KUSTERDINGEN-MÄHRINGEN. »Wenn wir auf die Toilette müssen, müssen wir erst die Treppen runter und über den Hof ins andere Gebäude laufen. In der Mensa schallt es auch sehr. Allein schon das Stühlerücken verursacht Lärm«, Susanne Enders-Jazvec, Schulleiterin der Härtenschule, hatte am Mittwochabend den Kusterdinger Gemeinderäten so einiges zu erzählen. In einer Sondersitzung kam die Zukunft der Mähringer Grundschule auf den Tisch.
Ende Juli war wieder Dynamik in das Thema gekommen, nachdem die Erweiterung der Härtenschule jahrelang zwar im Haushalt eingeplant, aber immer zurückgestellt worden war. Der Bund hatte Fördermittel in Höhe von 70 Prozent für den Ausbau zu einer Ganztagsschule ausgeschrieben. Ab 2026 gibt es einen Rechtsanspruch auf Betreuung.
Zügig hatte der Kusterdinger Gemeinderat einen Antrag eingereicht. Schließlich gab es ja bereits die Planungen einer Machbarkeitsstudie von 2018. Neben dem Problem, dass die Bundesmittel nicht für die eingereichten Anträge ausreichen, gibt es ein weiteres Hindernis, gab Bürgermeister Jürgen Soltau wiederholt zu bedenken. Die Bauarbeiten müssten jedoch bereits bis Ende August 2027 abgeschlossen worden sein. »Aber das Land möchte nun weitere Fördermittel auch in Höhe von 70 Prozent der Kosten bereitstellen. Dadurch hätten wir auch eine andere Zeitschiene«, teilte Soltau mit.
Gesamtkosten liegen bei etwa 10 Millionen Euro
Es sei aber noch nicht klar, welche Verwaltungsrichtlinien gelten werden. »Wir sollten noch nichts beschließen, damit wir nicht gegen etwas verstoßen. Wenn das mit der Förderung nicht klappen sollte, macht das einen Unterschied von 2,6 Millionen Euro.« Insgesamt würden die Kosten für das Vorhaben bei etwa 10 Millionen Euro liegen. Darüber hinaus wäre es auch möglich, für die Sanierung von unter anderem der Technik und der Heizung, weitere Fördermittel zu beantragen.
Alice Botzian vom Stuttgarter Architekturbüro Kilian und Partner stellte einen Planentwurf vor. In einem einstöckigen Neubau sollen vorwiegend Räume, die für die Betreuung genutzt werden können, entstehen. Auch Arbeitsflächen für die Lehrkräfte, für etwa ein Krankenzimmer und für die Schulsozialarbeit müssten bei einem Schulgebäude eingeplant werden. »Hier geht es schließlich auch um sensible Daten«, sagte Botzian. Man plane so, dass die Schule, die derzeit zweizügig ist, auch für mehr Jahrgänge genutzt werden könne. »Sie wird zweieinhalb zügig kalkuliert.«
Mit dem Neubau soll ein Rundschluss der dann vier Schulgebäude entstehen. In der Machbarkeitsstudie von 2018 stand eine »Stilllegung« des ältesten Gebäudes aus den 1930-ern im Raum. Es sollte auch für Außerschulisches, wie etwa Volkshochschule genutzt werden. Da diese Idee einige bürokratische Hürden mit sich gebracht hätte, ist sie mittlerweile ad acta gelegt worden.
Mehr Flexibilität gewünscht
»Das Mensaproblem ist mega akut«, betonte Annett Kirschmann, Mitarbeiterin in der Betreuung. Was könnte sonst noch verbessert werden? Johannes Ferber (Härtenliste) äußerte den Wunsch, dass in der Mensa frisch gekocht werden sollte. Eltern könnten sich dabei engagieren. »Für 200 Menschen zu kochen ist nicht einfach«, weiß Gerhard Mayer (FDP), Besitzer des Restaurants Waldhorn. »Dass Eltern das übernehmen, ist nicht verlässlich«, sagte Soltau. »Dann müssten wir doch noch Mitarbeiter anstellen.«
Die stellvertretende Schulleiterin Viviane Glora sprach sich für mehr Flexibilität aus. »In breiteren Fluren könnten in den Nischen sich zum Beispiel Leselernpaten mit einzelnen Schülern zusammensetzen«, schlug sie vor. Derzeit würden etwa 120 von 186 Schülern die Kernzeitbetreuung besuchen.
Vera Ambros (Härtenliste) hob den Charme des Altbaus hervor. »Die Baustruktur ist sehr klar strukturiert. Viele verbinden das Gebäude noch mit ihrer Schulzeit«, sagte sie. (GEA)

