MÖSSINGEN-BELSEN. Nach dem Hangrutsch am Ortsrand von Belsen hat sich die Lage entschärft. Forstspezialisten haben am gestrigen Freitag die abgedriftete Böschung am Buchbach von jeglichem Baum- und Pflanzenbewuchs befreit. Tonnen von Wurzelstöcken und Hölzern wurden mittels eines Spezialkrans aus der Rutschfläche geborgen.
In der Nacht zum Montag, als man glaubte, das tagelange Dauerregen-Unwetter hätte keine nennenswerten Schäden oder Behinderungen im Stadtgebiet angerichtet, passierte es: Auf einer Länge von rund fünf Metern war die ebenso hohe Steilböschung am linken Bachrand abgerutscht.
Das prekäre: Der Abgang der durchnässten Erd- und Schlammmassen samt dichtem Bewuchs ereignete sich ausgerechnet an einer Engstelle. Dort, an der Ecke von Buchbachstraße zur Richtung Beuren und Alten Morgen führenden Steiggasse, steht das letzte Wohngebäude in dieser Straße.
Durch die Rutschung wurde das etwa zwei Meter breite Bachbett zur Hälfte zugeschüttet. Daraufhin erhöhte sich der Wasserspegel im rückwärtigen Bereich und die Fließgeschwindigkeit wurde erhöht. Damit war eine Überschwemmung an der Engstelle vorprogrammiert. Einerseits durch das Nachrutschen des Hangs, gedrückt vom tonnenschweren Eigengewicht insbesondere der Baumbepflanzung. Der nächste Starkregen hätte dazu geführt, dass die Wassermassen über die hier nur eine Uferhälfte bestehende Begrenzung geströmt wären – durch den Garten des Wohnhauses, wenn nicht sogar durch das Gebäude selbst oder rückstauend in die Nachbarhäuser, um dann nach dem Hindernis wieder ins Bachbett zurück zu strömen.
Das ganzes spielt sich zudem rund 20 Meter vor dem Hochwasserrechen des Buchbachs ab, der Treibgut aufhalten soll, bevor das Gewässer in die Dole fließt – und die es natürlich nicht verstopfen darf.
Erst an der Mössinger Straße, Ecke Albblickstraße, wo die einstige Kreissparkassen-Filiale stand, kommt der in der Nachkriegszeit in den Untergrund gelegte Dorfbach nach etwa 700 Metern wieder zum Vorschein. Unter Tage vereint mit dem von Beuren kommenden und abwärts fließenden Geißbach führt der kleine Fluss, nun unter dem Namen Ernbach, seine Reise zur Steinlachmündung beim Ofterdinger Sportplatz fort.
Die Unterquerung des Dorfes gefällt dem Buchbach nicht immer. In den vergangenen zwanzig Jahren hat er bei Unwettern seinen alten Lauf überirdisch gesucht und ist mitunter die Dorfstraße entlang geflossen.
Die Gefahrenstelle hat nun das Mössinger Forstunternehmen um den Feuerwehrmann Andreas Stegert mithilfe von schwerem Gerät geräumt. Das Team war mit Motorsägen im Rutschhang zugange und ließ das Gehölz über den Auslegearm des Autokrans der Mössinger Firma Brielmann bergen – über das Wohnhaus hinweg. Die schweren Wurzelstöcke wurden vom Kran an Eisenketten wie überdimensionale Sektkorken aus dem Schlamm geploppt. Noch vor Ort übernahmen Mössinger Bauhofmitarbeiter die Abfuhr der Holzkolosse, kleinere Stämme wurden gleich geschreddert. Vorerst bleibt allerdings die rutschbedingte Engstelle im Bachbett, die nicht mit Baggern anfahrbar ist, erhalten. Das Wasser hat jetzt nämlich keine Hindernisse in Form von Bewuchs, sondern soll mit eigener Kraft die »Sandbank« wieder abtragen. (GEA)


