MÖSSINGEN. Das Ambiente ist großartig: Die Mössinger Stadtbücherei ist im Pausa-Quartier untergebracht, in einem großen, luftigen Raum. Ein Ort in dem man sich gerne aufhält. Künftig wird es noch gemütlicher, sagte Bettina Krimmel-Diem, die neue Leiterin der Stadtbibliothek, ihrer Besuchergruppe aus Gemeinderäten und Stadtverwaltung am späten Montagnachmittag: »Ich habe drei neue Sessel bestellt.«
Bettina Krimmel-Diem fühlt sich sichtlich wohl in ihrem neuen Arbeitsbereich. Sie führte ihre Besucher durch die Regalreihen mit Büchern und Zeitschriften. Sie erklärte, wie man per Computer nach der gewünschten Literatur sucht. Ein paar der Gemeinderäte gaben zu, vorher noch nicht hier gewesen zu sein, versprachen aber, wiederzukommen.
Die Mössinger Stadtbibliothek wächst
Die Mössinger Stadtbücherei wächst nach wie vor: 10.262 Leser sind registriert, dieses Jahr meldeten sich 483 Leser, vor allem Kinder und Jugendliche, neu an. Letztes Jahr wurden über 35.000 Kinderbücher ausgeliehen. Erwachsene nutzen das Angebot meist erst wieder im Ruhestand oder aufgrund der Enkel. Doch das Angebot geht über das Lesen hinaus. Ein Teil davon wendet sich, an Kinder im Vorschulalter. Dieser Bereich sei vor allem für junge Eltern interessant.
Besonders beliebt ist die Toniebox: Darauf werden Figuren gestellt, die Kindern vorlesen. »Sami der Vorlesebär« nimmt mit Sensoren den Text des jeweiligen Buchs auf und gibt ihn mithilfe der Box wieder. In Kita-Gruppen, so Bettina Krimmel-Diem, sei die Figur Edurino besonders beliebt. Mit einem Stift und über eine App lernen Kinder Lesen, Rechnen und erfahren etwas über die Naturwissenschaften.
Fokus auf die, die noch nicht lesen können
Als neues Veranstaltungsformat will die Leiterin der Stadtbücherei einen regelmäßigen Treff etablieren, in welchem Kleinkinder mit Duplo- und Legosteinen herumbauen können. Das begeisterte die Gemeinderäte. Katharina Matheis (Grüne) sprach später in der Gemeinderatssitzung wohl für alle Anwesenden: »Ich finde Ihren Fokus auf die, die noch nicht lesen können, großartig. Sie eröffnen den Kleinen Welten!«
Für Jugendliche soll ein Gaming-Treff eingerichtet werden. Bettina Krimmel-Diem plant darüber hinaus Autorenlesungen für Schulklassen und Workshops für Erwachsene. Beliebte Veranstaltungsreihen sollen fortgeführt werden. Etwa »Heiß aufs Lesen«, letztes Mal nahmen 186 Leser daran teil. So viele waren es zuvor noch nie. Im Rahmen von Veranstaltungen und Führungen will Bettina Krimmel-Diem Trendthemen, etwa das Thema Künstliche Intelligenz, aufgreifen.
Bibliothek der Dinge kommt nicht
Ein von vielen Gemeinderäten gewünschter Bereich wird allerdings nicht kommen: Die Bibliothek der Dinge, in der man beispielsweise Backformen oder Geräte wie eine Bohrmaschine ausleihen kann. Das nahm Mössingens Kämmerin Heidrun Bernhardt auf ihre Kappe: »Das hätte die Bibliothek gerne gemacht. Das ist von mir ausgebremst worden.« Die Folgekosten seien zu hoch, es binde Personalkapazität und es gebe zu wenig Raum dafür. Außerdem, so Heidrun Bernhardt: »Ich sehe es nicht als unseren Bildungsauftrag an.«
Dafür, so die Kämmerin, müssten Kinder und Jugendliche keinen Jahresbeitrag für die Mössinger Stadtbibliothek leisten: »Das ist nicht in jeder Stadt so.« Für Erwachsene soll der Jahresbeitrag demnächst von 15 auf 20 Euro angehoben werden. Auch dafür signalisierte der Gemeinderat Zustimmung. Saskia Geiser (FWV) betonte: »Wenn wir den Standard halten, sind wir mehr als beschenkt!« (GEA)

