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Nach Verunreinigung: Viele tote Fische in der Steinlach bei Mössingen

Nach einer Kanalverstopfung in Öschingen gelangten Abwässer mit Fäkalien in den Öschenbach und färbten auch die Steinlach schwarz. Zahlreiche Fische starben – Feuerwehr und THW waren stundenlang im Einsatz.

Unglück mit Todesfolge für den Fischbestand im Öschenbach und der Mössinger Steinlach.
Unglück mit Todesfolge für den Fischbestand im Öschenbach und der Mössinger Steinlach. Foto: Jürgen Meyer
Unglück mit Todesfolge für den Fischbestand im Öschenbach und der Mössinger Steinlach.
Foto: Jürgen Meyer

MÖSSINGEN-ÖSCHINGEN. Verstopfung mit tödlichen Folgen. Zahlreiche Fische sind in Folge eines Überlaufs des Öschinger Abwasserkanals am Öschenbach zwischen Öschingen und dem Mössinger Steinlach-Wehr ums Leben gekommen. Am Freitag war die Feuerwehr gegen 16.30 Uhr in den Bereich der Landesstraße 383 zwischen Mössingen und Öschingen gerufen worden. Im Bereich der Öschenbachbrücke, rund 300 Meter vor der Oberen Mühle, an der Mündung zur Steinlach, entdeckten Passanten eine Dunkelfärbung des Gewässers. Die Helfer stellten ebenfalls eine großflächige Verunreinigung des Baches fest.

Bereits am Vormittag waren Feuerwehr und Polizei dort wegen einer unklaren Substanz im Bachbett mehr oder weniger ergebnislos im Einsatz. "Wir dachten, das sei natürlichen Ursprung", so Feuerwehrsprecher Patrick Flammer. Das Landratsamt nahm Wasserproben. Gegen Nachmittag meldete die Behörde, dass die Verunreinigung unter anderem von Fäkalien herrührt und daher schwerwiegend sei. Bei neuerlichem Einsatz sahen die Wehrleute, dass die Verunreinigung im Laufe des Tages offenbar stark zugenommen hatte und auch in weiteren Bereichen des Bachlaufes bis hin zur Steinlach in der Falltorstraße deutlich sichtbar war. "Wir leiteten umfangreiche Maßnahmen zur Gewässersicherung und Ursachenforschung ein. Sie entdeckten in der Wiese neben dem Radweg einen verstopften Schacht des Kanals, der die Abwässer von Öschingen nach Mössingen leitet. Eine Kanalreinigungsfirma spülte den Abwasserkanal, womit die Ursache beseitigt wurde.

Das Wasser der Steinlach wird unter der Mühlegärtle-Brücke abgepumpt und über das Wehr geleitet, während das verunreinige Wasser
Das Wasser der Steinlach wird unter der Mühlegärtle-Brücke abgepumpt und über das Wehr geleitet, während das verunreinige Wasser (im Vordergrund) erst in den kommenden Tagen abgepumpt werden soll. Foto: Jürgen Meyer
Das Wasser der Steinlach wird unter der Mühlegärtle-Brücke abgepumpt und über das Wehr geleitet, während das verunreinige Wasser (im Vordergrund) erst in den kommenden Tagen abgepumpt werden soll.
Foto: Jürgen Meyer

Als weitere Maßnahme wurde durch die Feuerwehr im Bereich der Falltorstraße am Wehr das Wasser aufgefangen und in die Kanalisation gepumpt. Tote Fische wurden geborgen, noch lebende eingefangen und nach dem Wehr in den Stromschnellen wieder ins Wasser gesetzt. Parallel dazu, so die Einsatzleitung, schieberten Mitarbeiter der Stadt nachfließendes Wasser ab. Um das Wasser in großen Mengen abpumpen zu können, wurde das Technische Hilfswerk aus Ofterdingen und Rottenburg mit schwerem Gerät und leistungsstarken Pumpen zur Einsatzstelle nachgefordert. Gegen 23:00 Uhr übernahm das THW den Einsatz. Das DRK Mössingen-Ofterdingen versorgte die Helfer.

Steinlach aus dem Schlauch: Das Wasser wird um das Wehr herumgeleitet.
Steinlach aus dem Schlauch: Das Wasser wird um das Wehr herumgeleitet. Foto: Jürgen Meyer
Steinlach aus dem Schlauch: Das Wasser wird um das Wehr herumgeleitet.
Foto: Jürgen Meyer

Das momentan kaum wasserführende Fließgewässer erhielt unterhalb der Brücke am Mühlegärtle einen Bypass. Mit Sandsäcken wurde eine Sperre errichtet und das von Talheim und Öschingen kommende Wasser durch eine Rohrleitung über das Wehr gepumpt. Während das verunreinigte Wasser im großen Becken vor dem geschlossenen Wehr mit noch weiteren toten Fischen isoliert ist.

Die Stadtverwaltung Mössingen bestätigt, dass der verstopfte Abwasserkanal des Stadtteils Öschingen die Ursache war. »Durch das schnelle Eingreifen von Feuerwehr und THW konnte verhindert werden, dass das Abwasser über das Wehr hinaus weiter in der Steinlach verteilt wurde. Bedauerlicherweise wurde zum Zeitpunkt der Verstopfung auch Abwasser eines Gewerbebetriebs vorschriftsmäßig in die Kanalisation eingeleitet, was letztlich zur schwarzen Verfärbung des Gewässers führte.«

Das Wasser vor dem Wehr soll in den kommenden Tagen abgepumpt werden.
Das Wasser vor dem Wehr soll in den kommenden Tagen abgepumpt werden. Foto: Meyer
Das Wasser vor dem Wehr soll in den kommenden Tagen abgepumpt werden.
Foto: Meyer

Die Abteilung Umwelt und Gewerbe des Landratsamtes Tübingen, der Polizeiposten Mössingen und die Abteilung Gewerbe und Umwelt der Polizei, der Baubetriebshof, die Stadtwerke und die Feuerwehr waren von Beginn an eingebunden. Der Fischereiverein Tübingen steht der Stadtverwaltung beratend zur Seite.

Das im Wehr beim Mühlegärtle aufgefangene verunreinigte Wasser mit weiteren toten Fischen gelte es nun vollends abzupumpen und über die Kanalisation der Kläranlage in Dußlingen zuzuleiten. Daher würden auch in den kommenden Tagen Einsatzkräfte am Wehr in der Falltorstraße tätig sein. Es ist hier zeitweise auch mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Bis auf Weiteres bleibt auch der Zugang zum Wehr beim Mühlegärtle gesperrt. »Wir bitten die Bevölkerung um Beachtung und um Verständnis für die Einschränkungen am und um das Mühlegärtle. Die Stadtverwaltung wird über die weitere Entwicklung informieren.«

Am Sonntagvormittag wurden jedoch die Schlauchleitungen abgebaut und der Schieber am Wehr ein wenig geöffnet. Offenbar entschieden sich die Verantwortlichen dazu, das aufgestaute und verunreinigte, dunkle Wasser durch Zulauf mit der Steinlach zu vermischen und verdünnt gen Ofterdingen zu leiten. (GEA)