NEHREN. Im Rahmen des Zweckverbandes Steinlach-Wasserversorgung arbeitet die Gemeinde Nehren schon seit vielen Jahrzehnten mit den Nachbarkommunen zusammen. Im Jahr 1919 schlossen sich hierfür Nehren, Dußlingen, Ofterdingen und Mössingen zu dem Zweckverband zusammen. Das Trinkwasser stammt zum Teil aus eigenen Quellen, zum Teil wird es von der Bodensee-Wasserversorgung bezogen. Der Zweckverband allerdings kümmert sich nur um die Wasserversorgung bis zu einer Übergabestation - die örtliche Wasserverteilung bleibt in der Verantwortung der jeweiligen Gemeinde.
Das Nehrener Trinkwassernetz umfasst hierfür etwa 22 Kilometer an Leitungen, die Haushalte, aber auch die Landwirtschaft und Industrie mit sauberem Wasser versorgen. Hinzu kommen rund 400 Wasserschächte. Um dieses Netz kümmerte sich bislang ein Eigenbetrieb der Gemeinde, der eigentlich nur auf dem Papier bestand: Um technische Belange kümmerte sich das Personal des Bauhofs, um die Abrechnungen die Verwaltung im Rathaus. Rund 72.000 Euro an internen Kosten kamen hier zusammen. Und auch wenn zwei Mitarbeiter des Bauhofs speziell für die Belange der Trinkwasserqualität geschult sind, mussten Arbeiten in der Vergangenheit auch an externe Dienstleister vergeben werden, wie etwa die Armaturenwartung.
Bürokratie, Fachkräftemangel und Haftungsfragen
Die Zukunftsfähigkeit dieses Eigenbetriebs war deshalb zunehmend fragwürdig. So lässt sich eine ständige Rufbereitschaft mit zwei Mitarbeitern eigentlich nicht bewerkstelligen, zudem steigen die gesetzlichen Anforderungen, um die Trinkwasserqualität zu sichern. Von der Qualitätsüberwachung bis zu Nachweis- und Dokumentationspflichten reicht die Bürokratie inzwischen. »Alle reden vom Bürokratieabbau«, fasste Nehrens Bürgermeister Betz die Situation zusammen, »und doch wird es immer nur noch mehr Bürokratie.« Was auch haftungsrechtliche Fragen aufwerfe. Durch das angestrebte Bevölkerungswachstum würden die Anforderungen an die Wasserversorgung künftig noch steigen, so Betz weiter.
Weshalb die Gemeindeverwaltung jetzt vorschlug, die Betriebsführung der Wasserversorgung extern zu vergeben: an die Stadtwerke Mössingen. Mit rund 50 Mitarbeitern sind die Stadtwerke aus der Nachbarstadt personell deutlich besser aufgestellt, als es die Gemeinde Nehren in diesem technischen Bereich je sein könnte. Und auch die Mössinger erhoffen sich, durch die neue Aufgabe weiterzuwachsen. So betonte Micha Astfalk, Leiter der Mössinger Wasserversorgung, dass auch die Stadtwerke personell aufstocken müssten, um alle Aufgaben aus Nehren übernehmen zu können. Die Stadtwerke werden so zu einem attraktiveren Arbeitgeber, in Zeiten des Fachkräftemangels ein weiteres Argument für den Zusammenschluss.
Daten verbleiben im Besitz der Gemeinde
Da den Stadtwerken aktuell aber noch die personellen Kapazitäten fehlen, sollen die Arbeiten ab Januar 2026 Schrittweise von den Mössingern übernommen werden. So sollen etwa Tiefbauarbeiten, der Zählerwechsel und die Abrechnung der Wasserversorgung zunächst in Nehren verbleiben. Billiger wird die Trinkwasserversorgung dadurch nicht, betonte Astfalk im Nehrener Gemeinderat. Tatsächlich rechnet die Gemeinde mit Mehrkosten in Höhe von rund 50.000 Euro. »Der normale Privathaushalt wird das kaum merken«, betonte Bürgermeister Betz. »Schließlich kosten 1.000 Liter Trinkwasser derzeit nur 2,78 Euro.« Anders sehe es bei der Industrie und Landwirtschaft aus - dort könnte der künftig wohl höhere Wasserpreis schon zu spüren sein, erklärte Betz. Demgegenüber stünde eine zukunftsfähige Wasserversorgung und langfristig eine Entlastung des Bauhof-Personals und der Gemeindeverwaltung.
Der neue Vertrag soll zunächst für vier Jahre gelten. »Wir gehen damit denselben Weg, den Dußlingen und Ofterdingen schon gegangen sind«, warb Betz für die Übergabe der Betriebsführung und für die Stadtwerke Mössingen, die ein »verlässlicher Partner sind, dem wir vertrauen und mit dem wir seit Jahrzehnten zusammenarbeiten«. Alle Daten zur Nehrener Trinkwasserversorgung würden indes auch in Zukunft im Besitz der Gemeinde bleiben, auch alle Maßnahmen der Stadtwerke würden für die Nehrener dokumentiert. Hierfür zahlt Nehren für die Übergabe der technischen Betriebsführung eine jährliche Pauschale in Höhe von 36.500 Euro, weitere Arbeiten der Stadtwerke werden stundengenau abgerechnet, etwa bei Rohrbrüchen. Der Gemeinderat war am Ende überzeugt - und stimmte einstimmig für die Beauftragung der Stadtwerke Mössingen. (GEA)
Derzeit härteres Trinkwasser
In dieser Woche startete der Zweckverband Steinlach-Wasserversorgung einen Pumpversuch im Wasserwerk in Kilchberg. Ziel des Pumpversuches ist es, die Grundwasserentnahme zu erhöhen, um eine Aussage über die Grundwasserneubildungsrate treffen zu können, teilt der Zweckverband mit. Durch die Erhöhung der Eigenwasserförderung ändert sich das Mischverhältnis von Eigenwasser und Wasser des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung. Dies führt zu einer vorübergehenden Änderung des Härtebereichs von "mittel" (bisher 13,3°dH / 2,37 mmol/l) auf "hart" (Härtebereich > 14°dH bzw. > 2,50 mmol/l) sowie zu einer Erhöhung des pH-Wertes.
Das in diesem Zeitraum gelieferte Trinkwasser entspricht weiterhin den hohen Qualitätsansprüchen der Trinkwasserverordnung und kann weiterhin in gewohnter Weise genutzt werden. Eine gesundheitliche Gefährdung durch Konsum ist ausgeschlossen. Für Rückfragen hat der Zweckverband eine Telefon-Hotline eingerichtet: 0 74 73 / 370-451. (GEA)

