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Aktuell Haushalt

Nehren kommt ohne neue Kredite klar

Die Gemeinde Nehren hat ihren Haushaltsplan für das Jahr 2026 eingebracht. Zwar schließt die Gemeinde mit einem Minus ab, kann dieses aber aus den Rücklagen ausgleichen.

Hinter dem bestehenden Feuerwehrhaus (links) soll ein Anbau in Holzständerbauweise entstehen. Anschließend werden die Freifläche
Hinter dem bestehenden Feuerwehrhaus (links) soll ein Anbau in Holzständerbauweise entstehen. Anschließend werden die Freiflächen in Angriff genommen. Foto: Alexander Thomys
Hinter dem bestehenden Feuerwehrhaus (links) soll ein Anbau in Holzständerbauweise entstehen. Anschließend werden die Freiflächen in Angriff genommen.
Foto: Alexander Thomys

NEHREN. Die Kreisumlage steigt nicht so hoch an wie befürchtet, und zugleich erhöhen sich die Schlüsselzuweisungen im kommunalen Finanzausgleich, da Nehren das Gewerbesteuer-Rekordjahr 2023 auch buchhalterisch inzwischen komplett hinter sich gelassen hat: Diese beiden Effekte sorgen dafür, dass die Gemeindeverwaltung dem Nehrener Gemeinderat für den Haushalt 2026 ein entspanntes Planwerk vorlegen konnte. Zwar sieht der eingebrachte Haushaltsentwurf ein Minus von knapp einer halben Million Euro vor, das Defizit verringert sich am aber im Vergleich zum aktuellen Haushaltsjahr deutlich. In 2025 ist immerhin ein Minus von zwei Millionen Euro eingeplant.

Eine weitere gute Nachricht: Nehren kann die jeweiligen Defizite aus den - allerdings zunehmend abschmelzenden - Rücklagen bedienen, neue Kredite müssen im Kernhaushalt der Gemeinde nicht aufgenommen werden. So soll der Gesamtschuldenstand der Gemeinde bis Ende 2026 auf 3,24 Millionen Euro sinken. Pro Jahr tilgt Nehren etwa 150.000 Euro an Kreditschulden, wodurch natürlich auch die Zinslast sinkt. »Mit den Geldern aus dem Sondervermögen des Bundes müsste es uns auch in den kommenden Jahren gelingen, die Schulden weiter abzubauen«, prognostiziert Bürgermeister Egon Betz.

»Letzlich steigen die Ausgaben schneller an, als die Einnahmen«

Sorgen bereitet der Verwaltung indes die stetig steigende Kreisumlage. »Im Vergleich zum Jahr 2019 müssen wir heute 400.000 Euro mehr für die Kreisumlage aufwenden«, erklärt Kämmerer Frank Schmeckenbecher. Eine Erhöhung der Kreisumlage um ein Prozent koste Nehren rund 80.000 Euro pro Jahr. Nehren versucht daher auch, die Einnahmenseite zu verbessern: Vergnügungs- und Hundesteuer wurden zuletzt erhöht, eine Anpassung der Elternbeiträge an das Einkommen der Familien bringt weitere 24.000 Euro ein. »Aber letztlich steigen die Ausgaben schneller an, als die Einnahmen«, sagt Schmeckenbecher. Eine gute Nachricht: Bei den Heiz- und Stromkosten rechnet die Gemeinde mit Einsparungen in Höhe von rund 100.000 Euro.

Der Kindergarten Reisser: Ein Abriss in diesem Jahr klappt nicht mehr, im Januar dürften die Tage des Gebäudes aber gezählt sein
Der Kindergarten Reisser: Ein Abriss in diesem Jahr klappt nicht mehr, im Januar dürften die Tage des Gebäudes aber gezählt sein. Hier wird der Jugendspielplatz entstehen. Foto: Alexander Thomys
Der Kindergarten Reisser: Ein Abriss in diesem Jahr klappt nicht mehr, im Januar dürften die Tage des Gebäudes aber gezählt sein. Hier wird der Jugendspielplatz entstehen.
Foto: Alexander Thomys

Wesentlich erfreulicher ist der Blick auf die Investitionen. Das kommende Jahr werde ein »Umsetzungsjahr« werden, verspricht Bürgermeister Betz. Viele Projekte, die teils schon lange geplant worden sind, kommen jetzt zur Umsetzung. »Erst kam Corona, dann der Krieg in der Ukraine«, nennt Betz einen Grund für die Verzögerungen. In diesem Jahr soll es nun voran gehen: Im Januar wird der alte Reisser-Kindergarten abgerissen, dann sollen der Jugendspielplatz (rund eine Million Euro Kosten), der Anbau am Feuerwehrgerätehaus (500.000 Euro) und die Mehrgenerationenfreifläche zwischen Feuerwehr und Seniorenresidenz (375.000 Euro) realisiert werden. Die Gesamtkosten für die Erneuerung des Feuerwehrgerätehauses liegt dann bei 2,7 Millionen Euro.

»Erst kam Corona, dann der Krieg. Aber 2026 wird ein Umsetzungsjahr«

Sobald der Jugendspielplatz realisiert ist, wird die in zwei Abschnitten geplante Sanierung des Schulhofes der Kirchenfeldschule losgehen - laut Plan ebenfalls schon im kommenden Jahr. »Zuerst muss aber der Jugendspielplatz realisiert sein«, erklärt Betz. Denn es sind auch Eingriffe in den Ballspiel-Käfig geplant. »Wir wollen vermeiden, dass die Jugendlichen eine Weile gar keinen Treffpunkt mehr hätten.« Betz freut sich, dass nun »drei Plätze der Begegnung« neu geschaffen werden. »Das sind lauter Dinge, die sichtbar sind, mit einem Mehrwert für verschiedene Altersgruppen.« Außerdem werden 360.000 Euro für einen neuen Gerätewagen-Transport der Feuerwehr eingestellt, um die Ausschreibung des Fahrzeugs zu ermöglichen. Die Beschaffung soll dann 2027 erfolgen. Das inzwischen veraltete, aktuelle Fahrzeug haben die Feuerwehrleute einstmals selbst aus einem gebraucht beschafften Speditions-LKW aufgebaut. Für 150.000 Euro wird die Barrierefreiheit der Bushaltestellen verbessert.

Bei einem Haushaltsvolumen von rund 14 Millionen Euro steht Nehren gut da, erklärt Betz. Zu verdanken sei dies auch dem gesunden Branchen-Mix der Nehrener Unternehmen. Die Stimmung bei den Unternehmern nannte Betz »stabil«, wobei die Steinlachgemeinde den Vorteil habe, keine Firmen aus den kriselnden Bereichen Maschinenbau oder Automobilzulieferung am Ort zu haben. »Wir haben eine gute Mischung, die das Risiko von Steuerausfällen reduziert«, bilanziert Betz. Dennoch sei weiterhin ein vorsichtiges Haushalten gefragt, zumal für den Nehrener Schultes auch die Einnahmen aus dem Sondervermögen noch nicht abschließend geregelt seien. Vieles sei da noch ein »Blick in die Glaskugel«. Helfen würde, so der Nehrener Bürgermeister weiter, auch weniger Bürokratie. »Früher waren wir Exportweltmeister, heute sind wir Vorschriftenweltmeister.« Aber Optimismus sei angesagt: »Wir sind immer noch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.« (GEA)