KIRCHENTELLINSFURT. In Kirchentellinsfurt ist Yasmin Mai-Schoger mittlerweile ein bekanntes Gesicht. Zusammen mit Hauptamtsleiter Michael Schäfer ist sie Ansprechpartnerin für das stetig wachsende Generationen-Netzwerk. Das ist ihre berufliche Seite. Ganz privat hat sie zu Hause eine Schreibwerkstatt. Schon immer habe sie von einem Kurs Kreatives Schreiben geträumt, sagt die Reutlingerin. Jetzt bringt sie ihre große Leidenschaft für das geschriebene Wort ehrenamtlich im Generationen-Netzwerk ein.
Seit Oktober trifft sich ein kleines Häufchen Schreibbegeisterter in der Cafeteria des Martinshauses. Was daraus auf Dauer wird, ist noch gänzlich offen. Vielleicht ein Buch oder auch ein Wohlfühlcafé bei dem selbst verfasste Texte vorgelesen werden, überlegt Mai-Schoger. Die Zukunft wird es zeigen. Völlig zwanglos soll der Kurs jedenfalls sein. Vorkenntnisse werden nicht benötigt. Offen ist das Angebot für alle, die sich auf das kleine Experiment einlassen wollen.
Poetisch, philosophisch, beschreibend nähern sich die Teilnehmer dem Thema
Vier sind es an diesem Nachmittag. Draußen ist es grau und nebelverhangen. Drinnen in der Cafeteria des Martinshauses hat es sich die Gruppe mit Getränken und Getränken gemütlich gemacht. Ein Stichwort wird aus eigenen Vorschlägen gelost. Das Wort Herbstlaub wurde gezogen. 20 Minuten später sind die Texte fertig. Erstaunlich, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen ein einziges Wort führen kann. Poetisch, philosophisch, beschreibend nähern sich die Teilnehmer dem Thema. Jeder auf seine ganz eigene Weise.
»Was man hier auch lernt, ist zuhören«, sagt Maria Waag. Sie schreibe schon lange für sich zu Hause und habe oft gedacht, dass es in einer Gruppe schöner wäre, sagt die Kirchentellinsfurterin. Am liebsten greift sie zum Füller, um ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Thomas Gross schreibt ebenfalls sehr gerne, aber »nicht sehr gerne in der Gruppe«. Weshalb er dennoch mit dabei ist, erklärt er so: »Ich finde es spannend, fremde Texte zu hören.« Vor allem die Verbindung zwischen Bildern und Texte interessiere ihn. Kein Wunder, schließlich beschäftigt sich Gross schon seit 1965 mit der Fotografie. Im Generationen-Netzwerk bietet er außerdem seit Oktober einen Fototreff an. Auch Michael Röckle hat einen besonderen Grund, beim kreativen Schreiben mit dabei zu sein: »Ich verarbeite mein Schultrauma mit Lese- und Rechtschreibschwäche.«
Ruhige, konzentrierte und entspannte Atmosphäre
Es ist eine ruhige, konzentrierte und doch entspannte Atmosphäre in der Cafeteria. »Wem nichts einfällt, der kann einfach aus dem Fenster schauen oder sein Gegenüber anblicken«, empfiehlt Mai-Schoger. »Wir wollen uns gegenseitig inspirieren.« Jeder Text bekommt im Anschluss die volle kritiklose Aufmerksamkeit der Gruppe, ob es nun eine längere Beschreibung oder ein kurzes Gedicht ist. Haikus haben es den Schreibenden besonders angetan. Die kleine japanische Gedichtform mit ihren exakten Regeln schärft den Blick aufs Wesentliche. »Dreißig Jahre hier. Neckar, Tal, Berg, Dorf und See. Kirchentellinsfurt«: Dieses Haiku entstand beim ersten Kurstermin. Maria Waag hat die Form nicht mehr losgelassen, erzählt sie. Mittlerweile denkt sie auch in ihrem Alltag über Haikus nach. Oder eben im Kurs Kreatives Schreiben. Der nächste Termin ist am Freitag, 5. Dezember, 15 Uhr, im Martinshaus. (GEA)

