KIRCHENTELLINSFURT. Schon in der Krabbelgruppe fiel Mila Breiter aus Kirchentellinsfurt durch ihr offenes Wesen auf, erzählt ihr Vater Jörg Breiter. Eine befreundete Mutter brachte die Eltern auf die Idee, Kontakt zu einer Filmagentur aufzunehmen. Ein Jahr nach der Bewerbung wurde das Mädchen zu einem Casting eingeladen. Prompt stand sie mit nur dreieinhalb Jahren vor der Kamera für den ARD-Fernsehfilm »Zur Hölle mit den anderen«. Auch für einen Faschingskatalog wurde sie bereits gebucht. »Ich habe ein Pharao- und ein Pilzkostüm getragen«, sagt sie und schmunzelt.
Mila ist nicht die Einzige in ihrer Familie, die im Rampenlicht steht. Auch ihre zwei Brüder bekamen ähnliche Aufträge. »Der eine hatte bereits ein Badehosen-Shooting für einen Katalog und der zweite eine kleine Rolle beim Tatort und hat beim Kinofilm ‚Lucy ist jetzt Gangster‘ mitgespielt«, erzählt der Familienvater, der früher Geschäftsführer des Kinos in Metzingen war. »Die Kinowelt war schon immer meine. Es hat mich sehr interessiert, was hinter den Kulissen passiert«, schwärmt er. Umso mehr freut es ihn jetzt, seine Kinder dabei zu unterstützen, die Filmwelt hautnah kennenzulernen.
Die Begeisterung für Film und Fernsehen zieht sich also durch die ganze Familie. Gerade bei so jungen Schauspielern wie Mila achte man besonders wichtig, die gesetzlichen Vorgaben genau einzuhalten, betont er. Die Arbeitszeit für junge Schauspieler sei streng geregelt. »Mit nicht einmal vier Jahren durfte Mila pro Tag nur eine Stunde drehen und höchstens zwei Stunden am Set verbringen.« Insgesamt sind pro Jahr 22 Drehtage erlaubt.
Eine sogenannte Kindercoachin bereitete Mila für ihre Filmrolle vor. »Sie las mir den Text vor und ich habe ihn nachgesprochen. Wir spielten währenddessen mit einem Ball, damit ich lerne, mich besser auf den Text zu konzentrieren«, erzählt das Mädchen. Die Arbeit mit der Coachin zahlte sich aus: Sie empfahl Mila für eine Rolle in der SWR-Serie »Die Fallers - Eine Schwarzwaldfamilie«. Diese wird seit 31 Jahren im SWR ausgestrahlt.
Beim Casting zeigte sich der Regisseur von Milas Können überzeugt – seit 2019 gehört sie fest zum Ensemble und spielt dort die Rolle der Carlotta Schönfeldt. »Das ist die Urenkelin des ältesten Fallers. Sie ist eigenwillig und erlebt so ziemlich viel«, erläutert Mila. Das Einzige, was sie an ihrem Fernsehauftritt stört: »Dass ich Strumpfhosen und unbequeme Klamotten tragen muss, die mag ich nämlich gar nicht.«
»Man wird gekitzelt oder der Kameramann macht Faxen«
Was ihr schwerfällt? »Wenn es emotional wird, zum Beispiel, wenn Carlotta weinen muss«, sagt die junge Schauspielerin. Doch es gibt Hilfsmittel: zum Beispiel »eine Creme, die man sich unters Auge schmiert oder spezielle Augentropfen.« Ihr Papa kommentiert: »Damit die Träne schön herunterläuft.« Und wenn man lachen muss, es gerade aber nicht klappt? »Dann wird man gekitzelt oder der Kameramann macht Faxen«, berichtet Mila.
Etwas, was sie während der Dreharbeiten besonders beeindruckt hat, sind bestimmte Brandschutzmaßnahmen, die ergriffen werden. »Wenn eine Kerze oder ein Teelicht angezündet wird, muss ein Feuerwehrmann mit einem Feuerlöscher daneben stehen.«
»Was wir jetzt drehen, ist erst in einem Jahr im Fernsehen zu sehen«, sagt das Mädchen, das sich alle Folgen anschaut, um nichts zu verpassen und auf dem Laufenden zu sein. Eine Staffel bestehe aus acht Folgen und werde in weniger als zwei Monaten abgedreht. »Die Folgen werden nicht in chronologischer Reihenfolge gedreht, oft herrscht ein wildes Durcheinander«, verrät ihr Vater. Mittlerweile darf Mila fünf Stunden am Set verbringen und davon drei Stunden drehen.
»Es ist komisch, sich selbst auf dem Bildschirm zu sehen«
»Es ist komisch sich selbst und die anderen Schauspieler auf dem Bildschirm zu sehen«, berichtet Mila »denn in Wirklichkeit hat man ja eine ganz andere Familie als in der Serie«. Zu den Drehorten gehören Baden-Baden und Furtwangen im Schwarzwald. Um an den Dreharbeiten teilnehmen zu können, wird sie gelegentlich vom Unterricht beurlaubt. »Man achtet aber darauf, möglichst viele Drehs in die Ferien zu legen«, so ihr Vater. Stressig wird es, wenn sie drehen muss und in der Schule viele Klassenarbeiten anstehen. »Manchmal komme ich mit dem Stoff nicht so gut mit. Wenn ich fehle, bekomme ich Aufgabenblätter und tausche mich mit meinen Mitschülern aus.«
Besonders herausfordernd sei es zur Coronazeit gewesen. Die Dreharbeiten gingen weiter. »Damals hatte Mila per Zoom vom Hotel aus am Unterricht teilgenommen«, berichtet ihr Vater. Corona-Tests, Abstand und Masken hätten damals auch den Arbeitsalltag der Schauspieler bestimmt. Positiv war: »Die Studios sind sehr groß und wurden gut belüftet.«
»Sie wollten Fotos mit mir machen und Autogramme haben«
Wie lange Mila noch bei der Serie mitspielen darf, ist offen. Sie hofft, »so lange wie möglich« dabei zu sein. Da sie fünf Jahre mitspielt, ist es schon vorgekommen, dass sie erkannt wurde. Letztens auf einem Konzert. »Da wollten viele Fotos mit mir machen und Autogramme haben.« In einem Hotel in Baden-Baden habe man sie gelobt, wie toll sie ihre Rolle spiele. »Es waren ältere Leute, denn die Serie ist vor allem bei Älteren beliebt. Ich wünsche mir, einmal bei einem Kinderfilm oder einer -Serie mitspielen zu dürfen. Das wäre sehr cool.«
Zwar hat Mila nicht so viel Freizeit wie andere Gleichaltrige, dennoch bleibt sie aktiv. »Ich tanze, gehe schwimmen, spiele Handball und Gitarre.« Ihre große Leidenschaft bleibt jedoch die Schauspielerei. »Ich möchte auf jeden Fall weitermachen, weil es mir großen Spaß macht.« (GEA)


