MÖSSINGEN. Gleich drei Fachleute sprachen in der vergangenen Gemeinderatssitzung vor dem Mössinger Gremium vor: Thomas Hörnig, Forstamtsleiter am Landratsamt Tübingen, war mit den beiden Forstrevierleitern Joachim Kern und Marcel Dörr ins Rathaus gekommen, um die aktuelle Lage in der Mössinger Forstwirtschaft darzulegen. Kern ist dabei für die Wälder auf der Gemarkung der Kernstadt, sowie in Belsen und Bad Sebastiansweiler zuständig, Dörr hat unter anderem die Wälder bei Öschingen und Talheim im Blick. Bemerkenswert: Der Mössinger Stadtwald ist der drittgrößte im Landkreis Tübingen.
Das Trio hatte rote Zahlen mitgebracht: Sowohl im aktuellen Haushaltsjahr als auch in 2026 weist der Forstwirtschaftsplan ein Defizit aus. Immerhin: Statt eines Minus' in Höhe von rund 120.000 Euro, wie es vor Jahresbeginn veranschlagt wurde, reduziert sich das Defizit im laufenden Jahr auf rund 70.000 Euro. Für 2026 ist ebenfalls ein Defizit von 75.000 Euro eingeplant.
Ein Grund hierfür ist der Klimawandel, wie Hörnig im Gremium betonte. »Im Jahr 2023 hatten wir viel Sturmholzschaden. Man könnte das als Zufall abtun - oder sich Gedanken darüber machen, dass der Trend im Klimasystem zu mehr Energie geht«, sagte der Forstamtsleiter. »Das ist eine Annahme, mit der wir rechnen sollten. Es wird mehr Gewitter und mehr Stürme geben.« Für die Förster bedeutet dies mehr Arbeit und mitunter schlechteren Ertrag, da Sturmholz sich meist nicht so aufarbeiten lässt wie planmäßig gefällte Bäume. Und: trotz der Naturverjüngung, auf die auch die Mössinger Waldarbeiter setzen, musste nach dem Sturm nachgeholfen werden. »Sonst hätten wir kahle Stellen im Wald.«
»Ohne Aufforstung hätten wir kahle Stellen im Wald«
Insgesamt wurden nach dem Sturm im August 2023 mehr als 6.500 Setzlinge eingeplfanzt, insgesamt 1.700 pro Hektar. Fast 90.000 Euro kostete diese »Wiederbewaldung«, die auf 3,9 Hektar Land nötig wurde. Doch mit dem Pflanzen der jungen Bäume war es nicht getan. »48 Prozent der entstandenen Kosten dient dem Schutz vor Wildverbiss.« So mussten etwa Zäune angelegt oder Wuchshüllen eingesetzt werden. Die Förster wünschen sich daher mehr Unterstützung durch die Jagdpächter. »Wir müssen in den Dialog mit den Jägern gehen«, betonte Kern. Gänzlich einig sei man sich zuletzt nicht gewesen. Während die Förster für die dreijährige Zielvereinbarung den Abschuss von 1.080 Stück Rehwild forderten, blieb am Ende die Zahl von 958 stehen. Der Schwerpunkt solle dabei auf dem weiblichen Rehwild liegen, betonen die Förster. Nur so könne die »Abschusshöhe über der Vermehrungsrate liegen«. Auch Kern betonte: »Aus unserer Sicht muss man an die Grenzen des Machbaren gehen, um die Bestände zu reduzieren.«
»Aus unserer Sicht muss man bei der Bejagung des Rehwilds an die Grenzen des Machbaren gehen«
Die Pflege der Jungbäume sorgt so oder so für Arbeit - und kostet Geld. »Wer viel pflanzt, muss auch in den Folgejahren viel Geld in die Hand nehmen, um die Kulturen zu erhalten«, betonte Hörnig. Trotz eines »Allzeithochs« von 120 Euro pro Festmeter Nadelstammholz auf dem Markt bleibe der Mössinger Forst daher defizitär. Vor allem auch, weil der Marktpreis für Buchenholz stagniere - und die Buche sei der Leitbaum im Mössinger Wald. Hohe Kosten entstehen auch bei der Holzernte am steilen Albtrauf. Festhalten wollen die Revierförster indes an der beliebten Brennholz-Versteigerung, die stets auch ein gesellschaftliches »Happening« sei. Für 10.000 Euro sind im kommenden Jahr Grundstücksankäufe geplant, um die Forstgebiete zu arrondieren. 2025 wurden hierfür bereits 17.500 Euro ausgegeben.
Am Herzen liegt den Förstern auch die Waldpädagogik. Führungen für Schulklassen oder die Umweltspiele sollen auch in Zukunft stattfinden. So soll der Wald auch weiterhin drei Funktionen erfüllen: Die Lieferung von Bau- und Brennholz, den ökologischen Naturschutz und die soziale Nutzung als Erholungsraum. Vom Gemeinderat gab es trotz des Defizites viel Lob für die Forstleute, der Fortwirtschaftsplan 2026 wurde abgesegnet, auch wenn manche Gemeinderäte das Defizit trotz der hohen Holzpreise beklagten. (GEA)

