OFTERDINGEN. Laut der aktuellen Kriminalitätsstatistik liegt Ofterdingen im kreisweiten Vergleich im Mittelfeld: Im vergangenen Jahr gab es 130 von der Polizei untersuchte Fälle im Ort. In 75 Fällen wurden Tatverdächtige ermittelt. »Bei den Straftaten, welche die Bevölkerung beunruhigen, haben wir eine hohe Aufklärungsquote«, stellte Wolfgang Baur, Leiter des Polizeipostens Mössingen, fest.
2024 gab es in Ofterdingen keine Straftat, die das Leben eines Menschen gefährdete. Von 26 Fällen von Rohheit konnte ein einziger nicht aufgeklärt werden. Beide Täter, die gegen die sexuelle Selbstbestimmung einer anderen Person verstoßen hatten (dazu zählt Belästigung) wurden ermittelt. Baur fasste zusammen: »Letztes Jahr war es in Ofterdingen friedlich.«
Diebstähle aufgrund von Altersarmut nehmen zu
Die jüngste, die sich etwas zuschulden kommen ließ, war ein Mädchen, das etwas im Internet bestellt, aber nicht bezahlt hatte. Zu den ermittelten Tatverdächtigen gehörten lediglich zwei Teenager, weiblich und männlich, dazu 59 Männer und 13 Frauen, darunter sechs Männer und eine Frau im Alter von über 60 Jahren. Bezogen auf das zuletzt genannte Alterssegment verwies Baur auf das Thema Altersarmut.
Die Aufklärungsquote bei Eigentumsdelikten war schon mal höher. Unter den gestohlenen Objekten befanden sich je ein Fahrrad, ein Kleinkraftrad und ein Pkw. Auffällig sei, dass es weniger »klassischen« Ladendiebstahl gebe, wobei da die Dunkelziffer hoch sei. Jedoch sei die Zahl der Kunden, die andere Kunden beklauten, gestiegen. Ein anderer Deliktbereich taucht fast blank in der Statistik auf: Für 2024 wurde ein einziger Hauseinbruch registriert.
Serie von Schock-Anrufen wie aus einem Call-Center
Während Sozialbetrug leicht aufzuklären sei, habe die Polizei mit anderen Fällen von Betrug so ihre Mühe: »Fast jede Woche taucht eine neue Masche auf«, sagte Baur. Sehr häufig registrierten die Beamten, dass die Lieferadresse nicht mit der Rechnungsadresse übereinstimmte. »Da sind die Aufklärungschancen dahin.«
Als wellenartig auftauchendes Dauerthema bezeichnete Baur das sogenannte »Spoofing«: fingierte Schock-Anrufe an ältere Menschen von vermeintlichen Verwandten oder Freunden, die Geld oder Wertgegenstände haben wollen. Ausgehend von Telefonnummern, die nicht zugeordnet werden können. »In meinem Bereich gab es zuletzt 17 Fake-Anrufe. Es wirkte so, als ob ein Call-Center einen ganzen Straßenzug abtelefoniert.« In aller Regel würde diese Betrugsmasche von den Menschen durchschaut.
Straßenkriminalität schwierig aufzuklären
Die vergleichsweise geringe Aufklärungsquote in Sachen Straßenkriminalität »kratzt an meinem Ehrgeiz«, gestand Baur. Das könne sowohl ein Handy sein, das an der Bushaltestelle liegen gelassen und von einer fremden Person eingesteckt wurde. Oder Graffitis, bei denen es sich nicht um Kunst, sondern um Schmiererei handle. »Die haben zugenommen«, sagte Baur. Aufgrund meist später Entdeckung trete man diesbezüglich oft auf der Stelle.
Die neue Cannabis-Gesetzgebung hat ebenfalls eine Auswirkung auf die Statistik: Während die Vergehen, die mit anderen Drogen zu tun haben, leicht zurückgehen, steigen Verstöße, in denen es um den Erwerb und Besitz von Cannabis geht – letzteres betrifft in erster Linie Minderjährige. Auswirkung, so Baur, zeigten sich allerdings auch im Straßenverkehr: Die Grenze zur Fahruntüchtigkeit liege bei 3,5 Nanogramm des Wirkstoffs. »Das ist sehr wenig.« (GEA)

