KIRCHENTELLINSFURT. Micha Fingerle setzt den aktuell schweren Zeiten Leichtigkeit entgegen. Spaß, Humor und vor allem große Offenheit sind dem neuen Kirchentellinsfurter Pfarrer wichtig. »Jeder darf so kommen, wie er ist«, sagt Fingerle, und seine Frau Kathrin stimmt ihm da voll und ganz zu. Das Ehepaar hat seit 1. Oktober die Pfarrstelle in Kirchentellinsfurt übernommen. Am 12. Oktober war der Investitur-Gottesdienst.
Selbstverständlich ist es für das Pfarrerpaar nicht, dass die Stelle in Kirchentellinsfurt wieder besetzt wurde. Schließlich kämpft die evangelische Kirche mit vielen Kirchenaustritten. Die Zahl der Pfarrstellen geht zurück, damit verteilt sich die Arbeit auf weniger Köpfe. Für die Fingerles ist das kein Problem. Ihre neue Stelle treten sie mit viel Tatkraft und Zuversicht an.
In Reutlingen geboren und aufgewachsen
Vieles ist noch neu für das Ehepaar. Dabei ist der Umzug nach Kirchentellinsfurt eigentlich eine Rückkehr in die alte Heimat. Micha Fingerle ist in Reutlingen geboren und aufgewachsen. Kathrin Fingerle stammt aus Würtingen. In Tübingen haben beide ihr Examen gemacht und in Heilbronn ihr Vikariat. Dazwischen gab es Stationen in Boston, USA (Micha Fingerle) und Schweden (Kathrin Fingerle). In einem kirchlichen Vorpraktikum in Nufringen hat der Pfarrer die Arbeit am Fließband kennengelernt. Seitdem weiß er seine eigene Tätigkeit noch mehr zu schätzen. Nach dem Vikariat kamen beide nach Sigmaringen. Dort arbeiteten sie in einem Team mit dem Schwerpunkt Kinder und Familie. Es war eine Erfahrung in der Diaspora. Schließlich ist die Mehrheit der Sigmaringer katholisch.
Schnelle Entscheidung für Kirchentellinsfurt
Als sie auf die frei werdende Pfarrstelle in Kirchentellinsfurt hingewiesen wurden, bewarben sich die Fingerles sofort. Nach dem Bewerbungsgespräch war die Sache für beide schnell klar: Schon auf der Rückfahrt nach Sigmaringen seien sie sich einig gewesen: »Das machen wir«, erzählt das Ehepaar. Sie freuen sich auf ihre neue Wirkungsstätte. »Die Gemeinde hat Lust am Ausprobieren«, sagt Kathrin Fingerle und nennt als Beispiel ein Frühstücks-Abendmahl, das in der Kirche angeboten wurde. Der Pfarrerin gefällt, dass in Kirchentellinsfurt versucht wird, neue Wege zu gehen.
Neue Wege versucht auch Micha Fingerle zu gehen. Als »Leichtigkeitspfarrer« ist er auf Instagram präsent. Sein Auftritt gehört zum Sinnfluencer-Pro-Netzwerk der württembergschen Landeskirche, das 2024 gegründet wurde. Zwölf Social-Media-Projekte sind dabei entstanden, eines davon ist Fingerles Auftritt. Mit viel Humor, Optimismus und seiner Handpuppe Luise versucht er dort, jüngere Altersgruppen für religiöse Themen zu gewinnen.
Vom ehrenamtlichen Engagement begeistert
Begeistert sind die beiden Pfarrer auch, vom ehrenamtlichen Engagement in der Gemeinde. Die große Anzahl an Vereinen beeindruckt die Fingerles ebenso wie der aktive Kirchen- und Posaunenchor und der starke CVjM im Ort. Pfarrer Fingerle hat auch schon ein Betätigungsfeld für sich gefunden: Bei den Alten Herren im Sportverein wolle er Fußballspielen. »Ich muss nur noch ein bisschen joggen gehen.«
Das umfangreiche Engagement in der Gemeinde passt gut zu den beiden Pfarrern. Schließlich wollen auch sie keine Einzelkämpfer sein, sondern sich zusammen mit Kirchengemeinderat und Diakonie um die rund 2.000 Menschen große Kirchengemeinde in Kirchentellinsfurt kümmern. Sie sind dabei offen für den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus. Mit den umliegenden Gemeinden werde es einen Kanzeltausch geben, kündigen die beiden Pfarrer an. Auch beim Thema Zukunft, dem sich die evangelische Kirche im kommenden Jahr widmen will, wollen sich die Fingerles beteiligen. Das ist ein Schwerpunkt in der Arbeit von Kathrin Fingerle: Sie gehört schon länger der Gruppe Christians for Future Tübingen an, die sich für Klimagerechtigkeit und Frieden einsetzt. In Sigmaringen hatte sie schon eine Ortsgruppe gegründet. Hier will sie ihre Arbeit fortsetzen. (GEA)
Nachfolge von Susanne Edel und Cordula Modrack
Das Kirchentellinsfurter Pfarramt war auch schon vor dem Ehepaar Fingerle mit zwei Pfarrern besetzt: Susanne Edel teilte sich die Stelle mit Cordula Modrack. Im Januar ging Edel in den Ruhestand, Modrack ist weiterhin in Elternzeit. Zum großen Abschiedsgottesdienst kamen über 200 Menschen. (iwa)

