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Mössingen will Straße nach Beuren schließen

Immer wieder kommt es dort zu Rutschungen. Eine grundlegende Sanierung ist sehr teuer und bietet dennoch keine Sicherheit

Seit einem Jahr ist die Straße von Belsen nach Beuren gesperrt. Das soll nach dem Willen der Stadtverwaltung auch so bleiben.
Seit einem Jahr ist die Straße von Belsen nach Beuren gesperrt. Das soll nach dem Willen der Stadtverwaltung auch so bleiben. Foto: Förder
Seit einem Jahr ist die Straße von Belsen nach Beuren gesperrt. Das soll nach dem Willen der Stadtverwaltung auch so bleiben.
Foto: Förder

MÖSSINGEN. Seit einem Jahr ist die Gemeindeverbindungsstraße vom Mössinger Stadtteil Belsen hinauf nach Beuren gesperrt. Der Grund: Davor ist es zweimal zu größeren Hangrutschungen gekommen. Was zunächst als vorübergehende Maßnahme gedacht war, soll nun aber auf Dauer so bleiben. In seiner Sitzung am Dienstag, 9. Dezember, liegt dem Gemeinderat ein Vorschlag der Verwaltung vor, die Straße für den öffentlichen Verkehr zu schließen und nur noch Fahrten für den Forst zuzulassen.

Aus Sicht der Mössinger Verwaltung gibt es keine andere vertretbare Lösung, nachdem Geologen zu der Überzeugung gekommen sind, dass selbst aufwendige Sanierungsmaßnahmen keine Garantie bieten für eine permanente Standfestigkeit der Straße. »Wer verantwortungsbewusst handelt«, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat, »kann keine Maßnahmen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro empfehlen, wenn diese nicht sicher plan- und durchführbar sind, sondern das Risiko bergen, alles in den 'Sand' zu setzen.«

»Extrem schwierige Gegebenheiten«

Die Gemeindeverbindungsstraße von Belsen nach Beuren war in guten Zeiten ein reizvolles Sträßle am Albtrauf, fast schon spektakulär. Auf einer Länge von 3,92 Kilometern auf Mössinger Markung überwindet die Straße bis Beuren 179 Höhenmeter auf die Albhochfläche. Geologisch betrachtet handelt es aich aber um ein Rutschungsgebiet, die Stadt spricht von »extrem schwierigen geologischen Gegebenheiten«.

Eine Starkregenphase im Mai vergangenen Jahres löste eine erste großflächige Rutschung aus, bei der die Erdmassen große Bäume mit nach unten rissen und eine Gabionenwand auf einer Länge von 35 Metern zerstörten. Während der Reparaturarbeiten zeigten sich im Bankett auf der Talseite Rissbildungen und leichte Setzungen. Diese wurden aufgefüllt, der Randgraben auf der Hangseite freigeräumt und ein Entwässerungsrohr in der Sraße verlegt. Im August wurde die Straße dann wieder für den Verkehr freigegeben.

Teile der Fahrbahn abgerissen

Dies währte jedoch nur kurz. Im Dezember kam es erneut zu einer Rutschung, bei der die Böschung auf einer Länge von 130 Metern abgerissen wurde, darunter auch Teile der asphaltierten Fahrbahn. Die Straße wurde daraufhin erneut für den Verkehr gesperrt. Untersuchungen des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau kam zu einer für die Stadt Mössingen »ernüchternden Einschätzung«: Jederzeit sei in diesem Gebiet mit weiteren Rutschungen zu rechnen.

Um Gewicht von der Böschung zu nehmen, wurden zunächst große Bäume gefällt. Mögliche weitere Maßnahmen wären etwa der Einbau von Querentwässerungsriegeln alle 25 Meter oder mit Pollern oder Leitplanken die Fahrbahnbreite deutlich zu verringern, um die Belastung des Banketts zu reduzieren. Damit wäre auf mehreren hundert Metern aber nur ein Einbahnverkehr möglich. Allerdings befürchten die Geologen, dass schon die Belastung durch Bau- und Bohrfahrzeuge weitere Rutschungen verursachen könnte.

Mindestens 800.000 Euro

Eine halbwegs stabile Sicherung der Fahrbahn würde jedoch eine durchgehende Bohrpfahlwand mit einer Tiefe von mindestens 15 bis 20 Meter erfordern. Auch bei dieser Lösung wäre schon die Einrichtung der Baustelle ein Problem. Die nur 4,50 Meter breite Fahrbahn erlaubt keine Wendemöglichkeit und ist einer längerfristigen Belastung durch schwere Baufahrzeuge kaum gewachsen. Dazu kommt, dass die Kosten wohl bei mindestens 800.000 Euro liegen würden.

Dies zeige, ist das Fazit aus Sicht der Verwaltung, dass eine Sicherung und Stabilisierung des Problembereichs »technisch nicht sicher planbar und durchführbar ist«. Deshalb ihr Vorschlag: die Gemeindeverbindungsstraße für den öffentlichen Verkehr schließen und zu einem Forstweg abzustufen. (GEA)