wenn es nicht aufhört, dass wir alle immer mehr brauchen. Das funktioniert nicht.« Mit diesem Gedanken möchte sie auch ihre Kunden inspirieren. (GEA)

DIE ÖFFNUNGSZEITEN

Oma Lore

, Bahnhofstraße 29, hat montags von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet. Mittwochs von 9 bis 12 Uhr. Sonderöffnungszeiten gibt es am Samstag, 17. Oktober, von 9 bis 12 Uhr.

www.omaloregemischtwaren.com

Das Café

»Stanka ’s«

, Luppachstraße 1, ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

Das Café von

»Eisvogel Vintage«

, Reutlinger Straße 29, ist donnerstags von 19 bis 21 Uhr geöffnet, freitags von 14 bis 22 Uhr, samstags von 14 bis 22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 20 Uhr. (GEA)

www.eisvogel-vintage.de